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Veit Harlan

Veit Harlan
Regie, Drehbuch, Darsteller, Produzent

* 22. September 1899
Berlin
Deutschland
† 13. April 1964
Capri
Italien

VEIT HARLAN • Biographie Seite 1/1

Veit Harlan ist einer der umstrittensten deutschen Regisseure. Er dreht den perfiden Propagandafilm JUD SÜß (1940) und den monumentalen Durchhaltefilm KOLBERG (1945). Bedingungslos stellt er sich in den Dienst der nationalsozialistischen Machthaber, wird als "des Teufels Regisseur" betitelt. Zugleich ist er ein Regisseur, der gekonnt mit großartigen Schauspielern melodramatische Stoffe in Szene setzen kann.

Veit Harlan wird am 22. September 1899 in Berlin geboren. Sein Vater ist der Bühnenschriftsteller Walter Harlan, seine Mutter eine adoptierte Boothby. Durch den Beruf seines Vater animiert, will Veit Harlan schon seit seiner Kindheit eine künstlerische Laufbahn einschlagen. Bereits während seiner Schulzeit tritt er als Statist am Deutschen Theater und an den Kammerspielen auf. Aber zunächst absolviert er nach seinem Abitur eine Berufsausbildung: Er wird Silberschmied. Danach nimmt er Schauspielunterricht am Max Reinhardt-Seminar. Um 1915 erhält er erste Engagements an Berliner Theatern. Außerdem wirkt er auch als Statist beim Film mit, bleibt aber meistens ungenannt. 1916 meldet er sich freiwillig zum Militärdienst, wird an der Westfront in Frankreich stationiert.

Nach dem Ende des I. Weltkrieges arbeitet Veit Harlan zunächst als Schauspieler an der Berliner Volksbühne. Für die Spielzeiten 1922/1923 verschlägt es ihn kurz ans Landestheater Meiningen in Thüringen, bis er ab 1924 über zehn Jahre lang zum festen Ensemblemitglied am Berliner Staatstheater wird. Unter der Regie von Jürgen Fehling, Erwin Piscator, Erich Engel und Ernst Legal wird er ein angesehener Darsteller. Ab 1926 übernimmt der Schauspieler auch kleiner Nebenrollen in Filmen. Sein erste Rolle gibt ihm Ludwig Berger in dem Streifen DER MEISTER VON NÜRNBERG (1927). Er arbeitet auch als Synchronsprecher.

Nach der Machtergreifung im Januar 1933 bekennt sich Veit Harlan im März in einem Interview mit dem Völkischen Beobachter zur Politik der Nationalsozialisten. 1934 wechselt er seine Spielstätte und geht zum Theater am Schiffbauerdamm, wo er auch erstmals Regie bei dem Stück "Krach im Hinterhaus" führt. Er erhält die Möglichkeit, dieses auch für den Film zu adaptieren. KRACH IM HINTERHAUS mit Henny Porten in der Hauptrolle wird sein erste Film als Regisseur und zugleich ein Erfolg. Danach wechselt Veit Harlan die Branche, arbeitet zwar noch gelegentlich als Filmschauspieler, wird aber in der Folgezeit zu einem der wichtigsten Filmregisseure des nationalsozialistischen Deutschlands.

Veit Harlan macht seit 1934 mit weiteren Adaptionen von Lustspielen, auch von Vorlagen seines Vaters, auf sich aufmerksam. Seine Arbeiten sind routiniert, mit geringen Budget produziertes, unterhaltsames Kino. Ab 1937 wendet er sich dem Melodrama zu, einem Genre, in dem er seine größten Publikumserfolge erzielen wird. Seine bevorzugte weibliche Darstellerin wird Kristina Söderbaum. Mit Filmen wie JUGEND (1938), VERWEHTE SPUREN (1938), DAS UNSTERBLICHE HERZ (1938) oder DIE REISE NACH TILSIT (1939) zählt das Team Harlan - Söderbaum, zu dem meistens noch der Kameramann Bruno Mondi gehört, zu den damaligen Spitzenverdienern. Mit den melodramatischen und teils monumentalen Bildern unterstützen sie - ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt - die NS-Propaganda.

Die Aufmerksamkeit des Propagandaministerium erringt Veit Harlan mit seinem Film DER HERRSCHER (1937), den er mit dem Schauspieler Emil Jannings und unter dessen künstlerischer Leitung, realisiert. Joseph Goebbels lobt den Film, da er das Führerprinzip filmisch gekonnt umgesetzt sieht. Veit Harlan wird als Regie-Neuentdeckung gefeiert; er erhält den nationalen Filmpreis. Da der Regisseur zudem durch geschickte Massen-Inszenierungen dem Propagandaminister im Gedächtnis bleibt, erhält er den Auftrag für den Propagandafilm JUD SÜß (1940). Der Film wird zum propagandistischen Hetzfilm, der von den Nationalsozialisten als erfolgreichster Film mit eindeutig antisemitischer Tendenz gefeiert wird. Geschickt baut der Regisseur antisemitische Elemente in die handwerklich gekonnt inszenierte, historische Handlung ein. Erzählt wird die Geschichte des Juden Süß Oppenheimer, der zum Berater des Herzogs von Württemberg aufsteigt - allerdings entspricht sie in der Veit Harlan-Fassung nicht der historischen Wahrheit. Der Film wird der bis dahin größte Erfolg des Regisseur. Er wird von SS-Kommandos Teilen der Bevölkerung im Osten gezeigt, um zur Unterstützung der Deportationen von Juden in Konzentrationslager zu animieren.

