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Josef Bierbichler

Josef Bierbichler
Mitarbeit, Darsteller

* 26. April 1948
Ambach (am Starnberger See)
Deutschland
andere Namen Sepp Bierbichler

JOSEF BIERBICHLER • Biographie Seite 1/1

Josef Bierbichler ist einer der wenigen deutschen Theater- und Filmschauspieler, die durch ihre physische Erscheinung auffallen, die über Präsenz auf Bühne wie Leinwand verfügen. Er ist ein Charakterschauspieler. Er spielt kraftvolle Figuren, ist komödiantisch veranlagt und pflegt einen instinktiven Umgang mit seinen Rollen. Der Bayer gilt als rebellisch und bodenständig zugleich, liebt Provokationen und scheut nicht die Konfrontation.

Josef Bierbichler wird am 26. April 1948 in Ambach, am Starnberger See geboren. Seine Eltern betreiben in seinem Heimatort einen Gasthof, arbeiten zudem als Bauern. Seine Schwester Annamirl Bierbichler wird später ebenfalls als Schauspielerin arbeiten. Bereits in seiner Kindheit interessiert er sich für das Schauspiel, besucht eine Theaterschule in Holzhausen bei München. Nach seiner Schulausbildung an der Volksschule will er sich in Bereich Hotelier ausbilden lassen, besucht eine Hotelfachschule. Nebenbei beginnt er Theater zu spielen und macht diese Leidenschaft, nachdem er seine Ausbildung beendet hat, zum Beruf.

In Holzhausen am Starnberger See erhält er sein erstes Engagement bei der Würmseer Sommerfrischlerbühne und wird dort von Münchner Theaterleuten entdeckt. Sie holen ihn ans dortige Residenztheater. Im Alter von 23 Jahren wird er an der renommierten Otto Falckenberg-Schauspielschule in München angenommen, arbeitet aber bereits während seines Studiums auf der Bühne. Hier feiert er Mitte der 1970er Jahre erste Erfolge mit dem Bühnenstück "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben". Kritik wie Publikum sind derart begeistert, dass es auch für das Fernsehen inszeniert wird. In der Folge macht sich der Schauspieler einen Namen als Darsteller von kraftvollen Rollen, er gilt als rebellisch und bodenständig zugleich, liebt Provokationen und scheut nicht die Konfrontation.

Die Theaterbühne wird immer eine große Rolle bei dem Schauspieler spielen, er steht in München, Hamburg, Wien, Berlin, Bochum sowie Ludwigsburg auf der Bühne. Mehrfach ist er für seine Darstellungen ausgezeichnet worden. 1985 wird er für seine Darstellung in der Titelrolle des alten, monologisierenden Mannes im Theaterstück "Gust" von Herbert Achternbusch von den Kritikern der Zeitschrift "Theater heute" zum Schauspieler des Jahres gewählt. Noch zweimal erhält er die Auszeichnung. Er spielt den Lopachin in Anton Tschechows "Kirschgarten" unter der Regie von Peter Zadek. Für seine Darstellung in "Kasimir und Karoline" nach Odon von Harváth am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg wird er 1997 mit dem Gertrud Eysoldt-Ring, einer der wichtigsten Theaterauszeichnung und vergeben von der Deutschen Akademie für Darstellende Künste, geehrt. Das Preisgeld gibt er an den Regisseur weiter Christoph Schlingensief für dessen Wahlkampfprojekt "Tötet Helmut Kohl/rettet Helmut Kohl/Chance 2000". Der Bayer steht auf vielen Bühnen der Republik. Am Berliner Ensemble spielt er 1997 in der Inszenierung von B. K. Tragelehn die Titelrolle in Bertolt Brechts "Das Leben des Galilei".

1976 lernt der bayrische Schauspieler den Dramatiker und Regisseur Herbert Achterbusch kennen. Gemeinsam gehen sie nicht nur eine künstlerische Partnerschaft ein, sondern gründen auch eine Wohngemeinschaft in Ambach. Die Bierbichlers, Bruder und Schwester, werden ein Teil von Herbert Achternbuschs Film-Familie. An 16 Filmen des Regisseurs wird Josef Bierbichler mitarbeiten. So ist er in den Filmen BIERKAMPF (1977) zu sehen, spielt in SERVUS BAYERN (1977) den Jäger Bellbell, tritt mit Rollen in DAS GESPENST (1983), HEILT HITLER (1986), WOHIN? (1988), PICASSO IN MÜNCHEN (1997) und NEUE FREIHEIT, KEINE JOBS (1998) auf. Das Filmteam wendet sich gegen einige Missstände im bayerischen Staat, sie provozieren, bieten aber auch viel Humor und eine unkonventionelle Sicht auf die Dinge.

