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Roland Gräf

Roland Gräf
Regie, Drehbuch, Szenarium, Kamera, Kamera-Assistenz

* 13. Oktober 1934
Meuselbach (Thüringen)
Deutschland

ROLAND GRÄF • Biographie Seite 1/1

Roland Gräf gehört zu den wichtigsten Autorenfilmern der DEFA. In den 70er und 80er Jahren dreht er eine Handvoll Filme, die sich durch ihre Nähe zur sozialen Realität auszeichnen. Dabei orientiert sich der Regisseur, der als Kameramann seine Filmkarriere beginnt, am dokumentarischen Stil, ohne daß dieser den Figuren übergestülpt wird. Roland Gräf erfaßt seine Figuren psychologisch genau, legt Wert auf soziale und psychologische Genauigkeit, bringt seine Schauspieler zu Höchstleistungen.

Roland Gräf wird am 13. Oktober 1934 in Meuselbach, in Thüringen geboren. Sein Vater ist Holzarbeiter. Nach der Grundschule beginnt er eine Ausbildung als Industriekaufmann. 1952 geht er nach Jena und studiert dort für zwei Jahre an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät, danach folgt ein Studium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, Fachrichtung Kamera. Dort dreht er mehrere Hochschul-Kurzfilme.

Ab 1960 beginnt Roland Gräf als Kameramann beim DEFA-Studio für Dokumentarfilme zu arbeiten. Ein Jahr später wechselt er zur Spielfilmproduktion. Er arbeitet vorwiegend mit jungen Regisseuren zusammen, steht unter anderem hinter der Kamera bei Erwin Stranka, Herrmann Zschoche. Der dokumentarische Stil von Roland Gräf wird geschätzt. Es folgen Arbeiten mit Frank Vogel und Lothar Warneke. Damit gehört der Kameramann zur neuen Künstler-Generation bei der DEFA, die sich um Gegenwartsstoffe bemühen und sich offen mit Problemen in der DDR auseinandersetzen wollen. Dies führt auch zu Verboten. Das Spielfilm-Debüt JAHRGANG 45 (1965) von Jürgen Böttcher kommt erst 25 Jahren später in die Kinos. Der Film ist wegen seiner realitätsnahen Sicht auf das Leben im Prenzlauer Berg bedeutsam.

1970 inszeniert der Kameramann seinen ersten eigenen Spielfilm. In MEIN KLEINER ROBISON (1970) erzählt er die Geschichte eines 19jährigen Jungen, der als Krankenfahrer arbeitet und seinem Vater den Enkel verschweigt. Es geht dem Regisseur darum, einen Charakter genau zu erfassen. Nach diesem Film konzentriert sich Roland Gräf auf seine eigenen Filme. Er wird einer der wichtigsten und erfolgreichsten Regisseure der DEFA. Bei BANKETT FÜR ACHILLES (1975) setzt er den bekannten Schauspieler Erwin Geschonneck in Szene und dreht einen der wenigen, wirklichen Arbeiterporträts der DDR. Der Schauspieler spielt Karl Achilles, einen 65jährigen Arbeiter, der nun in Rente gehen muß und darüber nicht besonders glücklich ist. Gelobt wird, daß der Regisseur keine Heldengeschichte erzählt; es stehen nicht die offiziellen Huldigungen im Vordergrund.

In DIE FLUCHT (1977) ist der Hauptdarsteller Armin Mueller-Stahl, der einen Arzt spielt. Da dessen geplantes Forschungsprojekt in der DDR scheitert, will er in den Westen flüchten. Als sich die Situation ändert und er bleiben will, wird der Mediziner von den Fluchthelfern erpreßt, später ermordet. Der Film stößt auf Kritik, weil er Klischees aufgreife. Der nächste Film von Roland Gräf wird P.S. (1978). Hier erzählt er nach einem Szenarium von Helga Schütz die Geschichte einiger Jugendlicher um den Kraftfahrer Peter. Der kommt aus dem Heim und muß lernen, sich allein zu behaupten. Der Film erhält zahlreiche Auszeichnungen auf Filmfesten in Ost wie West.