In der Folge wird Veit Harlan zum bevorzugten Regisseur des Regimes; zum 25. Jubiläum der Universum Film AG (Ufa) zum Professor ernannt. Er inszeniert weitere Propagandafilme wie DER GROSSE KÖNIG (1942) mit Otto Gebühr in der Hauptrolle. Hier wird Patriotismus, Pflichterfüllung und nationale Opferbereitschaft glorifiziert. Mit dem Film DIE GOLDENE STADT (1941) sowie der Theodor Sturm-Verfilmung IMMENSEE (1943) und OPFERGANG (1944) wählt der Regisseur und Drehbuchautor zwar keine eindeutig propagandistischen Themen aus, aber Todessehnsucht, Ausweglosigkeit und Opferbereitschaft spiegelt sich auch in diesen hochgradig melodramatischen Stoffen. Die Filme zählen zu den größten Erfolgen im nationalsozialistischen Deutschland.

Mit KOLBERG (1945) inszeniert der Regisseur den letzten Durchhaltefilm, der vier Monate vor der Kapitulation in der eingeschlossenen Atlantikfestung La Rochelle zur Uraufführung kommt. Mit einer Durchhalteparole versehen, sind die Filmrollen per Fallschirm über der Stadt abgeworfen worden. Der Film ist mit cirka 8,5 Millionen Reichsmark die bis dahin teuerste Produktion der deutschen Filmgeschichte. Der Regisseur erhält vorbehaltlose Unterstützung. In aufwendigem Agfacolor und mit enormem Menschen- und Materialaufwand (unter anderem stellt die Wehrmacht etwa 5000 Mann für die Massenszenen zur Verfügung) erzählt KOLBERG (1945), wie eisernes Durchhalten auch in scheinbar aussichtsloser Situation letztlich zum Erfolg führt.

Nach dem Ende des II. Weltkrieg wird dem Regisseur seine Parteinahme für die Nationalsozialisten und die Herstellung von eindeutigen antisemistischen und propagandistischen Durchhalte-Filmen vorgeworfen. Mehrere Male wird der Regisseur vor Gericht gestellt. In seinem Entnazifierungsverfahren wird er als "Entlasteter" eingestuft. In zwei Prozessen 1949 und 1950 wird er aufgrund seiner Regie zu JUD SÜß (1940) wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" angeklagt. In beiden Fallen wird er freigesprochen; eine Mitschuld an der Judenvernichtung ist ihm nicht nachzuweisen. Veit Harlan streitet den Vorwurf des Antisemitismus an und behauptet, er wäre seitens des Propagandaministeriums gezwungen worden, JUD SÜß (1940) zu drehen. Zunächst verdient der Regisseur mit Theaterinszenierungen unter Pseudonym sein Geld. Ab 1950 kann der Regisseur wieder arbeiten. Die Uraufführungen seiner Filme sind häufig mit Demonstrationen gegen den Regisseur verbunden. Es wird zum Boykott seiner Filme aufgerufen.

Mitte der 1950er Jahre hat sich der Regisseur in der bundesdeutschen Filmlandschaft wieder etabliert. Er dreht noch mehrere Filme mit Kristina Söderbaum in den Hauptrollen, unter anderem DIE BLAUE STUNDE (1952), STERNE ÜBER COLOMBO (1953), VERRAT AN DEUTSCHLAND (1954) und DAS DRITTE GESCHLECHT (1957). Mit seinem Film ANDERS ALS DU UND ICH (1957) erlangt der Regisseur nochmals eine große Öffentlichkeit. Der Film diskriminiert Homosexuelle; Kritiker sehen in ihm "ein spätes Abfallprodukt faschistischer Gesinnung".

Veit Harlan ist dreimal verheiratet. Seine erste Ehe schließt er 1919 mit der Schauspielerin Dora Gerson. Die Ehe scheitert. 1929 heiratet er die Schauspielerin Hilde Körber. Zur Familie gehören bald drei Kinder. Thomas Harlan (geb. 1929) wird später als Filmregisseur arbeiten. Maria Körber wird wie ihre Mutter Schauspielerin, das jüngste Mädchen Susanne Körber schlägt keine künstlerische Laufbahn ein. 1939 verlässt er seine Familie, um die schwedische Schauspielerin Kristina Söderbaum zu heiraten. Die Kinder Kristian Veit Harlan und Caspar Veit Harlan werden 1939 und 1946 geboren. Caspar Veit Harlan wird später als Filmregisseur arbeiten.

Am 13. April 1964 stirbt der Regisseur auf Capri (Italien). Zwei Jahre nach seinem Tod erscheint seine Autobiografie "Im Schatten meiner Filme".

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