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Oskar Messter

Oskar Messter
Regie, Sprecher, Produzent

* 21. November 1866
Berlin
Deutschland
† 06. Dezember 1943
Tegernsee
Deutschland

OSKAR MESSTER • Biographie Seite 1/1

Oskar Messter ist der Mann der ersten Stunde. Als einer der ersten hat der Filmemacher Gerätschaften wie Projektionsgeräte, Kameras oder Objektive für das neue Medium Film entwickelt. Er gründet die Messters Projektion GmbH, Berlin und ist seitdem vieles in Personalunion: Regisseur, Erfinder, Produzent, Filmverleiher, Finanzier oder auch Entdecker von Schauspieltalenten wie Henny Porten. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gehört er zu den wichtigsten Männern im deutschen Filmgeschäft.

Oskar Messter wird am 21. November 1866 in Berlin geboren. Seine Familie ist seit Jahrzehnten dem traditionellen Optiker-Handwerk, der Herstellung optischer und mechanischer Geräte, verbunden. Nach dem Abschluss des Gymnasiums und einer Ausbildung an einer Gewerbeschule geht er bei seinem Vater Eduard Messter in die Lehre. Mit 29 Jahren übernimmt er das Labor seines Vaters.

1893 macht Oskar Messter die Bekanntschaft mit den lebenden Bildern von Ottomar Anschütz. Derart fasziniert, baut er 1896 seinen ersten Filmprojektor "Kinetograph". Er vervollkommnet das Malteserkreuz. Mit dieser Entdeckung ist eines der wichtigsten Elemente des ruckweisen Filmtransports gefunden. In der Folge baut und verkauft Oskar Messter Aufnahmekameras und Projektoren, die er über Jahre hinweg immer wieder verbessert. Selbst für die notwendigen Filmentwicklungs- und Filmkopier-Laboratorien erfindet er eine Reihe von Einrichtungen, Geräten und Maschinen, die das Entwickeln und Kopieren von längeren Filmen überhaupt erst ermöglichen.

Sein Erfindungsreichtum ist ungebrochen. Bereits 1898 kann seine Firma einen 100-seitigen Katalog mit Angeboten aus seiner Kamera- und Projektoren-Produktion vorlegen. 1903 verbindet er Filmprojektoren mit dem damaligen Grammophon zu einem Bild-Ton-Gerät. Mit den "Biophonen" hat er Erfolg. Seine Tonbilder werden auf der ganzen Welt gezeigt. Viele seiner Entwicklungen entstehen während des Ersten Weltkrieges; sind unmittelbar aus militärischen Notwendigkeiten entstanden. Um aus Flugzeugen Reihenbilder aufzunehmen, entwickelt er Spezialkameras, die er später für kartographische Vermessungen verbessert. Film soll neben militärischen auch wissenschaftlichen Zwecken dienen, deshalb entwickelt er Zeitlupenkameras und Vorrichtungen für mikroskopische Aufnahmen. Ebenso will er Filme in Farbe sehen, arbeitet an Trickfilmproblemen und Erfindungen für den plastischen Film.

Neben seinen Arbeiten als Erfinder und Entwickler vergisst er aber die anderen Bereiche des Films nicht. Kurz vor Ende des alten Jahrhunderts beginnt Oskar Messter selbst Filme herzustellen. Er gründet die Messters Projektion GmbH, die mehrere Jahrzehnte die führende Filmproduktionsfirma in Deutschland sein wird. Er führt seine Filme auch in einem eigens dafür eingerichteten Etablissement, dem "Biorama", einem gehobenen Berliner Publikum vor. Unter den Linden 21 im Restaurant "Wilhelmshallen" kommt es seit April 1986 zu regelmäßigen Vorführungen. Da Oskar Messter massenhaft Projektoren verkauft und immer wieder zahlreiche nachbestellt werden, sind seine Filme bald die Attraktionen unzähliger Varieté-Abende in ganz Deutschland.

In seinen eigenen Ateliers - dem ersten Kunstlichtatelier - in der Berliner Friedrichstraße stellt er seit November 1896 Ein- und Zweiakter her. 1904 setzt die Messters Projektion GmbH ihre Tätigkeit in einem Glasatelier fort. Bereits als weitsichtiger Geschäftsmann bekannt, vereinigt Oskar Messter alle am Film beteiligten Produktionseinheiten unter einem Dach in der Berliner Blücherstraße 32-34: Glasatelier, Kopier-, Kostüm- und Tischlereiwerkstätten sowie die Produktions- und Verleihbüros.

Außerdem dreht die Firma auch die ersten Wochenschauen, die aktuelle Ereignisse zeigen. Beliebtes Sujets ist die Kaiserfamilie um Wilhelm II. Er selbst meldet sich als fast 50-jähriger freiwillig zum Ersten Weltkrieg und wird in der Presseabteilung des Generalstabs beschäftigt. Er arbeitet Zensurbestimmungen für die Kriegsberichterstattung aus. Grundregel Nr. 1: Patriotisch müssen die Beiträge sein. Als Vorbild dient die "Messter-Woche" mit ausführlichen Kriegsberichten. Die Messters Projektion GmbH darf während des Ersten Weltkrieges exklusiv von der Westfront berichten in eigens dafür hergerichteten Kriegskinos. Für seine erfolgreichen Arbeiten erhält der Filmemacher das Eiserne Kreuz II. Klasse.

Die Messters Projektion GmbH bestimmt über mehrere Jahre die künstlerische Produktion in Deutschland. Oskar Messter erfindet den ersten Star des deutschen Films Henny Porten und beweist auch hier wieder Geschäftssinn, weil er mit ihr einen Exklusiv-Vertrag abschließt. Regisseure wie Carl Froelich und Robert Wiene beginnen beim ihm ihre künstlerische Laufbahn. Bühnen-Schauspieler wie Emil Jannings und Werner Krauss verdienen sich ihre ersten Film-Groschen bei der Messters Projektion GmbH. Es wird vermutet, dass Oskar Messter zwischen 1896 und 1917 mehrere tausend Filme produziert hat. Davon sind wahrscheinlich 350 Spielfilme. Hochgeschätzt sind vielleicht ein Viertel davon heute erhalten, verteilt in den Filmarchiven auf der ganzen Welt.

1918 verkauft Oskar Messter seinen Konzern an die neugegründete Ufa. Damit wird aber auch seine eigene Karriere beendet. Er wird mit hohem Jahresgehalt als technischer Beirat eingesetzt. Bis 1930 bleibt der Namenszug der Messter Film bestehen, obwohl er nicht wirklich an der Produktion von Filmen direkt beteiligt ist. 1936 legt er seinen Autobiografie unter dem Titel "Mein Weg mit dem Film" vor.

Oskar Messter stirbt am 07. Dezember 1943 in seinem Haus am Tegernsee.

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