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Krzysztof Kieslowski

Krzysztof Kieslowski
Regie, Drehbuch, Schnitt

* 27. Juni 1941
Warschau
Polen
† 13. März 1996
Warschau
Polen

KRZYSZTOF KIESLOWSKI • Biographie Seite 1/1

Es sind die ungewöhnlichen Grundthemen seiner beiden Zyklen DEKALOG und DREI FARBEN, die den polnischen Filmemacher Krzysztof Kieslowski zur Leitfigur des Europäischen Films machen. Seine Filme behandeln universelle Themen: die 10 Gebote und die Maxime der französischen Revolution. Der Regisseur überprüft sie auf ihre ethischen und moralischen Maßstäbe, die unweigerlich die sich zunehmend individualisierende Gesellschaft reflektieren. Krzysztof Kieslowski ist einer der stilbildenden Regisseure der 90er Jahre.

Krzysztof Kieslowski wird am 27.Juni 1941 in Warschau geboren. Sein Vater leidet unter Tuberkulose. Die Familie reist von einem Sanatorium zum nächsten. Mit 16 Jahren beginnt Krzysztof Kieslowski eine Ausbildung in einer Warschauer Feuerwehrschule. Sein Aufenthalt ist von kurzer Dauer, da er sich dem dort herrschenden Disziplin nicht unterordnen will.

1965 wird Krzysztof Kieslowski nach mehreren Anläufen an der Filmhochschule in Lodz aufgenommen - die gleiche Institution hat Erfolgsregisseure Roman Polanski, Andrzej Wajda, Jerzy Skolimowski und Krzysztof Zanussi hervorgebracht. Bereits in seinem ersten Studienjahr an der Fakultät für Filmregie realisiert er seinen ersten Kurzfilm DIE STRAßENBAHN (1966). Mit seinem zweiten Hochschulfilm DAS AMT (1966) wendet sich Krzysztof Kieslowski erstmals dem Dokumentarfilm zu. Nach einem kurzen Ausflug zu fiktionalen Erzählungen mit dem Kurzfilm WUNSCHKONZERT (1967), produziert er 1968, erstmals für das polnische Fernsehen, den Dokumentarfilm DAS FOTO (1968).

1969 beendet Krzysztof Kieslowski die Filmhochschule und richtet seinen Focus nahezu ausschließlich auf das dokumentarische Filmemachen, beginnend mit dem Film AUS DER STADT LODZ (1969). Seine frühen professionellen Arbeiten setzen sich aus einer Serie von 1. Akter zusammen. Zu seinen Dokumentarfilmen der frühen 70er gehören u. a. ICH WAR EIN SOLDAT (1970), DIE FABRIK (1970), VOR DER RALLYE (1971) und REFRAIN (1972), die Krzysztof Kieslowski allesamt in den Studios des Warschauer Dokumentarfilmstudios "Tor" abdreht. Sie alle zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung des Regisseurs mit den sozialen Missständen wie sie sich im polnischen Alltag der 70er Jahre finden.

1972 bringt er eine Serie von Kurzfilmen heraus, die alle im Auftrag des Lubliner Kupfer-Bergwerkes realisiert werden. Besonders der Film ARBEITER71 - NICHTS ÜBER UNS OHNE UNS (1972) ist ein politisches Zeugnis, da er den im Dezember 1970 stattgefundenem Arbeiterstreik thematisiert. Es folgen weitere Fernsehspielfilme, darunter DER LEBENSLAUF (1975).

Sein internationaler Durchbruch gelingt ihm 1979 mit seinem Kinofilm DER FILMAMATEUR (1979) - ein satirischer Spielfilm, der die Geschichte eines Fabrikarbeiter erzählt, der die Macht der Kamera für sich entdeckt. Sein Leben wird aus der gewohnten Bahn geworfen. Seine Besessenheit hat fatale Folgen. Die Ehe zerbricht. Die Kündigung droht. Der Film gewinnt 1979 die Goldene Medaille und den FIPRESCI- Preis der XI. Internationalen Filmfestivals in Moskau.
Anfang der 80er Jahre durchlebt Polen, nach dem Scheitern des Kommunismus, eine Ära radikaler politisch-wirtschaftlicher Umwälzungen. Die Solidarnosc-Verbindung wird zur machtvollen Bewegung des neuen Liberalismus des Landes. Der Regisseur bringt in diesen Jahren Dokumentarfilme wie DER BAHNHOF (1980) und SPRECHENDE KÖPFE (1980) hervor.

