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Doris Abeßer

Doris Abeßer
Darsteller

* 15. März 1935
Berlin
Deutschland

DORIS ABEßER • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Doris Abeßer ist Mitte der 50er bis Mitte der 60er Jahre eine aufstrebende junge Darstellerin, die in Hauptrollen ihre Talente beweisen kann. Sie arbeitet mit den wichtigsten Regisseuren zusammen: Frank Beyer, Heiner Carow und Kurt Maetzig holen sie vor ihre Kamera. Mit dem Film DER FRÜHLING BRAUCHT ZEIT (1965), der kurz nach seiner Uraufführung verboten wird, endet ihre Karriere bei der DEFA abrupt.

Doris Abeßer wird am 15. März 1935 in Berlin geboren. Ihr Vater ist Posamentiermeisters, fertigt Troddeln, Fransen, Borten, Quasten, gedrehte Schnüre und winzige, mit Garn umwickelte Knöpfe. Sie besucht in ihrer Heimatstadt die Oberschule. Schon immer will sie Schauspielerin werden. Mit 16 Jahren nimmt sie Unterricht bei Amy Frank. Die Aufnahme-Kommission an der Staatlichen Schauspielschule Berlin-Schöneweide lehnt sie wegen ihres Alters ab. Sie erfüllt also zunächst den Wunsch ihrer Eltern und studiert zwei Jahre Pädagogik im Lehrerbildungsinstitut Berlin-Pankow, arbeitet als Junglehrerin.

Erst als sie 18 Jahre ist, besteht sie die Prüfung und nimmt ihr Schauspiel-Studium auf. Bereits während ihrer Ausbildung werden ihr Rollen beim Film angeboten. Sie debütiert vor der Kamera in dem Film ZWISCHENFALL IN BENDERATH (1956) unter der Regie von Jànos Veiczi. Sie mimt Hilde Wahl, das Mitglied einer Gruppe von Gymnasiasten in der westdeutschen Stadt Benderath, die sich gegen die Diskriminierung ihrer jüdischen Mitschülers wehren. Im selben Jahr spielt sie die ältere Schwester des jugendlichen Helden Hansel in dem Kinderfilm BÄRENBURGER SCHNURRE (1957).

Nach dem Abschluß ihres Studiums wird die junge Schauspielerin von Intendant und Regisseur Horst Schönemann ans Theater der Bergarbeiter in Senftenberg geholt. Drei Jahre erarbeitet sie sich dort ein Repertoire, steht in Klassikern von Lessing und Schiller sowie in modernen Stücken von Maxim Gorki und Anton Tschechow auf der Bühne. 1959 folgt ein Engagement am Staatstheater Dresden. Zwei Jahre später findet sie ihre Heimstätte an der Berliner Volksbühne.

Neben ihrer Theaterarbeit ist Doris Abeßer immer auch bei der DEFA beschäftigt. Meistens spielt sie die junge Frauen, die vor lebenswichtige Entscheidungen gestellt werden, bei denen sich sie für die richtige Seite entscheidet. Der Regisseur Frank Beyer holt sie für seinen Film EINE ALTE LIEBE (1959) vor die Kamera. Als Tochter des Ehepaares Walkowiak, die sich in einer Krise befinden, verläßt sie das Haus ihrer Eltern. In DAS LEBEN BEGINNT (1960) unter der Regie von Heiner Carow übernimmt sie die weibliche Hauptrolle der Erika Schenk. Sie lebt in einer ostdeutschen Kleinstadt, macht ihr Abitur, ist in einen jungen Mitschüler verliebt. Als ihr Vater in den Westen aufbricht, geht sie mit. Dort wird sie nicht glücklich, nach einem Selbstmordversuch kehrt sie in ihre alte Heimat zurück. Mit dem Regisseur Kurt Maetzig arbeitet sie in der Liebesgeschichte SEPTEMBERLIEBE (1961) zusammen. Hier gibt sie Franka, eine junge, selbstbewußte Frau, die sich in den Freund (gespielt von Ulrich Thein) ihrer Schwester verliebt. Als dieser in die Fänge eines Westberliner Agentenringes gerät und nur noch die Flucht nach Westberlin als Ausweg sieht, rettet sie ihn, indem sie der Staatssicherheit die Situation schildert. Trotz deutlicher politischer Zugeständnisse in den Filmen sind die Zuschauer von der jungen, frischen Darstellerin begeistert. Die Leser der Jugendzeitschrift "Neues Leben" erklären sie zum Filmliebling des Jahres 1961.

