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Fernando Meirelles

Fernando Meirelles
Regie, Produzent

* 09. November 1955
Sao Paolo
Brasilien

FERNANDO MEIRELLES • Biographie Seite 1/1

Durch die Arbeiten des Regisseurs Fernando Meirelles hat das brasilianische Kino weltweit wieder an Aufmerksamkeit gewonnen. Mit dem Meisterwerk CITY OF GOD (2002) bewegt er sich auf ästhetisch und episch hohem Niveau, überzeugt nicht nur die Kritiker sondern auch ein Millionen Publikum. Dabei gelingt es ihm, soziale Wirklichkeit mit rasanter Schnitttechnik zu kombinieren, von außergewöhnlich gewalttätigen Verhältnissen ohne viele Gewaltszenen zu erzählen. In seinen Filmen steckt großer erzählerischer Reichtum, der zudem modern umgesetzt wird.

Fernando Meirelles wird am 09. November 1955 in São Paulo, Brasilien geboren. Er wächst in einer gutsitutierten Familie auf. Nach seiner Schulausbildung studiert er zunächst Architektur an der Universität seiner Heimatstadt, aber bereits während seines Studiums interessiert er sich für den Film. Trotzdem schließt er sein Studium an und beginnt danach mit einer Gruppe von Freunden experimentelle Videos zu produzieren. Mehrere ihrer Filme erregen auf Filmfestivals in Brasilien Aufmerksamkeit. Die Gruppe professionalisiert sich und gründet eine unabhängige Produktionsfirma, die "Olhar Eletrônico". Fernando Meirelles arbeitet in den 1980er Jahre für das Fernsehen, macht sich einen Namen als Regisseur der populären Kindersendung "Rá-Tim-Bum" und dreht zahlreiche Werbefilme, von denen auch einige in Cannes ausgezeichnet werden.

Gemeinsam mit dem Filmproduzenten Andrea Barata Ribeiro und Paulo Morelli gründet er Anfang der 1990er Jahre die Produktionsfirma "O2 Films". Sein erster Film wird DIE KLEINE NERVENSÄGE - DAS MAGISCHE ABENTEUER (1997), ein Abenteuer für die ganze Familie über zwei kleinen Jungen, die im Urlaub ein kleines, teuflisches Wesen aus dem tiefen Inneren der Erde entdecken. Mit DOMÉSTICAS (2001) verfilmt er erstmals einen Stoff für Erwachsene nach einem Bühnenstück von Renata Melo. Erzählt wird von Alltag weiblicher Hausangestellten in São Paulo, von ihrer Arbeit und ihren Träumen. Der Film wird als Hommage an die zahlreichen Putzfrauen des Landes inszeniert, witzig, temporeich und mit viel Charme. Die Komödie macht den Regisseur international bekannt. Auffallend an dem Werk ist bereits die Experimentierfreude der Filmemacher, rasante Schnittfolgen und interessante Montagen zeugen von stilistischen Ambitionen.

Mit dem Kurzfilm GOLDEN GATE (2001), den er gemeinsam mit Katia Lund in Szene setzt, wird er zur Berlinale 2002 eingeladen. Der Film ist die Vorbereitung auf seinen nächsten großen Spielfilm, erzählt er doch die Geschichte zweier Jungen, die in einer Favela bei Rio de Janeiro leben. Hier ist der Alltag von roher Gewalt geprägt. Das Thema Gewalt in den Slums Brasilien wird er wieder aufgreifen. Mit CITY OF GOD (2002) sorgt er weltweit für Furore. Geschrieben von Paulo Lins erzählt der Film die Geschichte von Gangs in den Slums von Rio de Janeiro, ausgehend von den 1960ern bis in die 1980er Jahre hinein. Aus der Sicht des Jungen Rocket aus den Favelas wird die Entwicklung dreier Freunde geschildert. Der Film wird als modernes Meisterwerk gelobt. Es gelingt dem Regisseur die sozialen Umstände genau zu schildern, die Spannung hochzuhalten und den epischen Faden nicht zu verlieren. Außerdem überrascht er wieder stilistisch: Die Bilder sind rasant geschnitten, poppige Musik untermalt das gewalttätige Leben in den Slums. Verfilmt wird der epische Stoff mit Laiendarsteller aus den Favelas, auf deren Anregungen und Vorschläge die Filmemacher auch zurückgreifen. Für 3 Millionen Dollar produziert, spielte der Film weltweit eine halbe Milliarde US-Dollar ein, wird in 62 Länder verkauft. Das Werk wird in einem Atemzug mit Gangsterfilmen von Martin Scorsese oder Francis Ford Coppola genannt, und - ungewöhnlich für einen ausländischen Film - gleich viermal für den Oscar nominiert.

Nach dem Erfolg wird in Brasilien eine Fernsehserie mit dem Titel "City of Men" gedreht, an der auch Fernando Meirelles zeitweise als Regisseur und Drehbuchautor arbeitet. Wieder geht es um zwei Freunde, die in den Favelas überleben müssen. Anfangs noch innovativ in Thema und Stil drifftet die Serie mehr und mehr in den Stil einer typischen Telenovela ab. Zwischenzeitlich betätigt sich Fernando Meirelles auch als Produzent, unter anderem bei dem Film DAS JAHR ALS MEINE ELTERN IM URLAUB WAREN (2006), der auf der Berlinale 2007 zu sehen ist.

Erst vier Jahre nach seinem großen Erfolg legt der Regisseur einen neuen Film vor. Mit DER EWIGE GÄRTNER (2005) verfilmt er nach dem gleichnamigen Buch von John Le Carré die Geschichte eines britischen Diplomaten in Nairobi, dessen Frau ermordet aufgefunden wird. Auf der Suche nach ihrem Mörder entdeckt er einen Pharma-Skandal, in den auch die Regierung verstrickt ist. Von Kritikern gelobt wird das Engagement des Regisseurs, sich dem brisanten Stoff zugewendet zu haben. Wieder ist es sein sozialer Realismus, der auffällt. Außerdem beweist er sich als großer Schauspiel-Regisseur: Ralph Fiennes und Rachel Weisz werden mehrfach für Preise nominiert und zählen auch zu den Gewinnern.

Sein Film DIE STADT DER BLINDEN (2008) (DIE STADT DER BLINDEN (2008) Trailer) eröffnet das 61. Filmfestival von Cannes. Eine Stadt wird von einer Epidemie heimgesucht, die Bewohner werden blind. Die ersten Betroffenen werden unter Quarantäne gestellt. Unter katastrophalen Bedingungen müssen sie vegetieren. Lebensmittel werden rationiert, leicht werden sie Beute Krimineller. Es gibt eine Zeugin dieses Alptraums. Die Frau eines Erblindeten (gespielt von Julianne Moore) folgt ihrem Mann in die Quarantäne und führt eine Gruppe Kranker in die Freiheit. Thema des Films nach einer Geschichte des portugiesischen Literaturnobelpreisträger José Saramago ist die menschliche Würde, an die auch in Zeiten von Krisen und Katastrophen festgehalten werden muss.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Mai 2008

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