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Jeremy Irons

Jeremy Irons
Darsteller

* 19. September 1948
Cowes (Isle of Wight)
Großbritannien

JEREMY IRONS • Biographie Seite 1/1

Jeremy Irons ist einer der größten britischen Schauspieler der Zeit. In mehr als 70 Filmen für Kino und Fernsehen steht er vor der Kamera und gibt den Gentlemen: elegant, blasiert, aber auch abgründig, zwiespältig und moralisch fragwürdig. Letztere Figuren verkörpert er mit besonderer Hingabe und wird dadurch zu international gefragten Schauspieler. Häufig gibt agiert er in Männerrollen, in denen er Abgründe und Obsessionen darstellen kann, spielt Männer, die ihren Traum ausleben und darüber ihr Leben völlig vergessen können. Dabei schreckt der Darsteller vor Entblößung nicht zurück, um seine schöne Fassade zu zerstören.

Jeremy Irons wird am 19. September 1948 als Jeremy John Irons in Cowes, Isle of Wight geboren. Sein Wunsch ist es, Tierarzt zu werden, aber schlechte Noten in der Schule verhindern dies. Nach seiner Schulausbildung zieht er erst einmal mit seiner Gitarre los und trampt durch Europa. Dann beginnt er eine Schauspiel-Ausbildung und erhält ein erstes Engagement am Old Vic Theatre in Bristol. Mehr als 10 Jahre arbeitet er relativ unscheinbar auf diversen Theaterbühnen. Mit kleineren Fernsehrollen und Engagements erspielt er ein Repertoire und die Aufmerksamkeit bei Produzenten und Regisseuren. Auch nachdem seine Filmkarriere durchstartet, bleibt der Schauspieler dem Theater treu. So spielt er etwas 1984 in Tom Stoppards Bühnenstück "The Real Thing" und wird dafür mit dem renommierten "Drama League Award" und den "Tony Award".

Regisseur Herbert Ross entdeckt Jeremy Irons und besetzt ihn in dem Kinofilm NIJINSKY (1979) über den großen russischen Tänzer. In der TV-Serie "Wiedersehen in Brideshead" (1981) spielt er den Snob Charles Ryder und wird damit schlagartig einem großem Publikum bekannt. Im gleichen Jahr feiert er seinen Durchbruch in DIE GELIEBTE DES FRANZÖSISCHEN LEUTNANTS (1981) von Karel Reisz an der Seite von Meryl Streep. Schnell steigt er zu einem der wichtigsten britischen Schauspieler auf, steht in der Tradition eines Alec Guinness, David Niven oder Michel Caine. Er wirkt äußerlich schüchtern, feinsinnig und etwas blasiert, sein Gesicht ist kantig und scharf. Seine Figuren sind ambivalent, häufig komplexe Charaktere, hinter ihrer Oberfläche verbergen sich Abgründe und Obsessionen. BETRUG (1982) nach einem Bühnenstück von Harold Pinter blickt auf die jahrelange Affäre eines Literaturagenten zu einer Verlegerfrau. Auch in EINE LIEBE VON SWANN (1983) von Volker Schlöndorff scheitert eine Beziehung, weil er als Mann nicht von seinem Besitzanspruch auf eine Frau lassen kann. In ALLES NUR THEATER (1988) von Michael Winner will er es allen recht machen und verdirbt es sich. In VERHÄNGNIS (1991) von Louis Malle verkörpert er einen Politiker, der gefangen ist in einer Affäre mit der Verlobten seines Sohnes. Er kann nicht von ihr lassen und verschuldet damit den Tod seines Kindes. Häufig gibt der Schauspieler Rollen, in denen Abgründe und Obsessionen darstellen kann, spielt Männer, die ihren Traum ausleben und darüber ihr Leben völlig verkommen lassen. Dabei schreckt der Darsteller vor Entblößung nicht zurück, um seine schöne Fassade der Männlichkeit und Bürgerlichkeit zu zerstören.

Regisseur David Cronenberg besetzt ihn in einer Doppelrolle. In DIE UNZERTRENNLICHEN (1988) spielt er ein Zwillingspaar. Beverly und Eliot Mantle sind beide Gynäkologen, immer auf Experimente aus. Als eine faszinierende Frau in ihr Leben tritt, driften sie in eine Identitätskrise ab, die letztlich zum Wahnsinn führt. Bewundernswert ist hier, wie es Jeremy Irons schafft, die zwei Personen mit unterschiedlichen Nuancen zu verkörpert, so dass der Zuschauer sie trotz äußerlicher Gleichheit unterscheiden kann. Nochmals arbeitet er mit dem Regisseur in M. BUTTERFLY (1993) zusammen. Hier spielt er einen französischen Diplomat in China, der sich in die Sängerin der Peking Oper verliebt. In seiner Verblendung erkennt er nicht, dass die Frau ein Mann ist, zudem ein Spion, der auf ihn angesetzt ist. Als er es erfährt, bricht seine bürgerliche Welt zusammen und er begeht Selbstmord. In beiden Filmen sind es die traurigen Augen des Schauspielers, seine tiefe Stimme und das melancholische Charisma, welches seine Darstellung in der Erinnerung nicht verblassen lässt. Immer hat der Zuschauer das Gefühl, der Schauspieler sehnt sich überaus seelenwund nach Vergangenem.

