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Werner Bergmann

Werner Bergmann
Drehbuch, Kamera, Kamera-Assistenz

* 14. Januar 1921
Niederkaina (Bautzen)
Deutschland
† 25. Oktober 1990
Potsdam
Deutschland

WERNER BERGMANN • Biographie Seite 1/1

Werner Bergmann ist einer der wichtigsten Kameramänner der DEFA. Überliefert ist sein persönliches Credo: "Ich wollte nicht viele Filme gut fotografieren, sondern einige gute Filme richtig fotografieren." Das hat er geschafft. Insbesondere mit dem Regisseur Konrad Wolf verbindet ihn eine über 25 Jahre währende, ausnehmend kreative Arbeitsbeziehung. An zwölf Filmen arbeiten sie gemeinsam, schaffen einige der wichtigsten und künstlerisch wertvollsten Arbeiten der DEFA.

Werner Bergmann wird am 14. Januar 1921 in Niederkaina, in der Nähe von Bautzen, geboren. Sein Vater verdient seinen Lebensunterhalt als Tischer, die Mutter arbeitet als Köchin. Zur Familie gehört noch sein jüngerer Bruder Helmut Bergmann, der später ebenfalls als Kameramann tätig sein wird. Als er 10 Jahre alt ist, zieht die Familie nach Dresden. Hier schließt er seine Schulausbildung ab und beginnt im Alter von 14 Jahren eine Lehrausbildung als Porträt- und Industriefotograf. Nach seinem Facharbeiterbrief erhält er eine Anstellung als Laborgehilfe, Beleuchter und Kamera-Assistent bei der Industrie- und Werbefilmproduktion Boehner-Film. Auch sein späterer Kollege Richard Groschopp ist hier tätig.

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs endet seine Karriere bei der Boehner-Film. Mit 18 Jahren wird er eingezogen. Werner Bergmann wird als Kameramann in der Propagandakompagnie der Wehrmacht eingesetzt. Er dreht an der Westfront, produziert Bilder im Südosten Europas und ist auch an der Ostfront in der Sowjetunion tätig. 1943 wird Werner Bergmann verwundet. Sein rechter Arm wird amputiert. Nach seiner Genesung arbeitet er als Kameramann in der Kulturfilm-Abteilung der Ufa.

Als im Frühjahr 1945 der Zweite Weltkrieg beendet ist, befindet sich Werner Bergmann in Potsdam. Er beginnt als freischaffender Fotograf zu arbeiten. Erste Filmaufnahmen macht er mit einer gefundenen ARRI-Kamera. Das gedrehte Material montiert er zu dem Kurz-Dokumentarfilm EIN KLEINES WUNDERWERK (1947), in dem die Uhr die Hauptrolle spielt. Werner Bergmann erklärt die Funktionsmechanismen verschiedener Uhrentypen und gibt einen Rückblick auf die Geschichte der Uhr. Kurz nach der Gründung der DEFA arbeitet er beim DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme. Bis 1953 fotografiert er dort Dokumentationen und Kurzfilme, unter anderem für die jungen Regisseure Heiner Carow und Gerhard Klein. Es entsteht auch ein Kurz-Dokumentarfilm unter seiner Regie: ZURÜCK INS LEBEN (1948) schildert die Wiedereingliederung von Kriegsversehrten in den Arbeitsprozeß.

1953 folgt Werner Bergmann dem Ruf des DEFA-Studios für Spielfilme. Als Kameramann ist seine erste Produktion DAS KLEINE UND DAS GROßE GLÜCK (1953) unter der Regie von Martin Hellberg. Bereits mit seiner zweiten Arbeit erringt er Aufmerksamkeit. Für ALARM IM ZIRKUS (1954) arbeitet das Filmteam um Regisseur Gerhard Klein, Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase und Kameramann mit Laiendarstellern an Originalschauplätzen. Gemeinsames Ziel ist es, Berlin realistisch und detailliert ins Bild zu setzen. Werner Bergmann filmt mit kurzen Brennweiten. Außerdem greift der Kameramann nicht zu weichzeichnendem Spielfilmmaterial, sondern verwendet grobkörniges, sensibles Ultrarapid, welches damals eher für Wochenschauen verwendet wird. So entstehen stark konturierte Schwarz-Weißbilder, authentische, dokumentarische Szenen, die sich an den italienischen Neorealismus anlehnen.

