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Alice Guy

Alice Guy
Regie

* 01. Juli 1873
Paris
Frankreich
† 24. März 1968
Mahwah (New Jersey)
USA
andere Namen Alice Guy Blaché; Alice Blaché; Alice Guy-Blaché

ALICE GUY • Biographie Seite 1/1

Nur wenige kennen die Filmemacherin Alice Guy, eine der ersten Frauen hinter der Kamera. Dabei hat die Französin mehr als dreihundert Filme inszeniert, ist die erste Frau in der Filmgeschichte, die Filme produziert, Regie geführt und sich zudem ihre eigenen Drehbücher schreibt. Sie gilt als eine der ersten Filmemacher der Welt, die Spielhandlung und Sensationen in ihre Filme einbaute. Heute ist sie - wie viele ihrer Kolleginnen - leider vergessen.

Alice Guy wird am 01. Juli 1873 in Saint-Mandé, bei Paris geboren. Mit ihrer Familie verlebt sie einen Teil ihre Kindheit in Valparaiso (Chile). Ihre Vorfahren flüchten nach Südamerika, weil sie im Zuge der Französische Revolution um ihr Vermögen gebracht werden. Das junge Mädchen wird in Europa im Kloster Sacre Coeur von Viry (an der Grenze Frankreich / Schweiz gelegen) erzogen.

Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, beginnt Alice Guy nach ihrer Ausbildung als Stenographie-Sekretärin in der Firma Gaumont zu arbeiten. Die Firma produziert photographische Apparate und Aufnahmegeräte. Bald steigt die junge Frau die Karriereleiter hinauf. Als nach der ersten Film-Vorführung der Lumiere-Brüder am 18. Dezember 1895 in Paris das Medium Film eine erste Blüte erfährt, nimmt sie ihren ganzen Mut zusammen und schlägt der Produktionsfirma Garamont schüchtern vor, ein oder zwei Lustspiele zu schreiben. Hauptrollen sollen Freunde übernehmen. Wie sie in ihrer Autobiographie berichtet, hätte sie die Erlaubnis dafür nie bekommen, wenn vorhersehbar gewesen wäre, welche rasante Entwicklung der Film nehmen würde. Doch ihr wird grünes Licht gegeben und sie hat Erfolg. Ohne große Vorkenntnisse wird sie 1896 Direktorin der Gaumont Filmproduktion. Nach eigenen Angaben dreht sie den ersten Spielfilm DIE FEE DER KOHLKÖPFE (1897), der 20 m lang ist und zu einem Erfolg wird. Sie baut als eine der ersten Filmemacher eine Spielhandlung in die Bilder ein. Danach folgen mehr als 100 Opern- und Tanzfilme zwischen 1896 und 1907. Unter den vielen Werken stechen besonders der 1905 inszenierte erste Groß-Film DAS LEBEN JESU (1905) sowie die Komödie DIE BESCHWIPSTE MATRATZE (1906) hervor.

1907 heiratet Alice Guy den Kameramann der Gaumont Filmproduktion Herbert Blachè-Bolton. Nach der Hochzeit gibt sie ihre Arbeit auf. Sie vertraut die Geschäfte ihren Assistenten an und das junge Ehepaar geht nach Amerika. Herbert Blachè-Bolton soll dort die Niederlassung der Gaumont Filmproduktion leiten. Alice Guy kommt als Hausfrau und Mutter mit. Nach drei Jahren will sie aber wieder arbeiten. Gegen den anfänglichen Widerstand ihres Mannes mietet sie ein Studio und gründet die Produktionsfirma Solax. Die Firma produziert ununterbrochen in vier Jahren ca. 300 Filme. Bei ca. 50 davon führt Alice Guy selbst Regie. In fast allen Genre ist sie zuhause: Abenteuerfilme, Melodramen, Western und Cowboyfilme dreht sie in den USA. Ihre Filme werden zu Publikumserfolgen, wie etwa OPFER EINES KINDES (1910). Daneben unterrichtet sie auch an der Columbia Universität.

Als der Vertrag ihres Ehemannes mit der Gaumont Filmproduktion ausläuft, wird ihre Firma Solax umgewandelt in die Blaché Features. Herbert Blachè-Bolton ist nun Präsident und wendet sich der Produktion von Kunstfilmen zu. Alice Guy bleibt bei den publikumsträchtigen Genre und produziert für die Firma Popular Players & Play Abenteuerdramen. Die unter ihrer Leitung so erfolgreiche Solax arbeitet unter der Führung ihres Mannes nicht gewinnbringend und muss Konkurs anmelden.

Daraufhin geht Herbert Blachè-Bolton in die Filmmetropole Hollywood. Alice Guy folgt ihrem Mann etwas später nach und arbeitet zunächst als Assistentin für ihn. Dann inszeniert sie zwei Misserfolge: DAS GROSSE ABENTEUER (1918) und DER GESCHÄDIGTE RUF (1920). Die langjährigen Schwierigkeiten mit ihrem Mann bewegen sie dazu, die Scheidung einzureichen. Der spürbare Misserfolg in der Filmproduktion führt außerdem dazu, dass sich Alice Guy mit 48 Jahren radikal aus dem Filmgeschäft zurückzieht. Mit ihren zwei Kindern kehrt sie nach Frankreich zurück.

Erst spät wird die Regisseurin und Produzentin für ihre Vorreiterrolle und ihre Pionierleistungen im Film geehrt. Bis in die 1970er Jahre ist sie vergessen, Filme, die sie gedreht hat, werden männlichen Kollegen zugeschrieben, die Mehrzahl ihrer Werke gilt als verschollen. Im Alter von 83 Jahren erhält sie den Orden der Ehrenlegion. 1964 kehrt sie nach Amerika zurück und lebt dort bis zu ihrem Tod am 24. März 1968 in Mahwah (New Jersey).

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