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Rolf Schnabel

Rolf Schnabel
Regie, Künstlerische Leitung, Drehbuch

* 11. Februar 1925
Marienberg
Deutschland
† 12. April 1999
Berlin
Deutschland

ROLF SCHNABEL • Biographie Seite 1/1

Der Dokumentarfilmer Rolf Schnabel versteht sich als Propagandist der offiziellen Politik der DDR; er möchte mit seinen Filmen auf die Wirklichkeit im Sinne der Politik einwirken. Seine hochrangigen Funktionen in der ostdeutschen Jugendbewegung und in der Sozialistischen Einheitspartei spezialisieren ihn für Auftragswerke, die die politischen Prämissen der Zeit bebildern. Rolf Schnabel dreht neben prestigeträchtigen Dokumentationen zur Geschichte der DDR auch zahlreiche Protokoll- und Auftragswerke.

Rolf Schnabel wird am 11. Februar 1925 in Marienberg, Sachsen geboren. Nach der Volksschule, die er bis 1939 besucht, lehrt er von 1940 bis 1943 den Beruf des Metallschleifers in den Junkers-Werken Dessau. 1943 wird er zur Wehrmacht eingezogen, ist bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges Flaksoldat und gelangt dann in Gefangenschaft.

Nach der Kapitulation der Deutschen ist Rolf Schnabel zunächst als Funktionär der Freien Deutschen Jugend (FDJ) tätig. Von 1946 bis 1954 arbeitet er für die Jugendorganisation in seiner Heimatstadt, später in Dresden und Berlin. In der ostdeutschen Hauptstadt ist er unter anderem Mitarbeiter im Zentralrat der FDJ und von dessen damaligen Vorsitzenden Erich Honecker. 1953 leitet er die 900 Personen starke Delegation ostdeutscher Jugendlicher bei den IV. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Bukarest.

1954 wird Rolf Schnabel Mitarbeiter für Information im DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme, ist zudem stellvertretender Chefredakteur der Wochenschau "Das Augenzeuge", der Helmut Schneider ab Mitte der 50er Jahre ein neues Gesicht gibt. Hier dreht Rolf Schnabel auch seinen ersten Kurzfilm HOCHWASSER (1954). Die Funktion hat er bis 1960 inne, von 1961 bis 1963 wird er der Chefredakteur des DEFA-Studios. Als Regisseur legt er Mitte der 50er Jahre einige Alltagsbeobachtungen vor, etwas mit MODE 1956 (1955) und BORMANN-MODEN (1958). Bei dem satirischen Lehrfilm SOMMER, SONNE, AK 8 (1956) arbeitet er an dem Drehbuch, Regie führt er gemeinsam mit Helmut Schneider. Das muntere Werk über die mannigfaltigen Möglichkeiten der Schmalfilmkamera ist witzig, spielt mit Klischees und Tabu. Höhepunkt dieser Art von Arbeiten wird die Dokumentation DIE FENSTERPUTZERSERENADE (1961), in der der Alltag von Fensterputzern einer Berliner Handwerker-Produktionsgenossenschaft heiter betrachtet wird und die ein humoristisches, leichtes Zeitbild Ostberlins liefert. Zur Regel wird die satirische Betrachtung der DDR nicht. In UNSER LIEBES EIGENTUM (1957) wirft der Regisseur einen Blick auf den alltäglichen Umgang mit staatlichen Gütern. Kleinbürgerliche Verhaltensweisen wie Achtlosigkeit und Diebstahl werden mit dem pädagogischen Zeigefinger thematisiert.

Nach einer dreijährigen Ausbildung an der Parteihochschule von 1963 bis 1966, welche er mit einem Diplom als Gesellschaftwissenschaftler beendet, wird Rolf Schnabel Direktor des DEFA-Studios für Wochenschau und Dokumentarfilme. Zwei Jahre bekleidet er diesen Posten. 17 Jahre, von 1971 bis 1989, ist er ehrenamtlicher SED-Sektretär des DEFA-Studios für Kurzfilme. Seine hochrangigen Funktionen spezialisieren ihn für Auftragswerke, die die politischen Prämissen der Zeit bebildern. Rolf Schnabel dreht prestigeträchtige Dokumentationen zur Geschichte der DDR, etwas WEGGEFÄHRTEN (1974). Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung lassen ein chronikartiges Bild der DDR aus 25 Jahren entstehen. Sechs Regisseure sind an dem Panoramabild beteiligt, unter anderem auch die Nachwuchsregisseure Jürgen Böttcher und Uwe Belz.

