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Richard Eichberg

Richard Eichberg
Regie, Künstlerische Leitung, Drehbuch, Darsteller, Produzent, Ko-Produzent, Produktionsleitung

* 27. Oktober 1888
Berlin
Deutschland
† 08. Mai 1953
München
Deutschland

RICHARD EICHBERG • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur und Produzent Eichard zählt zu den wichtigsten Filmemachern in der Weimarer Republik. Seine Filme sind die Publikumslieblinge der Zeit, nicht nur weil er das "Traumpaar des deutschen Films" Lilian Harvey und Willy Fritsch zusammenbringt, sondern auch, weil er handwerklich perfekt action- und spannungsreiche, dramatische Filme inszeniert.

Richard Eichberg wird als Richard Albert Eichberg am 27. Oktober 1888 in Berlin geboren. Seine Eltern betreiben eine Gastwirtschaft. Seit frühester Kindheit ist es sein Wunsch, Sänger zu werden. Dieser Traum erfüllt sich allerdings nicht, trotzdem beginnt er eine künstlerische Karriere. Nach seinem Schulabschluß im Gymnasium erhält er ein Engagement am Stadttheater Schaffhausen (Schweiz). Er arbeitet als Charge, später steht er auch in Aachen, Köln auf der Bühne. Ab 1907 tritt er in der Hauptstadt Berlin auf, spielt u.a. am Residenz-Theater. Erste Rollen beim Film schließen sich an, u.a. steht er bei den Berliner Produzenten Oskar Messter und Alfred Duskes unter Vertrag.

Für drei Jahre begibt sich der junge Schauspieler auf Tournee durch Südamerika. Er tritt mit Unterhaltungsprogrammen auf deutschsprachigen Bühnen auf. Nach seiner Rückkehr 1912 arbeitet er nur noch für den Film. Rollen erhält er wieder von der Messter Projektions AG. Besonders intensiv für ihn wird die Zusammenarbeit mit einem der Haus-Regisseure Charles Decroix.

1914 gründet Richard Eichberg gemeinsam mit Max Feibisch seine eigene Produktionsfirma. Mehrmals wird die Firma umbenannt, aber die Arbeitsteilung bleibt über lange Zeit bestehen: Richard Eichberg ist für Regie und Produktion zuständig, wogegen sich Max Feibisch um den Vertrieb der produzierten Filme kümmert. Richard Eichberg inszeniert und produziert durch alle Genre hindurch: Komödien, Kriminalgeschichten, Melodramen, Sensationsstreifen, Großstadt- wie auch Zirkusfilme. Später stehen auch Großprojekte wie der historische Monumentalfilm MONNA VANNA (19 ) mit Paul Wegener und über 600 Statisten auf seinem Programm.

Meistens arbeitet der Regisseur mit einem weiblichen Star, dem er den jeweiligen Stoff je nach dessen Fähigkeiten auf den Leib schreibt. Als erste Schauspielerin der Produktionsfirma fungiert Ellen Richter, die in seinen spannenden und exotischen Geschichten die weibliche Hauptfigur verkörpert. Später sind es Leontine Kühnberg in diversen Zirkusfilmen oder für dramatische Rollen Lee Parry.
Richard Eichberg entdeckt auch Lilian Harvey für den Film. Bereits in der zweiten gemeinsamen Arbeit LIEBE UND TROMPETENBLASEN (1925) hat sich die Schauspielerin beim Publikum derart beliebt gemacht, daß die Produktionsfirma ihre Gage erhöht. Bei den folgenden Produktionen gesellt sich zu dem Duo Richard Eichberg / Lilian Harvey noch der Schauspieler Willy Fritsch. Nunmehr hat sich eines der bekanntesten und beliebtesten Schauspiel-Paare der Zeit gefunden.

Der Erfolg der Harvey-Fritsch-Filme ruft größere Produktionsfirmen auf den Plan. Die Ufa wirbt Lilian Harvey erfolgreich ab. Um den weiblichen Star entbrennen verschiedene Gerichtsprozeße, aber Richard Eichberg muß sich letztlich geschlagen geben. Er versucht neue Gesichter aufzubauen, arbeitet mit Dina Gralla, Charlotte Susa oder mit Anna May Wong, die bis zum Einzug des Tonfilms seine weibliche Hauptdarstellerin ist. Der Film SONG (1928) mit ihr und Heinrich George wird zu einem seiner größten künstlerischen Erfolge.

Dem Tonfilm steht Richard Eichberg nicht skeptisch gegenüber. Er arbeitet bei frühen Mehrsprachen-Versionen mit der englischen Firma B.I.P. zusammen, weil es zum damaligen Zeitpunkt die Infrastruktur in Deutschland noch nicht zuläßt, Tonfilme für den Massenmarkt zu produzieren. Seine Filme werden nun zeitgleich in deutsch, englisch und französisch produziert. Wieder hat der Regisseur und Produzent eine glückliche Hand bei der Wahl seiner Hauptdarsteller. Diesmal bereitet er den Weg für Hans Albers vor, der zwar bereits in vielen Stummfilmen mitspielte, aber mit dem Tonfilm DER GREIFER seinen durchschlagenden Erfolg feiern kann. Kurz darauf entdeckt er Martha Eggerth, später Franziska Gaál.

Nach der Machtergreifung im Januar 1933 überweist Richard Eichberg sein Kapital in die Schweiz und siedelt mit seiner Familie in das neutrale Land. Er arbeitet nun viel in Österreich, Frankreich. Zweisprachige Filmproduktionen dreht auch in den Studio in Berlin und München. Da er die schweizerische Staatsbürgerschaft besitzt, kann er jederzeit das Land verlassen. 1937 begibt sich der Regisseur mit seiner kompletten Crew nach Indien, um den Zweiteiler DER TIGER VON ESCHNAPUR (1937) und DAS INDISCHE GRABMAL (1937)zu drehen. Viel Material wird an Orginalschauplätzen vorgedreht, aber der eigentliche Film entsteht in den Ufa-Studions in Berlin-Johannisthal. Der Film wird, u.a. aufgrund seiner Exotik, ein internationaler Erfolg.

1938 geht Richard Eichberg in die USA, 1942 erhält er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er produziert am Broadway Musicals und Operetten. Aber Filme kann er nicht produzieren. Erst als er 1949 nach Deutschland zurückkehrt, ist er wieder im Filmgeschäft tätig. Allerdings kann er an die Vorkriegserfolge nicht anschliessen.

Richard Eichberg ist zweimal verheiratet. Seine erste Ehe schließt er 1919 mit Mathilde Benz, die unter ihrem Künstlernamen als Schauspielerin Lee Parry bekannter ist. 1925 wird die Ehe geschieden. In zweiter Ehe ist er mit der Schauspielerin Kitty Jantzen verheiratet.
Am 08. Mai 1953 stirbt der 65jährige Künstler bei den Dreharbeiten zu dem Film DER LETZTE WALZER (1953).

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