Mit dem Werk MÄRKISCHE FORSCHUNGEN (1981) kann Roland Gräf den Erfolg wiederholen. Nach der Erzählung von Günter de Bruyn, schildert er die Auseinandersetzung zwischen dem kleinen und unbedeutenden Landschullehrer Pötsch und dem erfolgreichen Literaturprofessor Menzel um den vergessenen märkischen Dichter, Max von Schwedenow. Der Filmstoff stellt Fragen, thematisiert Autoritäten, prangert Opportunismus und politische Manipulation an. Die geistvolle, psychologisch genau gezeichnete Komödie wird zur Parabel auf die DDR, in der Resignation, Unterwürfigkeit und Feigheit gegenüber den Mächtigeren zum Leben gehören. MÄRKISCHE FORSCHUNGEN (1981) wird als bester DEFA-Film des Jahres 1982 ausgezeichnet.

Mitte der 80er Jahre legt Roland Gräf mit DAS HAUS AM FLUß (1985) einen weiteren Film vor, der nationale wie internationale Aufmerksamkeit erzielt. Nach einer Erzählung von Friedrich Wolf untersucht der Regisseur die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf dem Alltag. Geschildert wird das Leben von vier Frauen, die gemeinsam in einem Haus leben, den Krieg als unvermeidlich hinnehmen und das Beste aus ihrem Leben machen wollen. In dem psychologische genau gezeichneten Film brillieren bekannte DDR-Darstellerinnen, unter anderem Katrin Saß und Corinna Harfouch, Jutta Wachowiak und Johanna Schall. 1986 wird der Regisseur mit dem Nationalpreis II. Klasse ausgezeichnet.

Auch sein nächster Film wird vielbeachtet. FALLADA - LETZTES KAPITEL (1987) erzählt die letzten Jahre des Schriftstellers Hans Fallada, in dessen Rolle der Schauspieler Jörg Gudzuhn überzeugt. Nach dem Zusammenbruch der DDR inszeniert der Regisseur nach dem Roman von Christoph Hein den Film DER TANGOSPIELER (1990). Hier wird von einem Historiker berichtet, der Ende der 60er Jahre wegen eines 'staatsverleumderischen' Kabarettprogramms für 22 Monate in Haft geht. Aus dem Gefängnis entlassen, findet er nicht wirklich zurück ins alte Leben, zum Schluß arrangiert er sich. Roland Gräf erhält den Bundesfilmpreis, sein Hauptdarsteller Michael Gwisdek den Preis als Bester Darsteller. Mit DIE SPUR DES BERNSTEINZIMMERS (1992) inszeniert der Regisseur seinen letzten Kinofilm, der zugleich einer der letzten DEFA-Filme wird.

In der Bundesrepublik kann der Regisseur seine Projekte für Kinofilme nicht mehr durchsetzen. Sein Drehbuch "Heimat, süße Heimat" über das Schicksal einer deutschen Kommunistin in den Stalinschen Straflagern findet keine Geldgeber. Auch die Liebesgeschichte zwischen einem russischen Soldaten und einer deutschen Krankenschwester gegen Ende des II. Weltkrieges kommt nicht auf die Leinwand. Was bleibt, ist der Bildschirm. Roland Gräf inszeniert einen TV-Film und zwei Teile der Serie "Faust".

Der Regisseur hat sich vor 1989 als Vorsitzender des Künstlerischen Rats der DEFA um Qualität der Produktion bemüht und ist für junge Filmemacher eingetreten. Heute engagiert er sich im Vorstand der DEFA-Stiftung, die sich für die Pflege und Bewahrung des ostdeutschen Filmerbes einsetzt.

Roland Gräf ist mit der Drehbuch-Autorin Christel Gräf verheiratet. Die Familie, zu der noch zwei Töchter gehören, lebt in Potsdam-Babelsberg.

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