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Christian Steyer

Christian Steyer
Musik, Darsteller

* 06. Dezember 1946
Falkenstein
Deutschland

CHRISTIAN STEYER • Biographie Seite 1/1

Der Schauspieler Christian Steyer ist in der DDR der Schwarm des jugendlichen weiblichen Publikums in den 70er Jahren. Mit seiner krausen Löwenmähne, seinem charmanten Lächeln und seiner coolen Art begeistert er das Publikum. Parallel zu seiner Schauspielkarriere spielt er Musik, komponiert für den Film. Als Filmkomponist feiert er mit DIE BLINDGÄNGER (2004) einen seiner größten Erfolge: Er wird beim Kinderfilmfestival in Gera für die Beste Filmmusik mit dem Goldener Spatzenfuß geehrt; der Film selbst als Bester Kinder- und Jugendfilm mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Christian Steyer wird am 06. Dezember 1946 in Falkenstein, im Vogtland geboren. Sein Vater ist Pfarrer und Dozent für Fremdsprachen. Zur Familie gehören noch fünf weitere Kinder. Er wächst in Meißen, Grimma und Oschatz auf. Bereits seit seiner Kindheit spielt er Klavier und Orgel, wird von seinem Vater in Musiktheorie unterrichtet. Mit 10 Jahren übernimmt er das sonntägliche Orgelspiel und singt im Domchor von Meißen, mit 13 Jahren kommt er in die Kinderförderklasse bei Prof. Amadeus Webersink in das Leipziger Musik-Konversatorium.

1965 beginnt er an der Leipziger Hochschule ein Studium der Musik mit dem Hauptfach Klavier. 1970 beendet er sein musikalisches Hochschulstudium in Dresden und will zunächst als Musikpädagoge arbeiten. In Dresden kommt er mit dem Chanson durch die Musical-Inszenierungen der Studenten unter der Leitung von Thea Elster und auch mit dem Schauspiel in Kontakt. Er entscheidet sich für die Schauspielerei, erwirbt nach einem zweijährigen Studium an der Stattlichen Schauspielschule in Berlin 1972 die Bühnenreifeprüfung. Seit 1972 arbeitet er als freischaffender Pianist, Schauspieler, Sänger und Komponist.

Christian Steyer debütiert vor der Kamera in ES IST EINE ALTE GESCHICHTE (1972) von Lothar Warneke. Hier gibt er den erfolgsverwöhnten Studenten Tommy, der sich in seinem Leben erst noch zurechtfinden muss. Der junge Schauspieler stellt den jungen Mann leise und nachdenklich dar. In DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA (1973) unter der Regie von Heiner Carow spielt er einen ausgemachten Bösewicht: den Scheißkerl Colly vom Rummelplatz, der, kurz nachdem seine Freundin Paula auf die Entbindungsstation eingeliefert wird, zur nächsten Frau übergeht und zwar ausgerechnet in die Wohnung seiner Freundin. Für den Jugendfilm FÜR DIE LIEBE NOCH ZU MAGER (1974) von Bernhard Stephan schlüpft der Darsteller in die Rolle von Lutz, einem Traumtänzer und Spinner, der einer Frau ein Kind macht, ohne daran zu denken, dafür die Verantwortung zu übernehmen. In dem POLIZEIRUF 110-Fall KONZERT FÜR EINEN AUßENSEITER (1974) von Werner Röwekamp ist er ein krimineller Ex-Musik-Student, der mehr aus Trotz statt aus Boshaftigkeit bei allein stehenden Frauen einwohnt und eine von ihnen nach einem Streit ermordet. In allen Rollen verfestigt sich sein Image: Er gibt den leichtfertigen jungen Mann mit krauser Löwenmähne, charmantem Lächeln und schelmischer Coolness, der aber für die ernsthafte Liebe nicht zu haben ist. Auch Anfang der 80er Jahren wird der Schauspieler für ähnliche Rollen herangezogen. In BÜRGSCHAFT FÜR EIN JAHR (1981) hofft die allein erziehende Mutter Nina Kern, die mit zahlreichen Problemen bei der Kindererziehung und mit ihrer Alkoholsucht zu kämpfen hat, auf ihn, dem jungen feschen Kerl Heiner Menk. Aber die Hoffnung erfüllt sich nicht; er drückt sich vor der Verantwortung. In UNSER KURZES LEBEN (1981) von Lothar Warneke gibt er den Lebenskünstler Jazwauk, der ewige Junge und Liebhaber.

