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Gerhard Lamprecht

Gerhard Lamprecht
Regie, Drehbuch, Darsteller

* 06. Oktober 1897
Berlin
Deutschland
† 04. Mai 1974
Berlin
Deutschland

GERHARD LAMPRECHT • Biographie Seite 1/1

Der Regisseur Gerhard Lamprecht hat mit mindestens einem Film Geschichte geschrieben. Sein EMIL UND DIE DETEKTIVE (1931) ist einer der ersten deutschen Jugendfilme. Nach der Uraufführung wird der Film von jung und alt euphorisch gefeiert; er gilt heute noch als Maßstab für alle folgende Verfilmungen des Erich Kästner-Stoffes. Gerhard Lamprecht hat sich auch sonst um den deutschen Film bemüht: Er gilt als Initiator der Gründung der Deutschen Kinemathek, die ab Mitte der 60er Jahre in Berlin (West) als eine der wichtigsten deutschen Film-Initutionen gilt.

Gerhard Lamprecht wird am 06. Oktober 1897 in Berlin geboren. Sein Vater ist Pastor im Gefängnis in Berlin-Tegel. Schon als Kind ist Gerhard Lamprecht filmbegeistert. Er sammelt Filme und Filmprogramme, arbeitet als 13jähriger als Kinovorführer, verkauft mit 17 Jahren sein erstes Filmmanuskript und experimentiert im filmtechnischen Bereich. Nach seinem Abitur 1916 schreibt er sich an der Humboldt-Universität ein, studiert Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte, nimmt nebenbei bei dem Schauspieler Paul Bildt Unterricht. Das Studium bricht er ab, um sich ganz auf die Schauspielerei zu konzentrieren. Er debütiert am Theater des Westens als Horatio in dem William Shakespeare-Stück "Hamlet".

Im Alter von 21 Jahren wird Gerhard Lamprecht in den I. Weltkrieg eingezogen. Er wird verwundet und schreibt im Lazarett weiter an Ideen für Filme. Sein Projekt DER WELTSPIEGEL (1918) wird von Lupu Pick verfilmt. Mit dem Regisseur wird er mehrfach zusammenarbeiten. Unter dem Pseudonym "Pilar" schreiben sie weitere Drehbücher, die dann meistens von Lupu Pick und dessen Rex-Film GmbH in Szene gesetzt werden. Bald übernimmt Gerhard Lamprecht die Funktion des Chefdramaturgen für die Rex-Film GmbH. Er schreibt Drehbücher, mehrmals gemeinsam mit Fanny Carlsen oder Luise Heilborn-Körbitz. Alle Filme mit dem Firmen-Star Bernd Aldor stammen aus seiner Feder.

Ab 1920 beginnt Gerhard Lamprecht als Regisseur zu arbeiten. Sein erster Film wird ES BLEIBT IN DER FAMILIE (1920) mit Paul Heidemann in der Hauptrolle. Seine nächsten Filme dreht er auch als eigenen Produzent. Die Serie "Frauenbeichte", die in drei Teilen mit Ruth Weyher in der Hauptrolle entsteht, wird sein erster großer kommerzieller Erfolg. In der Folge kann sich der junge Regisseur seine Stoffe frei wählen. Mit DIE BUDDENBROOKS (1923) schafft er eine der ersten Thomas Mann-Adaptionen, die wegen ihres Realismus und der wohlüberlegten Charakterzeichnung von der damaligen Presse gelobt wird. Er arbeitet mit Heinrich Zille zusammen und dreht DIE VERRUFENEN (1925), der das Berliner Milieu genau trifft und eine Welle von Berlin-Filmen aus dem Zille-Milieu heraufbeschwört.

Der Erfolg seiner Filme ermutigt Gerhard Lamprecht zur Gründung einer eigenen Produktionsfirma, der Gerhard Lamprecht-Filmproduktion. Hier entstehen Berlin-Filme wie MENSCHEN UNTEREINANDER (1926), Melodramen wie DER KATZENSTEG (1927) oder Preußenfilme wie DER ALTE FRITZ (2. Teile). Mit dem Einzug des Tonfilms hat der Regisseur keine Schwierigkeiten. Mit der Erich Kästner-Adaption von EMIL UND DIE DETEKTIVE (1931) legt er seinen wohl erfolgreichsten Film vor, der heute noch der Maßstab für alle nachfolgende Verfilmungen sein dürfte. An dem Drehbuch arbeitet der junge Billy Wilder mit. Der Film wird nicht nur ein nationaler und internationaler Kassenerfolg, sondern auch von der Kritik als "echter Jugendfilm" bejubelt. Es sind seine Gradlinigkeit und künstlerische Konsequenz, die die Presse lobt; die Zuschauer wiederum lieben die Lebendigkeit und Frische, mit der die jungen Detektive den Moloch Großstadt durchstreifen.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten dreht Gerhard Lamprecht weiter Filme in Deutschland, verlegt sich aber weitesgehend auf Unterhaltungsware. Bis 1945 entstehen 16 Filme. Darunter sind Spionagefilme wie DER HÖHERE BEFEHL (1935) mit Lil Dagover in der Hauptrolle, Literaturverfilmungen wie MADAME BOVARY (MADAME BOVARY Trailer) (1937) oder Melodramen wie FRAU IM STROM (1939). Mit DIESEL (1942) legt der Regisseur dann doch noch einen Film vor, der die damals übliche Heldenverehrung nicht leugnen kann.

Nach dem Ende des II. Weltkriegs gehört Gerhard Lamprecht zu den ersten Regisseuren, die wieder Filme drehen. Mit IRGENDWO IN BERLIN (1946), der für die DEFA entsteht, dreht er den zweiten deutschen Film nach dem Krieg. Er erzählt die Geschichte einer Gruppe von Kindern, die den Trümmerhaufen der Stadt zum Abenteuerspielplatz erklären. Erst als ein folgenschwerer Unfall geschieht, beginnt für den orientierungslosen, heimgekehrten Vater ein Neuanfang. Mit dem Film kann Gerhard Lamprecht an seine künstlerischen Erfolge anküpfen. Die nachfolgenen Filme können dies nicht mehr. Mit OBERWACHTMEISTER BORCK (1955) legt er seinen letzten Film in Westen Deutschlands vor.

Ab Mitte der 50er Jahre beschäftigt sich Gerhard Lamprecht mit deutscher Filmgeschichte. Seine über Jahre gesammelten Materialien zum deutschen Film wertet er aus. 1962 erwirbt der Senat von Berlin seine Sammlung, sie bildet den Grundstock für die Deutsche Kinemathek e.V., die später in Stiftung Deutsche Kinemathek umgebildet wird und heute im Filmhaus am Potsdamer Platz mit dem Filmmuseum Berlin eine Ausstellungsfläche gefunden hat. Bis 1966 leitet Gerhard Lamprecht die Deutsche Kinemathek. Ihm ist das 10-bändige Standardwerk zum Deutschen Stummfilm zu verdanken, in dem er die Filme erstmals akribisch aufführt. 1967 wird der Künstler mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Gerhard Lamprecht stirbt am 04. Mai 1974 in Berlin.

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