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John Waters

John Waters
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Mitarbeit, Darsteller, Produzent

* 22. April 1946
Baltimore (Maryland)
USA

JOHN WATERS • Biographie Seite 1/1

"Prince of Puke" und "Pope of Trash": Es gibt liebevollere Spitznamen, doch keine anderen passen so gut zu einem Filmemacher wie John Waters. Mit Filmen wie PINK FLAMINGOS (1972) und DESPERATE LIVING (1978) hat sich Waters als US-amerikanischer Underground Filmemacher und Trash-Ikone einen Namen über die Szene hinaus gemacht. Weder vor noch nach ihm ist es einem Regisseur gelungen, grotesk-transgressive Filme zu machen, in denen ein Transvestit vor laufender Kamera Hundekot isst, um dafür von Hollywood geliebt zu werden. Sowohl im Underground als auch im Hollywood-Mainstream hat John Waters bleibenden Eindruck hinterlassen und er ist noch lange nicht fertig.

John Samuel Waters Jr. wird 1946 im verschlafenen Baltimore, Maryland, USA geboren und wächst dort auf. Schon früh entdecken seine Eltern, dass er keineswegs ein normales Kind ist. Vielmehr hegt er schon in jungen Jahren eine Besessenheit für blutige Autounfälle, die er mit größtem Vergnügen nachstellt. Mit sieben Jahren verdient John Waters sein Geld mit Kasperle-Theateraufführungen, die er nach kürzester Zeit beenden muss, da er seine Zuschauer mit ungeahnten Gewaltdarstellungen traumatisiert und verschreckt. Die Schule nutzt er nicht zum Lernen, sondern sammelt dort eine kleine Gruppe Ausgestoßener und Freaks um sich, zu denen auch Harris Glen Milstead gehört, der später in vielen John Waters Filmen als Transvestit Divine auftreten wird. John Waters und seine Entourage verbringen ihre Jugendjahre mit Drogenexperimenten und gelegentlichen Diebeszügen.

In der Hoffnung ihren Enkel abzulenken, schenkt ihm seine Großmutter eine Filmkamera - nicht ahnend, dass er keineswegs von seinem Lebensstil abrücken, sondern ihn ab jetzt auf Zelluloid verewigen würde. Zusammen mit seinen Freunden und einigen auf der Straße rekrutierten grotesken Einwohnern Baltimores macht sich John Waters frisch ans Werk. Nach einigen, den guten Geschmack seiner Zuschauer erschütternden 8mm und 16mm Filmen wie HAG IN A BLACK LEATHER JACKET (1964), ROMAN CANDLES (1966), EAT YOUR MAKE-UP (1968) und MONDO TRASHO (1969) dreht der junge Filmemacher THE DIANE LINKLETTER STORY (1969). Dieser handelt vom Selbstmord einer jungen Frau, die am Tag vor der Entstehung des Filmes tatsächlich gestorben ist. John Waters nimmt die Zeitungsmeldung zum Anlass, einen Ad-hoc-Film zu drehen, in dem er seine Vorstellung vom Geschehen vor dem Suizid schildert. Makabererweise gelingt es ihm, den Film noch am gleichen Abend, also nur knapp einen Tag nach den Ereignissen, vorzuführen. Das bringt ihm viel Presse, wenn auch negative, ein.

Dank einer Finanzspritze seines Vaters kann John Waters ein Jahr später seinen ersten Langfilm MULTIPLE MANIACS (1970) drehen. Sein Ensemble besteht aus seinen langjährigen Freunden Divine, Mary Vivian Pearce, David Lochary und Mink Stole, die alle in seinen nächsten Werken wieder mit von der Partie sein werden. MULTIPLE MANIACS (1970) handelt von einer Art Zirkusgruppe spezialisiert auf Perversionen aller Art, die in Wirklichkeit ihre Zuschauer kidnappt, ausraubt und manchmal auch tötet. Doch die Arbeits- und Lebenseinstellung der Chefin Divine ändert sich, als sie von einem überlebensgroßen Hummer vergewaltigt wird. Das einheimische Publikum kann mit dieser Art Film nur wenig anfangen, doch dank einer Anzahl schlechter Rezensionen fassungsloser lokaler Zeitschriftenredakteure, macht sich John Waters einen Namen in der Underground-Szene als Meister des schlechten Geschmacks.

