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Volker Schlöndorff

Volker Schlöndorff
Regie, Drehbuch, Darsteller, Produzent

* 31. März 1939
Wiesbaden
Deutschland

VOLKER SCHLÖNDORFF • Biographie Seite 1/1

Max Frisch, Marcel Proust, Robert Musil, Günter Grass, Heinrich Böll und Michel Tournier heißen die Autoren, aus dessen Stoff die Filme des Regisseurs Volker Schlöndorff sind. Seine Domäne ist verfilmte Literatur, zumindest hat er damit seine größten Erfolge gefeiert: Mehrere Deutsche Filmpreise, die Goldene Palme, den Oscar. Es gelingen ihm eine Handvoll Werke, die den Ton der literarischen Vorlagen treffen und gekonnt filmisch umsetzt sind. Für seinen Film DIE BLECHTROMMEL (1979) erhält er als erster deutscher Regisseur den Oscar für den Besten ausländischen Film zugesprochen.

Volker Schlöndorff wird am 31. März 1939 in Wiesbaden geboren. Sein Vater ist Arzt. Er wächst im Taunus, in Schlangenbad auf. Mit 16 Jahren geht er im Zuge des Schüleraustausch nach Frankreich. Er bleibt länger als geplant, sitzt gemeinsam mit dem späteren Regisseur Bertrand Tavernier auf der Schulbank. Seine Leidenschaft zum Kino entdeckt er in der Cinematheque francaise im Palais Chaillot. Täglich soll er sich dort 3 Filme angeschaut haben. Nach seinem deutschen Abitur, das er in Frankfurt/Main absolviert, besucht er das Institut des Hautes Etudes Cinematographieques (IDHEC) in Paris.

Mit 21 Jahren dreht er seinen ersten Kurzfilm WEN KÜMMERTS? (1960). Er tritt unter dem Psyeudonym Volker Loki auf. Der Film über Algerier in Frankfurt erhält keine Freigabe von der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK), da die Behörde das Freundesland Frankreich zu kritisch behandelt sieht. In der Folge lebt Volker Schlöndorff in Frankreich, arbeitet als Hospitant und Regie-Assistent für verschiedene Regisseure. Bei Louis Malle ist er an dem Film ZAZIE (1960) beteiligt. Er sieht Alain Resnais in LETZTES JAHR IN MARIENBAD (1961) über die Schulter und lernt viele Handwerksregeln bei Jean-Pierre Melvilles-Dreharbeiten zu EVA UND DER PRIESTER (1961). Zudem arbeitet er bei dem Altmeister Ludwig Berger beim Sender Freies Berlin, dreht Reportagen über Algier, die das französische Fernsehen ausstrahlt.

1964 erhält Volker Schlöndorff für sein erstes eingereichtes Drehbuch eine Förderprämie. Danach entsteht DER JUNGE TÖRLESS (1966), eine Adaption des Roman "Die Verwirrungen des Zöglings Törless" (1906) von Robert Musil. Seine Uraufführung erlebt das Erstlingswerk bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes. Der Film erhält zahlreiche Auszeichnungen - unter anderem mehrmals den Deutschen Filmpreis - und macht den Neuen Deutschen Film über die Grenzen des Landes erstmals bekannt.

Danach gehört Volker Schlöndorff zu den wichtigsten Exponenten des deutschen Films. Er dreht MORD UND TOTSCHLAG (1967) mit Anita Pallenberg und Werner Enke. In dem Kriminalfilm erzählt er eine Geschichte über die Naivität. Eine junge Frau erschießt ungewollt ihren Liebhaber und versteckt danach seine Leiche. Auch dieser Film bekommt den Deutschen Filmpreis, unter anderem geht er für die Beste Kamera an Franz Rath. Ihr nächster gemeinsamer Film DER PLÖTZLICHE REICHTUM DER ARMEN LEUTE VON KOMBACH (1971), bereits von der eigenen Produktionsfirma, der Hallelujah-Film GmbH, München produziert, wird ebenfalls mit dem Deutschen Filmpreis für die Beste Regie bedacht. Nach einem Gerichtsprotokoll aus dem Jahr 1825 erzählt der Film vom authentischen Schicksal armer hessischer Bauern, die ihrem Elend entkommen möchten, indem sie einen Geldtransport ihres habgierigen Fürsten überfallen. Doch ihr Glück ist von kurzer Dauer, denn ihr "plötzlicher Reichtum" macht sie schnell verdächtig. Der Film leitet eine Renaissance des Deutschen Heimatfilms ein.

