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Kurt Bernhardt

Kurt Bernhardt
Regie, Drehbuch, Darsteller

* 15. April 1899
Worms
Deutschland
† 22. Februar 1981
Pacific Palisades (Kalifornien)
USA
andere Namen Curtis Bernhardt

KURT BERNHARDT • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur Kurt Bernhardt ist durch seine Melodramen bekannt geworden. Er inszeniert gekonnt zentrale Frauenfiguren, die von großen Darstellerinnen verkörpert werden: Barbara Stanwyck, Jane Wyman sowie Bette Davis und Joan Crawford. Zudem wird er - wie viele seiner anderen deutschen Exil-Kollegen - zum Mitgestalter des amerikanischen film noir, einer Reihe von Filmen, die mit düsteren Charakteren, zweifelhaften Motiven und dubiosen Handlungen nicht vom Traum Hollywoods sondern vom amerikanischen Alptraum erzählen.

Kurt Bernhardt wird am 16. April 1899 in Worms geboren. Sein Vater ist ein erfolgreicher Kaufmann. Er ist der jüngste Sohn in der Familie, hat noch eine Schwester und einen Bruder. Als der 5 Jahre alt ist, stirbt der Vater. Seine Mutter, eine geb. Gans, eröffnet in Mainz ein Modegeschäft. Kurt Bernhardt besucht in Mainz das Gymnasium, schafft es bis zur Untersekunda. Danach absolviert er eine kaufmännische Lehre. Schon während dieser Zeit beginnt er seine Leidenschaft für das Theater zu entdecken. Seine Einberufung zum Militärdienst verhindert zunächst praktische Erfahrungen. Während seiner Stationierung lehrt er den späteren Schriftsteller und Drehbuchautor Carl Zuckmayer kennen.

Nach dem Ende des I. Weltkrieges beginnt Kurt Bernhardt als Schauspieler am Heidelberger Stadttheater zu arbeiten. Er steht in klassischen Stücken von William Shakespeare und Friedrich Schiller auf der Bühne, ist aber auch in modernen, unter anderem von Frank Wedekind zu sehen. Er nimmt Schauspielunterricht an der Schule für dramatische Kunst in Frankfurt, am Main; tritt später auf Bühnen in Darmstadt und Recklinghausen auf. 1922 kommt der junge Künstler nach Berlin. Hier erhält er ein Engagement am Renaissance-Theater. Er lernt den Regisseur Erwin Piscator kennen, arbeitet mehrfach mit ihm. Zu seinen Freunden zählen der Drehbuchautor Carl Mayer und die Tänzerin und Schauspielerin Valeska Gert. Am Renaissance-Theater führt er auch erstmals Regie.

Mit dem Film kommt Kurt Bernhardt bereits 1919 in Kontakt. Wahrscheinlich spielt er während seiner Zeit in Heidelberg in dem Western BULL ARIZONA DER WÜSTENADLER (1919) unter der Regie von Phil Jutzi mit. Aber zunächst konzentriert sich der Schauspieler auf das Theater. Als er 1924 erstmals Regie bei einem Theaterstück führt - dies zudem überaus erfolgreich - wird ihm die Regie für einen Film angeboten. Bei der links orientierten Prometheus Filmverleih und Vertrieb GmbH, Berlin inszeniert er seinen ersten Film NAMENLOSE HELDEN (1924), einen semi-dokumentarischer Anti-Kriegsfilm. Danach führt der Regisseur bei Spielfilmen Regie. Er inszeniert QUALEN DER NACHT (1926) mit Wilhelm Dieterle und Fritz Rasp. Das Drehbuch zu dem Film liefert Carl Zuckmayer, mit dem Kurt Bernhardt mehrmals zusammenarbeiten wird. Mit DER WAISE VON LOWOOD (1926), den er mit Olaf Fönss und Wilhelm Diegelmann vor der Kamera realisiert, zeigt der Regisseur besonders seine Fähigkeiten für melodramatische Stoffe.