Danach beginnt seine intensive Zusammenarbeit mit dem Regisseur Konrad Wolf. An zwölf Filmen arbeiten sie gemeinsam und in den meisten Fällen werden ihre Werke wegen ihrer stilistischen Außergewöhnlichkeit zu nationalen und internationalen Erfolgen. Bereits bei dem ersten Konrad Wolf-Film EINMAL IST KEINMAL (1955) arbeiten sie zusammen, einem farbenfrohen Heimatfilm. Mit GENESUNG (1956) schaffen sie einen Film, mit dem sie erstmals Aufmerksamkeit erringen. Bei LISSY (1957) arbeitet Werner Bergmann stellenweise mit zwei Kameras, damit um so eindringlichere Bilder zustande kommen. Gemeinsam mit dem Regisseur und dem Szenenbildner Alfred Hirschmeier entwirft er für STERNE (1958) erstmals ein optisches Drehbuch. Jede der Kameraeinstellungen wird vorher ausgedacht, die Fahrten genau geplant. So werden viele der Bilder zu Sinnbildern. Auch in SONNENSUCHER (1958), der im Wismut-Uranbergbau spielt, gelingen dem Kameramann kontrastreiche, hervorragend ausgeleuchtete Schwarz-Weißbilder, die in der Tradition expressionistischer Kamerakunst der 20er Jahre stehen. Ähnliches gelingt in PROFESSOR MAMLOCK (1960), wo Werner Bergmann mit der Kamera ausdrucksvolle und überzeugende Szenenfolgen schöpft. In DER GETEILTE HIMMEL (1964) erprobt er erstmals das Breitwand-System Totalvision. Obwohl der Kameramann von dem neuen Verfahren nicht ganz überzeugt ist, gelingen ihm verdichtete und überaus plastische Bilder. In ICH WAR NEUNZEHN (1967) findet der Kameramann leise, vertiefte und schlichte Bilder für die Stimmung des jugendlichen Protagonisten am Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Bilder zeigen eine realistische Atmosphäre kurz vor und nach der Kapitulation, schildern die Situation ohne Pathos und Rührseligkeit.

Auch beim ersten DEFA-Film im 70mm-Format, deren Kamera auf eigenem 70mm-Orwocolor-Negativmaterial eigens in Potsdam-Babelsberg entwickelt wurde, steht Werner Bergmann hinter der Kamera. Er dreht den Film DEFA 70 (1970), bei dem er auch als Regisseur und Drehbuchautor fungiert. Der Film ist eine Dokumentation der Möglichkeiten, die die neue Technik bereithält. Der Kameramann verknüpft Natur- mit Studioaufnahmen, erprobt Farben und den 6-Kanal-Magnetton.

In seiner nächsten Arbeit mit Konrad Wolf, dem opulenten Werk GOYA (1970) nach der Vorlage von Lion Feuchtwanger, nutzt er bereits brillant die neue Technik. Der Film, produziert in deutsch-sowjetischer Co-Produktion, wird durch seine Schauwerte, die Starbesetzung und die metaphorischen Bilder zu einem internationalen Erfolg. Danach entsteht DER NACKTE MANN AUF DEM SPORTPLATZ (1974), der zwar thematisch ebenfalls auf das Künstler-Sujet zurückgreift, aber mit Geschichte und Bildern wieder leise, stille Töne anschlägt. Ihre letzte gemeinsame Arbeit wird MAMA, ICH LEBE (1976), in dem der Kameramann nochmals kontrastreiche Schwarz-Weißbilder filmen kann.

Seit Ende der 70er Jahre fungiert er auch als Regisseur. Unter seiner Regie entsteht NACHTSPIELE (1979), eine Geschichte, die zwei unterschiedliche Paare in einem Potsdamer Hotel zusammenführt. Nochmals arbeitet er als Regisseur bei dem Kinderfilm DIE DICKE TILLA (1981). Einfühlsam schildert er die Geschichte der kleinen Anne, die neu in einer Klasse, der tonangebenden Tilla Paroli bietet. Erst als sie in eine Notlage gelangen, entdecken sie ihre Freundschaft füreinander. Der Film ist ein Plädoyer für Toleranz und Freundschaft.

Seit den 60er Jahren arbeitet Werner Bergmann wiederholt für das Fernsehen der DDR. Als Moderator der zweckvollen und publikumswirksamen TV-Serie "Greif zur Kamera, Kumpel!" mobilisiert er das Amateurfilmschaffen der DDR, gibt neben anderen prominenten Filmschaffenden wie zum Beispiel Karl Gass, Tausenden Film- und Fotoamateuren Tips für ihr Hobby. Nach über 50 Folgen wird die Sendung 1965 abgesetzt.

Neben seiner Filmtätigkeit beschäftigt sich Werner Bergmann praktisch und theoretisch mit der Standfotografie. Er veröffentlicht zahlreiche Texte zu foto- und filmtechnischen Problemstellungen. Zudem ist er über Jahre als Dozent an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg beschäftigt. Seit Mitte der 80er Jahre schreibt Werner Bergmann an einer Materialsammlung mit dem Titel "Das verwundete Objektiv", in dem er Dokumente aus seinem Leben aufbereitet und dazu ein Buch plant. 1992 erscheint die autobiographische Sammlung.

1984 zieht sich Werner Bergmann weitesgehend aus dem Berufsleben zurück. Er lebt mit seiner Frau in Potsdam-Babelsberg. Während einer Vortragsreise 1990 verletzt sich der 79jährige bei einem Autounfall schwer. Er stirbt am 25. Oktober 1990 an einem Herzinfarkt in Potsdam-Babelsberg.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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