In DIE KPD - EINE DOKUMENTATION ZUM 60. JAHRESTAG (1978) wird die Gründung der Partei geschildert und mit Porträts von ihrer wichtigsten Vertreter wie Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Ernst Thälmann und Wilhelm Pieck unterlegt. Zum 30. Jahrestag der DDR entsteht der fünfteilige Zyklus AUFERSTANDEN AUS RUINEN (1979), bei dem Rolf Schnabel die künstlerische Oberleitung inne hat. In dieser Funktion betreut er auch den fünfteiligen Zyklus IM STROM DER ZEIT (1981) über 10 Jahre DDR-Geschichte sowie die sieben Teile von UNSER ZEICHEN IST DIE SONNE (1984), eine Dokumentation zur Geschichte der FDJ von 1945 bis 1984. Stilistisch sind sich die Filme ähnlich: überliefertes Material wird mit neu gedrehtem verknüpft, Zeitzeugen werden befragt und die historischen Umstände ausführlich recherchiert. Inhaltlich stehen sie auf der Seite des Positiven, berichten wird von den Erfolgen beim Aufbau der DDR, gezeigt werden getreue Jugendliche, die optimistisch in die Zukunft schauen.

Rolf Schnabel versteht sich als Propagandist der offiziellen Politik der DDR. Zu seinen Filmen zählen auch zahlreiche Protokollfilme wie etwa FREUNDSCHAFT - DRUSHBA - HERZENSSACHE (1974). Der 42-minütige Film dokumentiert die Reise einer Delegation des Zentralkomitees der KPdSU unter der Leitung des Generalsekretärs Leonid Breshnew in die DDR anläßlich der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag ihrer Gründung im Jahre 1974.

Gleichzeitig macht es Rolf Schnabel möglich, daß Filme von jüngeren Dokumentaristen entstehen, die einen anderen, kritischeren Blick auf die soziale Wirklichkeit des Landes haben. Er arbeitet am Drehbuch von DER OFENBAUER (1962) des Regisseurs Jürgen Böttcher mit. Der Film protokolliert die 18-m-Verschiebung eines 65 m hohen und 2000 t schweren Hochofens im Eisenhüttenkombinat. Mit fünf Kameramännern schildert das Werk in nüchternen Bildern die Leistung des Kollektivs, es wird mehrfach ausgezeichnet. Filme der Regisseure Volker Koepp, Winfried Junge und Uwe Belz unterstützt er ebenfalls.

In seinen letzten Filmen setzt sich der Regisseur mit jüngster deutscher Vergangenheit auseinander. Für das Fernsehen der DDR entsteht der Beitrag KONTRA HITLER AN DER SAAR (1984). Historische Aufnahmen und Zeitzeugeninterviews sowie Interviews mit Persönlichkeiten des politischen Lebens wie Oskar Lafontaine thematisierten den Widerstand des Saargebiet 1935 gegen den Anschluß ans Hitler-Deutschland. Der Film wird in der DDR nicht gezeigt. In BERLIN IN DEN ZWANZIGER JAHREN (1987) fügt der Regisseur aus Dokumentaraufnahmen der Zeit einen Bilderbogen der zwanziger Jahre zusammen. Weitere seiner Filmthemen sind der 20. Juli 1944 in DAS ATTENTAT AUF HITLER (1984), DAS JAHR 1939 (1989) und OTTO VON BISMARK (1990). Im Zuge der politischen Wende in der DDR und der Auflösung der DEFA beendet Rolf Schnabel seine Tätigkeit als Regisseur 1990.

Rolf Schnabel stirbt am 12. April 1999 in Berlin.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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