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Walther Ruttmann

Walther Ruttmann
Regie, Drehbuch, Kamera, Architektur, Schnitt

* 28. Dezember 1887
Frankfurt, Main
Deutschland
† 15. Juli 1941
Berlin
Deutschland

WALTHER RUTTMANN • Biographie Seite 1/1

Neben den beiden Experimentalfilmern Hans Richter (1888) und Viking Eggeling zählt der Regisseur Walther Ruttmann zu den wichtigsten Vertretern der filmischen Avantgarde im Deutschland der 20er Jahre. Er legt 1919 den ersten abstrakten, farbigen Trickfilm vor. Ende der 20er Jahre inszeniert der Regisseur Dokumentarfilme mit überaus rhythmischen Bildern, die wegen ihres Blicks auf die Wirklichkeit gelobt werden. Persönlich widersprüchlich und zugleich thematisch eindeutig ist sein Arrangement mit dem nationalsozialistischen System ab 1933. Er dreht unter anderem visuell anspruchsvolle Propagandastreifen.

Walther Ruttmann wird am 28. Dezember 1887 in Frankfurt, am Main geboren. Sein Vater ist ein wohlhabender Kaufmann der Stadt. Zur Familie gehören neben der Mutter noch zwei ältere Töchter. Der Vater stirbt früh, die Familie lebt weiter in Wohlstand, der eine musische Ausbildung Walther Ruttmanns ermöglicht. Er spielt Cello, interessiert sich für Malerei. Sein Abitur absolviert er 1905 am renommierten Goethe-Gymnasium in Frankfurt, am Main.

Zunächst entscheidet sich Walther Ruttmann für ein Studium der Architektur, aber zwei Jahre später wechselt er zur Malerei. Das schließt auch Ortwechsel mit sich ein, von Frankfurt, am Main nach Zürich, später nach München. Schnell hat der junge Maler Erfolg, er gewinnt Preise bei Plakatwettbewerben, widmet sich immer mehr der Grafik. Die Einberufung zum Militär 1913 unterbricht seine junge Karriere. Er dient in Darmstadt und wird kurz nach Beginn des I. Weltkrieges im August 1914 an die Front in den Osten geschickt. Hier ist er Artillerie-Leutnant und Gasschutz-Offizier. Je mehr der Krieg fortschreitet, empfindet Walther Ruttmann ihn als gewaltige Bürde, unzählige Aufenthalte in Sanatorien führen 1917 zu seiner frühzeitigen Entlassung.

Nach dem Ende des I. Weltkrieg arbeitet der Künstler zunächst weiter als Maler. Er geht häufig ins Kino und beginnt, sich für das aufstrebende Medium zu interessieren. Immer mehr beschäftigt er sich theoretisch mit dem Film, schreibt Texte, die aber unveröffentlicht bleiben. Bald erwirbt er eine Kamera und startet mit Experimenten. Als Maler ist er an Formen und Strukturen interessiert, möchte optische Visionen entwickeln, den 'absoluten' Film schaffen. Im Frühjahr 1919 gründet er seine eigene Produktionsfirma, entwickelt einen Tricktisch und legt gegen Ende des Jahres seinen ersten Film vor, das 10minütige LICHTSPIEL OPUS I (1919). Der Film besteht aus etwa 10.000 Bildern, die einzeln eingefärbt sind, in dem sich geometrische Formen überaus rhythmisch bewegen. Er gilt als einer der ersten abstrakten, farbigen Trickfilme aus Deutschland.

In der Folge arbeitet Walther Ruttmann an weiteren Lichtspiel Opus-Filmen. Bis 1925 legt er vier Teile dem Publikum vor. Dazwischen arbeitet er aber auch an anderen Projekten. Mehrfach inszeniert er gemeinsam mit dem Kameramann und Regisseur Julius Pinschewer Reklamefilme, unter anderem für Liköre, Konzertflügel und Autoreifen. Der Regisseur Fritz Lang wünscht sich für seine NIBELUNGEN eine Trickfilmsequenz und beauftragt Walther Ruttmann für den 'Falkentraum'. Er arbeitet mit Lotte Reiniger zusammen, schafft für deren Scherenschnittfilm DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED (1926) bewegte Hintergründe. Für Paul Wegeners Film LEBENDE BUDDHAS (1924) stellt er ein abstraktes Formenspiel her.

