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Herbert Achternbusch

Herbert Achternbusch
* 23. November 1938
München
Deutschland

HERBERT ACHTERNBUSCH • Biographie Seite 1/1

Lange Zeit hat der Künstler Herbert Achternbusch mit dem offiziellen Kunstbetrieb zu kämpfen. Seine Filme werden zensiert, seine Malerei nicht ausgestellt, seine Texte finden keinen Verlag. Heute gilt das Multitalent - er arbeitet als Film- und Theaterregisseur, Maler, Literat, Produzent, Schauspieler und Bühnenbilder - als einer der wichtigsten Künstler in Bayern, dessen Werk immer ungeschminkt autobiografisch und subjektiv daherkommt.

Herbert Achternbusch wird am 23. November 1938 unehelich unter dem Namen Herbert Schild in München geboren. Sein Mutter ist Sportlehrerin. Er wächst bei seiner Großmutter im Bayerischen Wald auf. Erst mit 22 Jahren adoptiert ihn sein leiblicher Vater. Seitdem trägt er den Namen Achternbusch.

Nach dem Abitur studiert Herbert Achternbusch an der Kunstakademie in Nürnberg Malerei bei Gerhard Wendland, später geht er nach München und studiert an der dortigen Akademie der Bildenden Künste. Er arbeitet an Plastiken, hält sich mit Gelegenheitsjob über Wasser. Erste Gedichte und Radierungen werden 1964 veröffentlicht. 1969 erscheint sein erstes Buch. Herbert Achterbusch verlegt sich auf das Schreiben. Seine Erzählung-Sammlung "Hülle" und sein erster Roman "Alexanderschlacht" werden 1971 veröffentlicht.

Anfang der 1970er Jahre experimentiert der Künstler mit Schmalfilmen. Durch Regisseure des Neuen Deutschen Films wie Werner Herzog, Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta, die er zu diesen Zeitpunkt kennen lernt und bei denen er als Schauspieler und Drehbuchautor tätig ist, erhält er Bestärkung in seiner Arbeit. Mitte der 70er Jahre legt Herbert Achternbusch seinen ersten eigenen Film vor: DAS ANDECHSER GEFÜHL (1974). Bis heute hat er mehr als 25 Filme realisiert.

Herbert Achternbusch ist ein eigenwilliger Filmemacher, der von seiner Sicht der Welt überaus fantasievoll erzählt. Meistens spielt er die Hauptrollen in seinen Filmen selbst; er ist der Mittelpunkt seines Universums. Das Budget seiner Filme ist meistens gering. Gedreht wird mit Freunden, Bekannten und Geliebten in den Nebenrollen. Schauplätze sind Biergärten, das Münchner Hofbräuhaus oder Lichtungen und Bauernhöfe im Bayrischen Wald. Das technische Team wird klein gehalten, ist aber über Jahre ein fester Stamm an befreundeten Mitarbeitern.

Das Werk von Herbert Achternbusch ist vielschichtig. Seine Themen reichen von Bayrischem Bier und Bayerntum, zur tiefen Religionskritik, über ausgestorbene Indiander zur deutschen Fernsehromantik bis hin zu Stalingrad, Warschauer Ghetto und der Vernichtung der Juden in Auschwitz.

Anfang der 1980er Jahre ruft sein Film DAS GESPENST (1982) die bayrische Zensur auf den Plan. Blasphemie wird ihm vorgeworfen. Das Bayrische Innenministerium verweigert die Zahlung der letzten Rate der Filmförderung. Es folgt ein 10jähriger Rechtsstreit, den der Künstler 1992 vor dem Oberverwaltungsgericht Münster gewinnt. Dazwischen liegen Jahre der Ächtung. Fernsehanstalten strahlen seine Filmen nicht aus oder schneiden Passagen heraus, Fördergremien geben kein Geld. Herbert Achterbusch entdeckt seine Wurzeln: Er malt und finanziert mit dem Verkauf der Bilder die nächsten Filme.

Herbert Achterbusch entdeckt außerdem die Theater-Bühne für sich. Zu seinen erfolgreichsten Bühnenstücken gehört 1986 "Gust", das mehrere Jahre an den Münchner Kammerspielen gespielt wird. Die Hauptrolle spielt Josef Bierbichler, der am Bett seiner sterbenden Frau einen Monolog über sein Leben hält. Den Mühlheimer Theaterpreis erhält Herbert Achterbusch unter anderem für das Stück "Clownerie am Ende unserer Tage", in dem der Dichter Herbert und seine Gefährtin Fanny über vergangenes Leben meisterhaft plaudern.

1994 wird der Künstler zum Mitglied der Bayerischen Akademie der Künste. Anerkennung erhält Herbert Achternbusch 1996. Er wird mit dem Friedrich Wilhelm Murnau-Filmpreis der Stadt Bielefeld ausgezeichnet. Für seinen Film DAS LETZTE LOCH erhält er 1982 den Deutschen Filmpreis in Silber.

Herbert Achternbusch ist Vater von fünf Kindern. 1959 wird seine Tochter Eva geboren. 1962 heiratet er die Kunstlehrerin Gerda. Er lebt mit den vier gemeinsamen Kindern und seiner Frau in einem ehemaligen Wirtshaus in Buchendorf bei München.

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Autorin
Ines Walk

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