Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Henrik Galeen

Henrik Galeen
Regie, Künstlerische Leitung, Drehbuch, Darsteller

* 07. Januar 1881
Berlin
Deutschland
† 30. Juli 1949
Randolph (Vermont)
USA

HENRIK GALEEN • Biographie Seite 1/1

Henrik Galeen ist in den 20er Jahren der Drehbuch-Spezialist des modernen schauerromantisch-makabren Genre; er ist bezaubert vom Märchenhaften und Phantastischen und kann seine Faszination in eindrucksvollen Drehbüchern zum Ausdruck bringen. Er schreibt die Vorlagen für DER GOLEM (1915), NOSFERATU (1922), DAS WACHSFIGURENKABINETT (1924), DER STUDENT VON PRAG (1926) sowie ALRAUNE (1928). Die Filme zählen heute zu den Klassikern deutscher Filmgeschichte und haben maßgeblichen Einfluß auf die Entwicklung verschiedener Stilelemente des Horror-Genres.

Henrik Galeen wird als Heinrich Galeen am 07. Januar 1881 in Berlin geboren. Über seine Herkunft und Lebensdaten gibt es die unterschiedlichsten Angaben. Spekuliert wird, ob er ab 1906 beim Theaterregisseur und -intendanten Max Reinhardt am Deutschen Theater als Assistent arbeitet. Bekannt ist, daß er ab 1910 in kleineren Rollen als Schauspieler auftritt. Später arbeitet er als Regisseur an die Volksbühne. Um 1914 wird er am Deutschen Künstler-Theater tätig.

Kurz vor dem I. Weltkrieg macht Henrik Galeen Bekanntschaft mit dem Film. Gemeinsam mit Paul Wegener schreibt er das Drehbuch zu DER GOLEM (1915). Außerdem führt er Regie und steht als Schauspieler vor der Kamera. Der Film ist heute leider verschollen, gilt aber als einer der ersten bemerkenswerten Filmwerke. Die Filmkarriere Henrik Galeens wird durch den Einberufungsbefehl unterbrochen.

1919 kehrt Henrik Galeen nach Berlin zurück und wird Dramaturg der Messter-Film GmbH; er arbeitet als Drehbuchautor, später auch als Regisseur für die Produktionsfirma. Mit DIE ROLLENDE KUGEL (1919) greift er auf den Roman "Der Spieler" von Fjodor Dostojewski zurück, der unter der Regie von Rudolf Biebrach in Szene gesetzt wird. Der gleiche Regisseur verfilmt nach seinem Drehbuch auch DIE BEIDEN GATTEN DER FRAU RUTH (1919) mit Henny Porten in der Hauptrolle. In der Folge inszeniert Henrik Galeen Lustspiele, Gesellschaftsstücke sowie Dramen im jüdischen Milieu.

1921 legt der Drehbuchautor sein wohl bekanntestes Drehbuch vor. Für Friedrich Wilhelm Murnau hat er den fantastischen Stoff "Dracula" von Bram Stoker bearbeitet, der wegen der nicht vorhandenen Nutzungsrechte den Titel NOSFERATU (1922) erhält. Der Film zählt zu den Klassikern deutscher Filmgeschichte und des Horror-Genre, wird wegen seiner düsteren und schaurigen Bildeffekten gelobt. Sie versetzen das damalige Publikum in Angst und Schrecken; das heutige kann das Grauen nachvollziehen. Henrik Galeen wird in der Folge zum Spezialisten des modernen schauerromantischen und oftmals makabren Genre. Er legt gemeinsam mit Franz Schulz und Leo Birinski das Drehbuch für DAS WACHSFIGURENKABINETT (1924) vor, welches von Paul Leni inszeniert wird. Der Episodenfilm entsteht mit Starbesetzung, unter anderem spielen Emil Jannings, Conrad Veidt und Werner Krauss mit. Mitte der 20er Jahre schreibt der Autor das Drehbuch für ein Remake. Nach der Vorlage von Hanns Heinz Ewers entsteht DER STUDENT VON PRAG (1926). Der expressionistische Film zählt ebenso zu den Horror-Klassikern, gibt einmal mehr dem Mimen Conrad Veidt in einer Doppelrolle die Gelegenheit, seine schauspielerischen Fähigkeiten brilliant darzubieten. Auch mit ALRAUNE (1928) greift der Autor auf eine Vorlage von Hanns Heinz Ewers zurück. Erzählt wird die Geschichte um einen künstlich erzeugten Menschen. Paul Wegener als Professor ten Brinken verfällt seiner Schöpfung Alraune, die von Brigitte Helm verkörpert wird.

Henrik Galeen arbeitet sich auch an anderen Genre ab. Er inszeniert das Kammerspiel STADT IN SICHT (1923) um drei Menschen auf einem Schifferkahn, die durch einen vierten aus der Bahn geworfen werden. Der Film wird damals wie heute hochgelobt; Henrik Galeen schöpft die Codes des stummen Kinos aus. Er arbeitet mit Joe May und Hanns Schwarz zusammen, liefert verschiedene Vorlagen für die Sensationsstreifen des Harry Piel. Henrik Galeen steht auch immer noch vor der Kamera, spielt in Gerhard Lamprechts Film DAS HAUS OHNE LACHEN (1923).

Ende der 20er Jahre geht Henrik Galeen nach Großbritannien. Er inszeniert mit Olga Tschechowa den Kriminalfilm DIE SIEGERIN (1928). Außerdem arbeitet er bei mehreren Filmen mit. 1931 kehrt er zurück nach Deutschland. Sein Freund Harry Piel verfilmt das Drehbuch zu SCHATTEN DER UNTERWELT (1931). Der Film wird zeitgleich in einer französischen Version produziert. Der Spionagefilm SALON DORA GREEN (1933) ist seine letzte Regiearbeit. Henrik Galeen schreibt weitere Drehbücher, unter anderem eine Tonversion des Golem-Stoffs unter dem Titel "Das steinerne Phantom". Aber zu einer Realisierung kommt es nicht, er muß Deutschland nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlassen.

Stationen sind England, ab 1940 lebt der Künstler in den USA. Er verrichtet zum Lebensunterhalt artfremde Arbeit, ist in der Puppenherstellung tätig. Henrik Galeen stirbt am 30. Juli 1949 in Randolph, Vermont.

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 1,16728