Kurt Bernhardt bleibt bei seinen Spielfilm-Produktionen unabhängig. Er inszeniert für verschiedene Firmen. Mit Unterstützung der katholischen Kirche dreht er den Anti-Abtreibungsfilm KINDERSEELEN KLAGEN AN (1927). Mit dem Drehbuchautor Béla Balázs arbeitet er an DAS MÄDCHEN MIT DEN FÜNF NULLEN (1927). In seinem nächsten Film SCHINDERHANNES (1928) stehen Hans Stüwe, Lissy Arna und Albert Steinrück vor der Kamera. In DIE FRAU, NACH DER MAN SICH SEHNT (1929) gibt er der noch unbekannten Marlene Dietrich ihre erste Hauptrolle.

Seinen ersten Tonfilm dreht der Regisseur für die Universum Film AG (Ufa). Mit Conrad Veidt in der Hauptrolle inszeniert er DIE LETZTE KOMPAGNIE (1930). Auch in seinem nächsten Film DER MANN, DER DEN MORD BEGING (1931) ist der Darsteller Conrad Veidt neben Heinrich George dabei. In Deutschland inszeniert der Regisseur noch einen Film: gemeinsam mit Luis Trenker den nationalbewußten Bergfilm DER REBELL (1932).

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 emigriert der Künstler. Er ist Jude. Zunächst geht er nach Paris. Hier führt er Regie bei der deutsch-französischen Co-Produktion DER TUNNEL (1933). Eine Sondererlaubnis des neu gegründeten Propagandaministeriums unter Minister Joseph Goebbels läßt ihn nochmals in Deutschland drehen. Er wird denunziert und kurz in Haft genommen. Nur mit Glück kann er einer längeren Verhaftung entgegen. Er dreht weitere Filme in Frankreich und Großbritannien, gründet gemeinsam mit seinem Schwager Eugen Tuscherer eine eigene Produktionsfirma. Bald erhält er Angebote von den amerikanischen Produktionsfirmen Warner Bros. und MGM. Nach Ausbruch des II. Weltkrieges verläßt er Europa in Richtung Hollywood.

In Amerika erhält er einen Sieben-Jahres-Vertrag bei Warner Bros. In dieser Zeit dreht er neun Filme, es wird seine produktivste und erfolgreichste Phase. Kurt Bernhardt, der 1946 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhält, nennt sich seit 1940 Curtis Bernhardt. Sein Name steht für gehobene Unterhaltung. Er gilt als "Frauenfilmer", der seinen Erfolg zahlreichen Melodramen und Kostümfilmen mit bekannten weiblichen Stars zu verdanken hat. Er arbeitet unter anderem mit Barbara Stanwyck, Jane Wyman sowie Bette Davis und Joan Crawford. Außerdem zählt der Regisseur zu den Regisseuren, die dem film noir in Amerika ihre Handschrift geben. Er inszeniert KONFIKT (1943), in dem Humphrey Bogart seine Ehefrau ermordet, um ihrer jüngeren Schwester willen, die er begehrt. In ANKLAGE: MORD (1947) kann sich der Kriegsheimkehrer Steven Kenet aufgrund seiner amnesischen Zustände nicht an den Mord an seiner Ehefrau erinnern - und wie sich herausstellt, ist er auch nicht der Mörder gewesen. Als sein Vertrag bei Warner Bros ausläuft, arbeitet der Künstler ohne Probleme für andere Firmen. Bis 1955 entstehen zehn weitere Filme.

Ab den 50er Jahren arbeitet Kurt Bernhardt auch wieder in Europa. Bei der CCC, der Berliner Produktionsfirma des Artur Brauner entsteht ein Lustspiel. In Italien dreht er einen Sandalenfilm. Anfang der 60er Jahre kehrt er nach Amerika zurück und inszeniert dort seinen letzten Film PRINZGEMAHL IM WEIßEN HAUS (1963), eine Komödie um einen amerikanischen Präsidenten.

1936 heiratet der Regisseur die Tänzerin Pearl Argyle, die er bei Dreharbeiten in London kennenlernt. Die Söhne Steven Bernhardt (* 1937) und Tony Bernhardt (* 1947) zählen bald zur Familie. Sein ältester Sohn wird später ebenfalls im Filmgeschäft tätig sein. 1947 stirbt seine Frau. Seine zweite Ehe schließt er 1963 mit der deutschen Schauspielerin Arine-Marie Wickert.

Kurt Bernhardt stirbt am 22. Februar 1981 in Pacific Palisades, Kalifornien.

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