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Ulrich Plenzdorf

Ulrich Plenzdorf
Drehbuch, Szenarium

* 26. Oktober 1934
Berlin
Deutschland
† 08. August 2007
Berlin
Deutschland

ULRICH PLENZDORF • Biographie Seite 1/1

Ulrich Plenzdorf zählt zu den erfolgreichsten und bekanntesten Drehbuch-Autoren in der DDR. Trotz und wegen seiner gesellschaftskritischen Stücke ist er einer der meistgespielten Dramatiker, der auch im Westen des Landes Aufmerksamkeit erregt. Mitte der 60er Jahre beginnt er bei der DEFA, Filmstoffe zu entwickelt und greift immer wieder realistische Gegenwartsthemen und die Probleme junger Leute auf. Mit DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA (1973) schreibt er das Buch zu dem wohl erfolgreichsten DEFA-Film, der auch heute noch sein Publikum findet.

Ulrich Plenzdorf wird am 26. Oktober 1934 in Berlin geboren. Er entstammt einer Arbeiterfamilie. Seine Eltern sind Mitglieder in der KPD, die sich aktiv gegen die Nationalsozialisten einsetzen. Sie werden mehrfach verfolgt und verhaftet. Nach seiner Schulausbildung, die er mit dem Abitur beendet, studiert Ulrich Plenzdorf am Franz-Mehring-Institut in Leipzig Philosophie. Nach drei Semestern bricht er das Studium ab.

Ab 1955 ist er für drei Jahre bei der DEFA als Bühnenarbeiter beschäftigt, bis er als Soldat eingezogen wird. Hier reift sein Entschluß, sich weiter mit dem Film zu beschäftigen. Von 1959 bis 1963 studiert Ulrich Plenzdorf an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Dramaturgie. Nach seinem dortigen Abschluß ist er als Szenarist und Dramaturg bei der DEFA angestellt.

Sein erster Film, für den er gemeinsam mit Joachim Kupsch das Drehbuch verfaßt, ist MIR NACH, CANAILLEN (1964). Der Regisseur Ralf Kirsten setzt die turbulente Komödie mit dem Publikumsliebling Manfred Krug in der Hauptrolle in Szene. Der Film zählt zu den Kassenerfolgen des Jahres. Sein nächstes Drehbuch wird zwar in Anfängen verfilmt, der Film kommt aber erst 15 Jahre später in einer Rohschnittfassung auf der Leinwand. KARLA (1965) erzählt die Geschichte einer jungen Lehrerin (gespielt von Jutta Hoffmann), die sich nicht mit den bürokratischen Strukturen in ihrer Schule zufrieden gibt. Der Regisseur Herrmann Zschoche muß die Dreharbeiten zu dem kritischen Beitrag über das Bildungswesen nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED beenden.

Vier Jahre dauert es, bis das nächste Drehbuch von Ulrich Plenzdorf für die Leinwand adaptiert wird. Wieder ist es Herrmann Zschoche, der WEITE STRAßEN - STILLE LIEBE (1969) verfilmt. Inszeniert wird der Alltag zweier Fernfahrer, die von Manfred Krug und Jaecki Schwarz gespielt werden. Mit KENNEN SIE URBAN? (1970) macht sich der Drehbuchautor endgültig einen Namen als jemand, der sich mit der Gegenwart in der DDR auseinandersetzt und die Probleme junger Leute thematisiert.

1972 wird am Landestheater in Halle das Stück "Die neuen Leiden des jungen W" uraufgeführt. Stück wie Buch werden ein sensationeller Erfolg in Ost und West. Viele Jugendliche sehen ihre eigene Situation realistisch wiedergegeben. Die Geschichte wird in mehr als dreißig Sprachen übersetzt; bisher sind vier Millionen Exemplare verkauft. Bereits 1968 hat Ulrich Plenzdorf das Szenarium der DEFA vorgelegt, die den Stoff aber ablehnt. Kurz nach dem Theaterdurchbruch legt der Drehbuchautor gemeinsam mit Heiner Carow ein Drehbuch vor, das aber ebenfalls nicht realisiert wird. 1976 wird die Geschichte des jungen Lehrlings Edgar Wibeau, der sich trotz aller Widerstände selbst verwirklichen will, im Westen Deutschlands verfilmt.

