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Wilhelm Dieterle

Wilhelm Dieterle
Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Darsteller

* 15. Juli 1893
Ludwigshafen, am Rhein
Deutschland
† 08. Dezember 1972
Ottobrunn, Bayern
Deutschland
andere Namen William Dieterle

WILHELM DIETERLE • Biographie Seite 1/1

Wilhelm Dieterle zählt unter dem Namen William Dieterle zu den erfolgreichsten und gefeiertsten deutschen Regisseuren in Hollywood. In den 1930er Jahren hat er seinen Karriere-Höhepunkt und beherrscht die Inszenierung sogenannter "biopics" - biographisch orientierte Melodramen - perfekt.

Wilhelm Dieterle wird am 15. Juli 1893 in Ludwigshafen, am Rhein geboren. Sein Vater Jakob Dieterle ist Fabrikarbeiter und Landwirt. Er ist das neunte Kind der Familie. Er absolviert die Volksschule und beginnt danach eine Lehre als Tischler und Glaser.

1909 fängt er eine Schauspielausbildung in Mannheim bei Paul Tietsch an. Mit 18 Jahren erhält er sein erstes Engagement am Westfälischen Städtebundtheater in Arnsberg. Bis 1920 arbeitet er auf verschiedenen Bühnen in Deutschland als Kleindarsteller, singt und tanzt. Es führt ihn u.a. nach Heilbronn, Plauen, Bad Dürkheim und Mainz. In Heidelberg spielt er das erste Mal für den Film. Auf der dortigen Freiluftbühne wird das Theaterstück FIASKO (1913) abgefilmt. Erst mit dem Engagement an die Max Reinhardt-Bühne, dem Deutschen Theater in Berlin, und seinem dortigen Durchbruch als Schauspieler zu Beginn der 20er Jahre steht er regelmäßig vor der Kamera. Aber er bleibt dem Theater treu und spielt u.a. am Staatstheater, am Deutschen Künstlertheater, in Wien und bei den Salzburger Festspielen.

Gleich zu Beginn seiner Filmkarriere spielt er mit den gefeierten Leinwandstar Henny Porten in DIE GEIERWALLY (1921) und HINTERTREPPE (1921) sowie mit Asta Nielsen in FRÄULEIN JULIE (1921). In den Filmklassikern DAS WACHSFIGURENKABINETT (1923) und FAUST - EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE (1926) ist er ebenso zu sehen. 1923 führt er das erste Mal Regie. Er verfilmt Lew Tolstois DER MENSCH AM WEGE und gibt Marlene Dietrich eine ihrer ersten größeren Rollen. Bis 1927 wird dies der einzige Ausflug ins Regiefach bleiben. Erst als er gemeinsam mit seiner Ehefrau Charlotte Hagenbruch, eine Drehbuchautorin, die Produktionsfirma Charha-Film gründet, wechselt er von der Schauspielerei auf den Regie-Stuhl.

Die erste Produktion der Charha-Film wird allerdings ein Misserfolg. Als kitschig wird DIE HEILIGE UND IHR NARR (1928) zerrissen. Aber schon mit der zweiten Produktion ist der kommerzielle Erfolg erreicht. Mit dem Film GESCHLECHT IN FESSELN (1928) entdeckt er eines seiner bevorzugten Genre für sich: das Melodram. Der finanzielle und künstlerische Erfolg von Wilhelm Dieterle trägt Früchte. Die Deutsche Universal schließt mit ihm einen Produktionsvertrag ab. In den zwei Jahren 1928 und 1929 produziert er acht Filme, in denen er Regie führt und häufig auch selbst vor der Kamera steht, zum Beispiel in LUDWIG DER ZWEITE, KÖNIG VON BAYERN (1929). Es wird sein erster biographisch orientierter Spielfilm. Zu biographischen Stoffen wird er sich immer hingezogen fühlen und das Genre - das "biopic" - perfekt beherrschen.

1930 übersiedelt Wilhelm Dieterle nach Kalifornien. Seinen ersten Tonfilm EINE STUNDE GLÜCK (1930) inszeniert er noch in Deutschland. Aber dann ist das amerikanische Angebot lukrativer. Er erhält von der First National Pictures, eine Tochter-Produktionsfirma der Warner Bros. einen Vertrag als Regisseur für deutschsprachige Versionen. Wilhelm Dieterle - nun William Dieterle - hat keinerlei Probleme, sich in das amerikanische Produktionssystem einzufügen und führt 1930 gleich bei drei Filmen Regie. Er holt auch deutsche Schauspieler für die deutschsprachigen Versionen nach Amerika, u.a. Gustav Fröhlich für KISMET (1930). Seine Filme haben Erfolg und 1933 erhält er von der Warner Bros. einen Sieben-Jahres-Vertrag. Er inszeniert Filme über den französischen Mikrobiologen und Chemiker LOUIS PASTEUR (1935), über DAS LEBEN DES EMILE ZOLA (1937), den mexikanischen Bauernführer Jaurez in CHARLOTTE UND MAXIMILIAN IN ÖSTERREICH (1939) oder die Entstehung der Nachrichtenagentur Reuters in EIN MANN MIT PHANTASIE (1940). Unvergessen ist sein GLÖCKNER VON NOTRE DAME (1939), in dem Charles Laughton brilliert.

1937 nimmt William Dieterle die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Neben seinen Filmarbeiten engagiert sich er sich für die deutschen Emigranten. Er ist 1939 Mitbegründer der antifaschistischen Kulturzeitschrift "The Hollywood Tribune" und finanziert das Blatt. Damit unterstützt er auch indirekt den Regisseur Ewald André Dupont, der die Zeitschrift leitet. Außerdem gründet er mit Leopold Jessner das englischsprachige Exiltheater "The Continental Players".

1941 verlässt William Dieterle Warner Bros. Es entsteht die William Dieterle Production Co., die zwar noch den hervorragenden Film DER TEUFELSBAUER (1941) produziert, aber dann nicht besonders erfolgreich arbeitet. Ab 1945 steht der Regisseur bei MGM, David O. Selznick, Paramount und Columbia unter Vertrag, kann aber an seine Erfolge aus den 1930er Jahren nicht mehr anknüpfen.

Auf der Theaterbühne arbeitet William Dieterle auch wieder in Deutschland. 1954 kehrt er zurück und inszeniert im ganzen Land, in Berlin, an den Städtischen Bühnen Frankfurt, am Main oder am Deutschen Theater in München. Bei den Salzburger Festspielen ist er genauso gefragt wie am Züricher Schauspielhaus. Von 1961 bis 1964 ist er Intendant am Freilichttheater in Bad Hersfeld. Er erwirbt auch ein Theater: das Tourneetheater "Der grüne Wagen" in Taufkirchen, bei München.

Auch beim Film arbeitet William Dieterle wieder. Mit dem jungen Götz George, dessen Mutter Berta Drews und Hans Söhnker verfilmt er ein Theaterstück von Carl Zuckmayer: DIE FASTNACHTSBEICHTE (1960). Zunehmend entdeckt er auch das Fernsehen für sich und dreht für deutsche und österreichische Anstalten. 1964 insenziert William Dieterle seinen letzten Kinofilm THE CONFESSION (1964).

Wilhelm Dieterle stirbt am 9. Dezember 1972 in Ottobrunn bei München.

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