Eine ihrer wichtigsten und bekanntesten Darstellungen wird jene der Ruth in dem Drama PROFESSOR MAMLOCK (1961) unter der Regie von Konrad Wolf. Sie spielt die Tochter des Professors, die nachdem ihr Vater von der SA abgeführt und in den Straßen als Jude beschimpft wird, zusammenbricht. Die Szene ist überaus eindrucksvoll, Doris Abeßer zeigt in kleinen Gesten Leidenschaft und Unsicherheit einer jungen Frau. Auch in ihrem nächsten Film VERLIEBT UND VORBESTRAFT (1963) unter der Regie von Erwin Stranka hat sie Erfolg. Erzählt wird von der Baupraktikantin Hannelore, die in einer rauhbeinigen Brigade die Bauarbeiter zur Solidarität mit einem Kollegen aufruft.

Ihr Ehemann Günter Stahnke inszeniert Doris Abeßer in dem gesellschaftskritischem Film DER FRÜHLING BRAUCHT ZEIT (1965). In dem Film werden die Ursachen eines Betriebsunfalls erforscht. Schuld sind unter anderem die mangelnde Kompetenz und die uneffektive Arbeitsweise der Betriebsleitung, das Mißtrauen gegenüber parteilosen Fachkräften. Der Film wird zwar noch aufgeführt, aber kurze Zeit später in Folge des 11. Plenums des Zentralkomitees der SED aus den Kinos genommen. Im Zuge der Entlassungen von Regisseuren und Disziplinarstrafen wird das Engagement der Schauspielerin im DEFA-Schauspielerensemble aufgekündigt. Ihre erfolgversprechende Karriere bei der DEFA ist damit beendet. Zweimal ist sie noch in DEFA-Filmen zu sehen. In HAUPTMANN FLORIAN VON DER MÜHLE (1968) spielt sie an der Seite von Manfred Krug. Einprägsam agiert sie als Berliner Leierkastenfrau Luise Kramer in Werner W. Wallroths Kinomusical ZILLE UND ICK (1983).

In der Folge arbeitet Doris Abeßer wieder verstärkt am Theater. Sie steht in Operetten und Muscials auf der Bühne, arbeitet an der Staatsoperette Dresden, am Friedrich Wolf-Theater Neustrelitz. Sie gibt unter anderem die Eliza Doolittle, die Hexe des Westens in "Der Zauberer von Oss", spielt in dem Stück "Alexis Sorbas". Daneben tritt die Schauspielerin mit literarisch-musikalischen Programmen, Lesungen und Chansonabenden im ganzen Land auf. Der Erfolg ihres Jacques Offenbach-Abends führt sie unter anderem nach Italien und in die Schweiz. Außerdem spricht sie viele Rollen in zahlreichen Hörspielen des DDR-Rundfunks. Das Metropol-Theater Berlin wird fast 30 Jahre lang - bis zur Schließung im Jahre 1997 - ihre künstlerische Wirkungsstätte. In der "Kleinen Komödie" in Dresden spielt sie die 80-jährige Maud in dem Stück "Harold und Maud".

Im Fernsehen der DDR ist die Schauspielerin häufig präsent. Wie viele ihrer Kollegen ist sie in den TV-Serien "Polizeiruf 110" zu sehen. Nach dem Zusammenbruch der DDR im November 1989 steht sie mehrfach in gesamtdeutschen Serien vor der Kamera, unter anderem in "Praxis Bülowbogen", "Geschichten übern Gartenzaun", "SOKO Leipzig" oder "Edel und Stark". Auch im Kino ist sie in kleineren Rollen wieder zu sehen. In BERLIN IS IN GERMANY (2000) spielt sie eine Beamtin.

Doris Abeßer ist in erster Ehe mit dem Regisseur Günter Stahnke verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Robert wird 1963. Die Ehe scheitert und wird geschieden. Die Schauspielerin lebt in Berlin.

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Autorin
Ines Walk

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