Im gleichen Jahr wird der Erfolg des Ulrich Plenzdorf nochmals gesteigert. Er schreibt das Drehbuch zu einem der erfolgreichsten DEFA-Filme: DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA (1973). Heiner Carow inszeniert die Geschichte einer Liebe, die eine realistische Milieubeschreibung mit märchenhaften Momenten vermischt. Die weibliche Hauptfigur Paula (gespielt von Angelica Domröse) will ihren Glücksanspruch verwirklichen. Der Film wird zum Kassenerfolg des Jahres, zieht heute noch Tausende Zuschauer in seinen Bann.

Weitere Drehbücher des Autors werden in den nächsten Jahren verfilmt. Gemeinsam mit Gisela Steineckert und Rainer Simon verfaßt er das Drehbuch zu LIEBE MIT 16 (1974). Wieder Herrmann Zschoche verfilmt GLÜCK IM HINTERHAUS (1979). Nach dem Roman "Buridans Esel" von Günther de Bruyn hat Ulrich Plenzdorf zunächst das Bühnenstück verfaßt und dann das Szenarium für den Film entworfen. Erzählt wird die Geschichte um den Bibliotheksleiter Erp, der zwischen zwei Frauen steht. Nochmals arbeiten Regisseur und Autor bei INSEL DER SCHWÄNE (1982) zusammen. Hier werden die Probleme von Kindern in Neubausiedlungen aufgegriffen. Der Film hat es in der DDR schwer, seine kritische Haltung zu Einsamkeit und Brutalität in den Siedlungen stößt auf massiven Widerstand.

In der Folge arbeitet Ulrich Plenzdorf mit Frank Beyer zusammen, schreibt das Buch für den Kinofilm BOCKSHORN (1983). Mittlerweile arbeitet er auch für das Fernsehen, im Westen Deutschlands. In der DDR hat er Schwierigkeiten; seine Stoffe gelten als zu kritisch. Ab Mitte der 80er Jahre konzentriert sich der Autor auf das Theater. Die Stücke "Ein Tag länger als ein Leben" und "Zeit der Wölfe" nach Romanen von Tschingis Aitmatow werden uraufgeführt. Jahrelang bemüht sich Ulrich Plenzdorf um die Verfilmung der "Unvollendeten Geschichte" von Volker Braun. Erst 1990 kommt der Film DER VERDACHT (1990) unter der Regie von Frank Beyer als einer der letzten DEFA-Filme in die Kinos. Danach inszeniert Rainer Simon den Film DER FALL Ö. (1990), der als Ost-West-Kooperation in Szene gesetzt wird.

Nach dem Zusammenbruch der DDR arbeitet Ulrich Plenzdorf wiederholt für das Fernsehen. 1991 sendet die ARD den Film "Häschen hüpf oder Alptraum eines Staatsanwalts" (1991). Er zeigt das neue Deutschland in einer Mischung aus Rückblende und Vorgriffen auf Ängste und Befürchtungen. Danach schreibt er mehrere Folgen für die Serie "Liebling-Kreuzberg" mit Manfred Krug als Hauptdarsteller. Mit "Vater Mutter Mörderkind" (1993) unter der Regie von Heiner Carow legt er eine Auseinandersetzung mit dem Terrorismus vor. Ein Ex-Terrorist baut sich eine neue Existenz in der DDR auf und wird nach der Wende enttarnt. Das Stück wird noch im gleichen Jahr in Halle als Theaterstück aufgeführt und 1994 in Buchfassung veröffentlicht. Es entsteht das Fernsehspiel "Das andere Leben des Herrn Kreins" (1994), welches die Begegnung zwischen einem Regimegegner und seinem Sicherheitsoffizier nach der "Wende" schildert. Außerdem schreibt Ulrich Plenzdorf das Drehbuch zu dem Film "Abgehauen" nach der Autobiographie von Manfred Krug. Zuletzt verfaßt der Autor das Drehbuch zu "Der Trinker" mit Harald Juhnke in der Hauptrolle und arbeitet an dem national wie international überaus erfolgreichen TV-Dreiteiler "Der Laden" mit.

Ulrich Plenzdorf ist mehrfach ausgezeichnet worden. Der Kunstpreis der DDR geht ebenso an ihn wie der Heinrich-Greif-Preis der Akademie der Künste. Desweiteren erhält er 1978 den Ingeborg-Bachmann-Preis für seinen inneren Erlebnis-Monolog "Kein runter, kein fern".

Der Autor lebt mit seiner Familie in einem Dorf im Oderbruch. Er stirbt am 08. August 2007 in einem Krankenhaus in der Nähe von Berlin.


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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden

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