In den 70er Jahre beschäftigt sich der Regisseur vielfach mit dem Motiv der weiblichen Emanzipation. Es entstehen Filme wie DIE MORAL DER RUTH HALBFASS (1971) mit Senta Berger in der Hauptrolle. Sein erfolgreichster Film zum Thema wird DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM (1975), den er gemeinsam mit Margarethe von Trotta realisiert. Die Literaturverfilmung nach der Erzählung von Heinrich Böll gehört zu jenen Filmen des Neuen Deutschen Films, die nicht nur bei den Kritikern sondern auch an den Kinokassen Erfolg haben. Der Film wird zudem international stark beachtet und mit diversen Preisen ausgezeichnet.

Ende der 70er Jahre feiert der Regisseur mit der Günter Grass-Verfilmung DIE BLECHTROMMEL (1979) seinen größten Erfolg. Im Alter von drei Jahren beschließt Oskar nach einem Sturz auf der Kellertreppe, aus Protest gegen die Welt der Erwachsenen sein Wachstum einzustellen. Mit einer blechernen Kindertrommel, die ihn sein Leben lang begleitet, artikuliert er diesen Protest auf seine Weise. Es gelingt dem Regisseur eine sinnlich-kraftvolle Literaturverfilmung, die trotz Kürzungen die epische Breite der Vorlage erreicht. Erstmals erhält ein deutscher Regisseur den Oscar für den Besten ausländischen Film. Mit Francis Ford Coppolas Film APOCALYPSE NOW (1979) teilt er sich die Goldene Palme des Filmfestivals in Cannes.

Nach seinem Erfolg wandert der Regisseur durch die Welt. Er dreht in Israel, Frankreich, später in New York. Hier entsteht unter anderem mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle DER TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN (1985), der mit Golden Globe und Emmy ausgezeichnet wird. Es Folgt EIN AUFSTAND ALTER MÄNNER (1987). Anfang der 90er Jahre kehrt Volker Schlöndorff nach Deutschland zurück und inszeniert HOMO FABER (1991). Mit etwa 1,5 Millionen Zuschauern wird der Film in Deutschland ein Erfolg. Erst sechs Jahre später realisiert er mit DER UNHOLD (1992) eine weitere Literaturverfilmung. Die Michel Tournier-Adaption erringt nicht den erhofften Erfolg. Der Film wird überaus kontrovers diskutiert.

Danach dreht der Regisseur wieder in Amerika. Mit Woody Harrelson und Elisabeth Shue in den Hauptrollen entsteht PALMETTO, ein moderner film noir, eine Reminiszenz an die Gangster- und Privatdetektivfilme der 30er und 40er. Mit DIE STILLE NACH DEM SCHUß (2000) wendet sich Volker Schlöndorff wieder einem typisch deutschen Thema zu. Er verfilmt die Biografie der ehemaligen RAF-Terroristin Inge Viett. Vielen Kritiker bewegt sich der Film zu sehr im Niemandsland; ihm fehlt die Einbindung in das politische Umfeld der 70er Jahre. Trotzdem wird der Film als Bester europäischer Film ausgezeichnet.

Mehrfach arbeitet Volker Schlöndorff auch für das Fernsehen. In der TV-Produktion "Baal" spielt Rainer Werner Fassbinder die Hauptrolle. Er arbeitet an Dokumentationen, zum Beispiel dreht er eine 6teilige TV-Dokumentation über sein Vorbild Billy Wilder. Der Regisseur liefert zudem Drehbuch-Idee für seine Kollegen oder steht als Schauspieler in kleineren Rollen vor der Kamera. Neben seiner Tätigkeit als Filmregisseur ist er auch als Opern-Regisseur tätig. Er inszeniert in Frankfurt/Main, in Berlin (West) klassische Stücke wie etwa "La Boheme" von Giacomo Puccini. Immer wieder ist der Künstler auch politisch aktiv. Er engagiert sich als Delegierter der SPD im Vorstand der Filmförderungsanstalt. Von 1992 bis 1997 ist Volker Schlöndorff Geschäftsführer der Babelsberger Studios in Potsdam.

Seit 1971 ist Volker Schlöndorf mit Margarethe von Trotta verheiratet.

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