Mit seinem nächsten Film PINK FLAMINGOS (1972) schafft John Waters den endgültigen Durchbruch und kreiert ein Meisterwerk, dass bis heute kultisch verehrt wird. PINK FLAMINGOS (1972) handelt von einer Fehde zwischen zwei Familien, die sich darum streiten, wer den Titel "Filthiest Person Alive" führen darf. Eindeutiger Gewinner des Duells ist jene Familie, deren Oberhaupt erneut von Divine verkörpert wird, die sich durch den Vollzug von bisher so im Kino nie gesehenem Sex, Inzest, Kopulation mit lebenden Hühnern, Voyeurismus, Kannibalismus und schlussendlich durch das Essen von frischem Hunde-Exkrement im Epilog des Films ihrem Namen alle Ehre machen. Es folgenden zwei weitere kontroverse Filme FEMALE TROUBLE (1975) und DESPERATE LIVING (1978), die zusammen mit PINK FLAMINGOS (1972) John Waters' Trash Trilogie bilden.

Nach POLYESTER (1981) wendet sich der Regisseur mehr dem Mainstream-Kino zu und landet - zu seiner eigenen Überraschung - einen Hit mit seinem Musicalfilm HAIRSPRAY (1988). Auch im Mainstream bleibt er seinem Stil, groteske Charaktere mit einer großen Portion Sozialkritik zu mischen, treu. HAIRSPRAY (1988) erzählt von einem übergewichtigen Mädchen, das einen Tanzwettbewerb gewinnt und sich damit einen Platz bei einer Fernsehtanzshow sichert. Gleichzeitig läutet es, quasi nebenbei, das Ende der Rassentrennung, der Unterdrückung Übergewichtiger und der Homophobie ein. Obwohl er nur mäßigen Erfolg im Kino hat, wird HAIRSPRAY (1988) zu einem VHS-Kultklassiker und erlebt 2007 sogar eine Neuverfilmung unter Adam Shankman (HAIRSPRAY (2007) (HAIRSPRAY (2007) Trailer)).

Zwei Jahre nach der Uraufführung von HAIRSPRAY (1988) und dem Tod seiner Muse Divine erscheint mit CRY-BABY (1990) ein weiterer Musical-Film und eine bitterböse Persiflage auf Filme wie DER WILDE (1953) und ... DENN SIE WISSEN NICHT, WAS SIE TUN (1955). Die Hauptrolle übernimmt der junge Johnny Depp, der damit erfolgreich sein Image als Teenie Idol auf die Schippe nimmt. Genau wie sein Vorgänger verfehlt CRY-BABY (1988) die erwarteten Kinoeinnahmen, wird aber ebenfalls ein VHS- Kassenschlager. Sowohl HAIRSPRAY (1988) als auch CRY-BABY (1988) sind inzwischen preisgekrönte Broadway-Adaptionen.

In den folgenden Jahren dreht John Waters weitere markante, jedoch nur mäßig erfolgreiche Filme wie SERIAL MOM (1994) mit Kathleen Turner, PECKER (1998) mit Edward Furlong und Christina Ricci, CECIL B. DEMENTED (2000) mit Melanie Griffith und Stephen Dorff, sowie A DIRTY SHAME (2004). Letzterer Film begründet eine neue Freundschaft mit dem MTV-Jackass-Star Johnny Knoxville, der in John Waters nächstem Film FRUITCAKE (2008) ebenfalls die Hauptrolle übernehmen wird.

Neben seiner Arbeit als Regisseur und Drehbuchautor ist John Waters ebenfalls Stand-Up Comedian, Fotograf, Buchautor, Kunstsammler und Dozent an der European Graduate School Saas-Fe in der Schweiz.

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Autorin: Beatrice Behn
Stand: Oktober 2008

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