Es folgt eine kreative Schaffenszeit des Künstlers, in der Fernsehfilme wie DER ZUFALL MÖGLICHERWEISE (1981), EIN KURZER ARBEITSTAG (1981) und OHNE ENDE (1984) entstehen. 1988 kommt endlich grünes Licht vom polnischen Fernsehen für sein 10-teiliges Fernsehprojekt DEKALOG (1989). Auch wenn sich Krzysztof Kieslowski immer mehr den filmischen Dramen zuwendet bleibt er stets den Prinzipien des dokumentarischen Filmemachens treu. Die DEKALOG- Episoden sind inspiriert von den 10 Geboten. Der Regisseur inszeniert darin die Lebensgeschichten von Menschen eines Warschauer Hochhauskomplexes. Der DEKALOG zeugt einmal mehr von Krzysztof Kieslowskis Auseinandersetzung mit der modernen Gesellschaft. Der DEKALOG-Filmzyklus wird ein nationaler wie internationaler Erfolg. Der Kinofilm EIN KURZER FILM ÜBER DAS TÖTEN - DEKALOG 5 (1988) erhält den Preis der Jury und den FIPRESCI- Preis der internationalen Filmfestspiele in Cannes. EIN KURZER FILM ÜBER DIE LIEBE - DEKALOG 6 (1988) wird in San Sebastian mit einem Spezialpreis bedacht. Bei beiden Filmen handelt es sich um zuerst ausgewertete Kinofassungen, die später für die DEKALOG-Fernsehserie gekürzt werden.

Danach arbeitet Krzysztof Kieslowski in Frankreich. Dort vollendet er seinen Film ZWEI LEBEN DER VERONIKA (1991), der erneut einen weltweiten Erfolg nach sich zieht. Die weibliche Hauptfigur besteht aus zwei Menschen - Weronika und Veronique, die in Krakau und Paris leben, sich nicht kennen und trotzdem eng miteinander verbunden sind. Die Hauptdarstellerin Irene Jacob erhält bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 1991 den Preis für die Beste weibliche Darstellerin.

In seinem wohl bekanntesten Werk der Farben-Trilogie (1993/94) setzt sich der Künstler mit den durch die Trikolore symbolisierten Werten der französische Revolution auseinander: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Den Anfang der Trilogie macht DREI FARBEN: BLAU (1993), eine Meditation über die Freiheit, in der es weniger um die politische Freiheit als um die Chance eines Neuanfangs geht, die durch den Tod eines geliebten Menschen entsteht. Die Geschichte über Schmerz, Verlust und Überlebenswillen überzeugt nicht nur die Jury der Internationalen Filmfestspiele Cannes 1991, sondern beschert der damals noch relativ unbekannten französischen Schauspielerin Juliette Binoche eine Golden Globe - Nominierung und macht sie über Frankreichs Grenzen zu einem Star. Der zweite Film DREI FARBEN: WEIß (1993), ein Essay über die Unmöglichkeit der Gleichheit, folgt noch im selben Jahr und wird auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin 1994 mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet. Es ist jedoch der letzte Teil der Farben-Trilogie DREI FARBEN: ROT (1994) mit Jean-Louis Trintignant und Irene Jacob in den Hauptrollen, der 1994 das höchste Lob erfährt. Der Erfolg Krzysztof Kieslowskis gipfelt 1994 mit der Nominierung des Academy Awards für die Beste Regie und Bestes Drehbuch auf den Academy Awards in Los Angelos. Auf dem Höhepunkt seiner filmischen Erfolgswelle und am Ende seiner physischen Kräfte angelangt, kündigt der Regisseur seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft an.

Er arbeitet mit seinem Drehbuch Co-Autor Krzysztof Piesiewicz an den Drehbuchadaptionen ihrer 3 Filmnovellen "Paradies", "Fegefeuer", "Hölle" (jeweils 1995), die erneut der Konstruktion eines Triptychons folgen soll. Aber Krzysztof Kieslowski kann die Arbeit nicht beenden. Er stirbt am 13. März 1996, nach einem Herzinfarkt und einer missglückten Beipass- Operation. Er wird nur 54 Jahre alt. [Sara Siwy]

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