Seit Mitte der 70er Jahre komponiert Christian Steyer für Film und Fernsehen. Erstmal schreibt er Musik für den Kinderfilm DER UNTERGANG DER EMMA (1974) von Helmut Dziuba. Mit dem Regisseur verbindet ihn danach eine intensive Arbeitsbeziehung, für mehrere seiner Filme arrangiert er die Musik. Besonders in dem Film SABINE KLEIST, 7. JAHRE (1982) kann der Musiker seine Ansprüche umsetzen. Gekonnt mixt er Kammermusik mit Pop-Tönen, ohne die Eigenständigkeit der einzelnen Musiken aufzugeben. Der Zuschauer bzw. Zuhörer kann sich dabei von Musik und Bilder gedanklich inspirieren lassen. Neben diesen Arbeiten für ein Dutzend Kinderfilme verfasst er die Musik zu einigen Folgen der populären POLIZEIRUF 110-Reihe sowie zu Dokumentarfilmen. Eine erste große Orchesterpartitur, die mit dem DEFA-Symphonieorchester eingespielt wird, schreibt Christian Steyer zum Märchenfilm DIE VERTAUSCHTE KÖNIGIN (1984) unter der Regie von Dieter Scharfenberg. Deutlich wird hier seine Doppelbegabung: Er komponiert nicht nur die neoromantische Musik mit Verweisen auf historische Musiken und Instrumente, sondern spielt auch den singenden Narren, der sich selbst auf einer selbstgebauten Kniefidel begleitet.

Nach dem Zusammenbruch der DDR hat der Künstler keine Schwierigkeiten, sich auf dem gesamtdeutschen Film- und Fernsehmarkt zu behaupten. Auch in den 90er Jahren bis jetzt frönt er seinem doppelten Interesse von Schauspielkunst und Filmmusik, allerdings übernimmt er im überwiegenden Maße Rollen für das Fernsehen, wogegen seine Filmmusiken für das Kino auffallen. In dem romantischen Roadmovie ZUGVÖGEL... EINMAL NACH INARI (1998) von Peter Lichtefeld unterstützt die Musik einmal mehr die Geschichte. Der Komponisten fängt zum einen die Bewegung und Dynamik der Reisenden ein und schlägt zum anderen die Brücke zwischen deutscher und finnischer Kultur. Nochmals arbeitet er mit dem Regisseur bei PLAYA DEL FUTURO (2005) zusammen. Wieder ist es ein Roadmovie mit kraftvollen Bildern und einprägsamer Musik. In DIE BLINDGÄNGER (2004) unter der Regie von Bernd Sahling wird von jugendlichen Bewohnern eines Blindeninternats erzählt, die eine Band gründen und ein Musikvideo drehen wollen. Als Filmkomponist feiert Christian Steyer mit DIE BLINDGÄNGER (2004) einen seiner größten Erfolge: Er wird beim Kinderfilmfestival in Gera für die Beste Filmmusik mit dem Goldener Spatzenfuß geehrt. Die Fachjury lobt den Einklang von Musik und Bild: Versagensangst und Glücksgefühl stehen bei den Jugendlichen dicht beieinander; die einzelnen Musikmotive der Protagonisten und die Bildersprache vermischen sich. Es entsteht dabei ein kleines, eigenes Kunstwerk im Film. Der Film selbst wird als Bester Kinder- und Jugendfilm mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.
Zwei Jahre später ist er in der Komödie DIE KÖNIGE DER NUTZHOLZGEWINNUNG (2006) vom Regisseur Matthias Keilich in der Rolle des Schubel zu sehen. Im darauf folgenden Jahr können ihn die Kinozuschauer als betrunkenen Organisten in der Verfilmung von des Kinderbuchs von Charlotte Link, in HÄNDE WEG VON MISSISSIPPI (2007) unter dem Regisseur Detlev Buck sehen.

Neben seiner Schauspielkarriere und der Arbeit als Filmkomponist ist Christian Steyer auch in vielen anderen Bereichen beschäftigt. In den 70er Jahren ist er musikalischer Leiter der Gruppe "e.t.c.", spielt vier Jahre in der Musikformation hinter Frank Schöbel die Tasteninstrumente. Für zahlreiche Märchenplatten und Bühnenwerke komponiert er die Musik, wirkt zudem an der Produktion von literarisch-musikalischen Programmen mit. Für den Mitteldeutschen Rundfunk spricht er unter anderem die Texte für die erfolgreiche Doku-Soap aus dem Leipziger Zoo "Elefant, Tiger und Co" ein; gibt mit seinen vielfältigen Stimmlagen den alltäglichen Geschichten eine ganz besondere Note. An der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin arbeitet er seit 1993 als Lehrbeauftragter für Präsention, Schauspiel und Sprecherziehung. Außerdem leitet er den studentischen Jazzchor, studiert alljährlich Weihnachtslieder ein.

Christian Steyer lebt in Berlin.

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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008

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