Aber es sind nicht nur Liebes-Obsessionen, die der Schauspieler gekonnt auf die Leinwand bringt. In MISSION (1986) von Roland Joffé gibt er Pater Gabriel, der in den südamerikanischen Dschungel geschickt wird, um die politischen Ambitionen des Klerus durchzusetzen, sich aber für die Indios entscheidet und sich für sie opfert. Für seine Darstellung des Klaus von Bülow in dem Drama DIE AFFÄRE DER SUNNY VON B. (1990) von Barbet Schroeder bekommt er 1991 den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Erzählt wird von einem Lebemann, der seine Ehefrau ins Koma versetzt, um an ihr Geld zu kommen. Hier herrscht die Faszination des Morbiden vor und Jeremy Irons schafft es, sie durch seine Abgründigkeit perfekt auf der Leinwand zu spiegeln. In KAFKA (1992) von Steven Soderbergh stellt er als Versicherungsangestellte und Feierabend-Schriftsteller Nachforschungen über einen Serienmörder im Prag der 1920er Jahre an. Als Esteban herrscht er in DAS GEISTERHAUS (1993) von Bille August über eine chilenische Familie.

Ab Mitte der 1990er Jahre ist der Schauspieler mehrfach in großen Hollywood-Filmen zu sehen, verkörpert gekonnt den Bösewicht. Einem großen Mainstream-Publikum wird er durch die Rolle des deutschen Gangsters Simon, größenwahnsinnig und skrupellos, in STIRB LANGSAM: JETZT ERST RECHT (1995) von John McTiernan bekannt. In der Alexandre-Dumas-Verfilmung DER MANN IN DER EISERNEN MASKE (1997) von Randall Wallace ist er einer der vier Musketiere, der Priester Aramis, der als klüger Kopf die Geschicke des französischen Hofes verändert. In verfilmten Videospielen, Historienschinken und Trash ist er ebenfalls zu sehen und scheint, auf seine Rollenwahl keinen großen Wert mehr zu legen. In der Rollenspiel-Verfilmung DUNGEONS & DRAGONS (2000) gibt er einen eindimensionalen Bösewicht, in ERAGON - DAS VERMÄCHTNIS DER DRACHENREITER (2006) steht er ebenso vor der Kamera.

Dazwischen sind es aber immer wieder subtilere und leisere Werke, die das ganze Talent des Schauspielers fordern. In der Neuverfilmung von Vladimir Nabokovs Roman LOLITA (1997), diesmal unter der Regie von Adrian Lyne, spielt er Hubert Humbert, der sich als knapp 40jähriger Literaturprofessor in die minderjährige Tochter seiner Vermieterin verliebt und am Ende ausrastet. Unter der Regie von Wayne Wang beobachtet er in CHINESE BOX (1998) die Übergabe der britischen Kronkolonie Hongkong an China und entdeckt eine Stadt, in der es nur um das Geschäft geht. Als Theater-Impresario erträgt er in BEING JULIA (2004) von István Szabó den Ehebruch seiner Frau mit ironischer Contenance und beweist einmal mehr, dass er über große komödiantische Fähigkeiten besitzt. Als Antonio leiht er sich Geld beim Juden Shylock in DER KAUFMANN VON VENEDIG (2004) von Michael Radford. Unter der Regie von Ridley Scott spielt er in dem Historiendrama KÖNIGREICH DER HIMMEL (2005) Tiberius, den Anführer der Jerusalem-Armee.

Abgedreht ist der Western APPALOOSA (2008) unter der Regie seines Schauspielkollegen Ed Harris und neben Viggo Mortensen. Hier wird er einen reichen Rancher spielen, der ein Western-Städtchen terrorisiert.

Jeremy Irons ist seit 1978 mit der Schauspielerin Sinead Cusack, Tochter der irischen Theater- und Kinolegende Cyril Cusack, verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Söhne. Die Familie lebt in London und in Irland auf einer Burg, die er originalgetreu restauriert.

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