Großes Aufsehen erregt Walther Ruttmann mit seinem Film BERLIN, DIE SINFONIE EINER GROßSTADT (1927). Anhand von rhythmischen Bildern zeigt er einen Frühlingstag in der Millionen-Metropole, von morgens bis abends. Die Idee für den Film stammt von dem Drehbuchautor Carl Mayer, die Musik komponiert Edmund Meisel. Der Dokumentarfilm zählt zu den größten Filmereignissen des Jahres; er ist heute noch ein Klassiker, der immer wieder sein Publikum findet. Drei Jahre später schafft Walther Ruttmann mit MELODIE DER WELT (1930) ein ähnlichen Klassiker. Für das Auftragswerk der Hamburg-Amerika-Linie arbeitet er bereits mit Ton. Er nutzt die Technik, Methoden der Bildmontage werden auf den Tonschnitt angewendet.

Walther Ruttmann arbeitet immer wieder an kleineren Projekten, dreht Auftragsfilme, unter anderem über die Ursachen der damaligen Volkskrankheit Syphilis. Er arbeitet mit verschiedenen Regisseuren zusammen. Gemeinsam mit Sergej M. Eisenstein und Hans Richter (1888) entwickelt er einen kleinen Film, der leider als verschollen gilt. Bei dem französischen Regisseur Abel Gance wird er künstlerischer Mitarbeiter für dessen ENDE DER WELT (1930). Im faschistischen Italien dreht er den Spielfilm ARBEIT MACHT GLÜCKLICH (1933), der wegen seiner Bilder an Hochhöfen der Stahlwerke von Terni ein interessantes Zeitdokument ist.

Im Sommer 1933 kehrt er nach Deutschland zurück. Viele seiner künstlerischen Freunde haben das Land nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 bereits verlassen. Walther Ruttmann arrangiert sich mit dem System. Im Auftrag der Regisseurin Leni Riefenstahl beschäftigt er sich thematisch monatelang mit dem Aufstieg der NSDAP von einer kleinen Bewegung zur Massenpartei. Seine Szenen sollen eine Rahmenhandlung für den Film TRIUMPH DES WILLENS (1935) abgeben. Sie finden aber später keine Verwendung, Walther Ruttmann wird als Mitarbeiter nicht benannt.

Für die Werbeabteilung der Universum Film AG (Ufa) dreht er mehrere Kulturfilme, inszeniert Industriefilme und schafft ebenso eindeutige Propagandastreifen. Sein Dokumentarfilm METALL DES HIMMELS (1935) im Auftrag der Stahlwerksverband AG wird mehrfach ausgezeichnet. Ebenso ergeht es seinem Dokumentarfilm MANNESMANN (1937), der Beitrag bringt ihm 1938 auf der Weltausstellung in Paris den Grand Prix ein. Für die Deutsche Wehrmacht dreht der Regisseur die Filme DEUTSCHE WAFFENSCHMIEDEN (1940) und DEUTSCHE PANZER (1940), die den Krieg verherrlichen und 'deutsche Größe' zeigen.

Walther Ruttmann ist mehrmals verheiratet. Im März 1918 ehelicht er Maria Sommer in Berlin. Ende des Jahres stirbt seine junge Frau bei der Geburt ihres Babys, welches ebenfalls nicht überlebt. Seine zweite Ehe schließt der Regisseur mit Erna Treidel im November 1921. Die Ehe hält nicht lange. In dritter Ehe verheiratet er sich 1931 mit der Pianistin Nina Hamson, die er bei seinen Arbeiten zu dem Film IN DER NACHT (1931) kennen und lieben lernt. Er hat aus seinen Ehen einen Sohn und eine Tochter.

Walther Ruttmann stirbt am 15. Juli 1941 in Berlin.

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