Auch mit anderen wichtigen Regisseuren arbeitet Josef Bierbichler zusammen. Er spielt in Werner Herzogs Kinofilm HERZ AUS GLAS (1976) die Rolle des hellsehenden Hirten Hias, der die Geheimnisse um das Rubinglas erforschen soll, aber immer düstere Katastrophenvisionen hat. Außerdem steht er neben Klaus Kinski in WOYZECK (1979) vor der Kamera. Er arbeitet mit Regisseurin Margarethe von Trotta bei dem Drama DAS ZWEITE ERWACHEN DER CHRISTA KLAGES (1978), wird zudem von jungen Regisseuren wie Doris Dörrie, Rainer Erler und Martin Cressmann engagiert. Bei dem Film TRIUMPH DER GERECHTEN (1981) steht Josef Bierbichler auch erstmals auf der anderen Seite der Filmproduktion. Er schreibt das Drehbuch und führt Regie.

Josef Bierbichler wird wegen seiner Präsenz auf Bühne und Leinwand geschätzt. Er ist ein Charakterschauspieler, der seine Figuren kraftvoll spielt, ihnen aber auch Nachdenklichkeit und Melancholie beigibt. Er ist komödiantisch veranlagt, aus seinem Wesen sprechen Bauernschläue und Wortwitz. Regisseur Tom Tykwer engagiert ihn für die Rolle des gelähmten, bettlägerigen und tyrannischen Vater in dem Drama DIE TÖDLICHE MARIA (1993). Nochmals arbeitet er mit dem Regisseur bei WINTERSCHLÄFER (1997) zusammen, wo er einen Vater gibt, der den Tod seines Kindes betrauert. In CODE: UNBEKANNT (2000) unter der Regie von Michael Haneke gibt er an der Seite von Juliette Binoche einen Bauern. In Jan Schüttes Film ABSCHIED - BRECHTS LETZTER SOMMER (2000) verkörpert er Bertolt Brecht. Geschildert werden die letzten vier Tage vor seinem Tod, die der Dichter im Buckower Landhaus verbringt, zusammen mit seiner Ehefrau, seiner Ex-Geliebten und seiner Tochter.

Mit dem Regisseur Hans Steinbichler arbeitet er ebenfalls eng zusammen. Mit seinem Erstlingswerk HIERANKL (2003), modernes Familiendrama und Heimatfilm in einem, finden sie große Aufmerksamkeit. Hier spielt er den Altlinken Vater Lukas, ironisch und feinsinnig, der an seinem seinen 60. Geburtstag Rilke und Goethe. Eigentlich hat er auf dem Hof nichts mehr verloren, ist aber zu schwach, seine Heimat zu verlassen und führt ein Parallelleben mit einer Geliebten. Für seine Darstellung wird Josef Bierbichler für den Deutschen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller nominiert und gemeinsam mit dem Ensemble mit dem Adolf Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet. In WINTERREISE (2006), ihrem zweiten gemeinsamen Film, gibt er den manisch-depressiven Unternehmer Franz Brenninger, der sich nach einer Pleite nach Afrika aufmacht, um sein Geld zurück zu fordern. Der Film wird als genaue Beschreibung heutiger Ängste vor der sozialen Deklassierung des Mittelstandes gelobt, der Hauptdarsteller mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Der Schauspieler arbeitet auch für das Fernsehen. 1998 wird er mit dem Adolf Grimme-Preis in Gold für die Fernsehproduktion FREIER FALL (1998) von Christian Görlitz ausgezeichnet. Hier spielt er einen Baudezernenten, der betrunken eine Frau überfährt und Fahrerflucht begeht. Erst auf der Polizeiwache erfährt er, dass es seine eigene Frau war. In EIN DORF SUCHT SEINEN MÖRDER (2001) von Markus Imboden verkörpert er Dr. Haake. POLTERABEND (2003) erzählt von einem grausigen Mordfall, der die Eisweinlese einiger ehrenwerter Männer in Österreich stört.

Josef Bierbichler arbeitet auch als Sprecher, Vokalist und Sänger auf der Bühne. Er spricht Hörspiele. 1998 ist er als Sänger und Vokalist an der Inszenierung "Eislermaterial" von Heiner Goebbels und dessen "Ensemble Modern" beteiligt. Er betätigt sich auch als Schriftsteller, veröffentlicht die ungewöhnliche Essaysammlung "Verfluchtes Fleisch" (2001). Neben der Schauspielerei und der Schriftstellerei betätigt er sich auch als Landwirt.

Josef Bierbichler ist Vater von drei Kindern. Die Familie lebt in Ambach.

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