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Reinhold Schünzel

Reinhold Schünzel
Regie, Künstlerische Leitung, Drehbuch, Mitarbeit, Darsteller, Produzent

* 07. November 1888
Hamburg
Deutschland
† 11. September 1954
München
Deutschland
andere Namen Richard Scheer; René Sorel

REINHOLD SCHÜNZEL • Biographie Seite 1/1

Ganz Deutschland kannte Reinhold Schünzel. Zumindest Anfang der 1920er bis Mitte der 1930er Jahre, als er einer der erfolgreichsten Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent ist. Heute wissen die wenigsten, daß der amerikanische Film VIKTOR UND VIKTORIA (1982) nur ein Remake seines Films aus dem Jahr 1933 ist.

Reinhold Schünzel wird am 07. November 1888 in Hamburg als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er wächst im Stadtteil St. Pauli auf, bis die Familie 1898 nach Berlin zieht. Nach einem mäßigen Schulabschluß absolviert er eine kaufmännische Ausbildung. Zur gleichen Zeit ist er aber schon Statist am Königlichen Schauspielhaus. Dort wird er allerdings entlassen, weil er seinem Lieblings-schauspieler, dem damaligen Bühnenstar Adalbert Matkowsky (1857 - 1909), zu sehr auf die Nerven geht.

Zwischenzeitlich arbeitet Reinhold Schünzel als Buchhalter in Bremen und Hamburg. Nebenbei spielt er immer wieder Theater, etwa in der "Gesellschaft für dramatische Künste". Als sein Arbeitgeber die Nebenbeschäftigung bemerkt, muß sich Reinhold Schünzel zwischen Büro oder Bühne entscheiden. Er wählt die Bühne, wird Mitglied eines Varietés und reist durch Deutschland und die Schweiz. Er wird eingezogen, aber einer Teilnahme am Ersten Weltkrieg kann er sich durch ein Engagement am Berliner Theater entziehen.

In Berlin erhält Reinhold Schünzel auch sein erstes Filmangebot. Er spielt in dem Messter-Film WERNER KRAFFT. DER ROMAN EINES ERFINDERS (1916). Danach ist er in zahlreichen Rollen und Filmen zu sehen, unter anderem mit dem Star Henny Porten. Bereits 1916 arbeitet Reinhold Schünzel mit dem Regisseur Richard Oswald zusammen. In Folge dieser kreativen Zusammenarbeit wird der "Charakter" Reinhold Schünzel geboren. Zum einen sind da die "vornehmlich diabolischen Figuren - Verführer, homosexuelle Betrüger und Schwindler, deren beflissendes Äußeres sadistische Bösartigkeit und teuflische Gelüste" verbergen. Er spielt Zuhälter, Banditen, windige Lebemänner. Und zum anderen ist da Reinhold Schünzel in grundsätzlich komischen Rollen als "pfiffiger Berliner Tunnichtgut, mit dem er aus einer stadtbekannten Erscheinung einen überregional bekannten Typus macht." (vgl. Thomas Elsaesser) Seine Wandlungsfähigkeit macht ihn zum Publikumsliebling und Kassenmagneten der Zeit. Höhepunkte seiner frühen Laufbahn sind Filme wie MADAME DUBARRY (1919), KATHARINA DIE GROßE (1920), LADY HAMILTON (1921) oder LUISE MILLERIN (1922).

Ab 1918 führt Reinhold Schünzel auch selbst Regie. Sein erster Film in eigener Regie HANNE, DER EINBRECHER (1918) ist eine Komödie in zwei Akten. Bei der Arbeit lernt er die Schauspielerin Hanne Brinkmann kennen, die er 1919 heiratet. Die Ehe wird 1928 geschieden. Seine Tochter Annemarie Schünzel wird ebenfalls Schauspielerin und spielt später am Broadway und im Film. Neben seiner Schauspieltätigkeit arbeitet er nun regelmäßig als Regisseur, etwa für DAS Mädchen aus der Ackerstraße - 1. Teil (1920), eine Berliner Kiezgeschichte. 1920 macht er sich selbständig und gründet die Lichtbild-Fabrikation Schünzel-Film, später die Reinhold Schünzel-Film GmbH. Er produziert unter anderem für die Ufa. Als der Tonfilm seinen Einzug hält, arbeitet er anfangs mehr als Schauspieler. Erst als die Ufa ihn als Regisseur engagiert, steht sein Name wieder für anspruchsvolle Unterhaltung. Er macht aus den Schauspielerinnen Renate Müller in VIKTOR UND VIKTORIA (1933) oder Käthe von Nagy in RONNY (1931) Stars.

1933 ist Reinhold Schünzel nach nationalsozialistischer Sprachreglung "Halbjude". Trotzdem erhält er als einer der wenigen Künstler eine Arbeitserlaubnis und 1934 einen Vertrag über die Produktion zweier Filme. Mit dem Musikspiel AMPHITRYON (1935) kommt es dann zu ersten Komplikationen mit der Ufa. Für den Film eingeplant sind 750.000 Reichmark. Er kostet später 2 Millionen. Auch inhaltlich gibt es Streitereien über einzelne Szenen, die Doppelgängerrollen oder etwa die versteckten Anspielungen im Text. Es wird viel gestrichen. Reinhold Schünzel dreht für die Ufa noch DAS MÄDCHEN IRENE (1936), danach kommt es zu keinem weiteren Vertrag.

Die Produktionsfirma Tobis engagiert ihn und Reinhold Schünzel dreht den Film LAND DER LIEBE (1937). Den Stoff hatte die Ufa vorher bereits ablehnt. Am Tag der angekündigten Premiere (29. April 1937) wird er Film aus angeblich technischen Gründen nicht vorgeführt. Zwei Tage vorher hat sich der Propagangsminster Joseph Goebbels den Film angesehen und bezeichnet ihn in seinem Tagebuch als "typische Judenmache. Ganz unausstehlich. Der darf so nicht heraus. Nun werde ich diesen Unrat ausmisten." Neben Reinhold Schünzel wird auch gleich noch der Produktionschef der Ufa F. A. Mainz entlassen. Der Film hat am 10. Juni 1937 nach diversen Schnitten und Veränderungen Premiere. Reinhold Schünzel hat zu diesem Zeitpunkt das Land bereits verlassen.

Im Exil wird er nicht besonders gut aufgenommen. Andere Emigranten nehmen ihm übel, immerhin vier Jahre für die Nationalsozialisten Filme produziert zu haben. Bei der Vorführung von AMPHITRYON (1935) in New York kommt es zu Protesten des Amerikanischen Jüdischen Kongreßes und der Anti-Nazi-Liga. Es wird zum Boykott des Films ausgerufen. Auch eine Anstellung des Regisseur soll boykottiert werden. Zwar bekommt Reinhold Schünzel trotzdem Arbeitsmöglichkeiten bei MGM, aber die Aufnahme in Hollywood, insbesondere von seinen deutschen Kollegen, hat seinen Aufenthalt in Amerika immer überschattet.

Er inszeniert für MGM vier Filme, die sich alle im Bereich der musikalischen Komödie bewegen. Zwar sind drei der Filme finanzielle Erfolge, aber MGM beschäftigt den Regisseur nicht weiter. Als Regisseur hat er bei den großen Studios in Hollywood keine Chance mehr und arbeitet nun wieder vermehrt als Schauspieler. Er ist auf die Rolle des bösartigen Nazis festgelegt und kann sich damit nicht wirklich im amerkanischen Film etablieren. Unbeachtet feiert er Erfolge auf der Theaterbühne in New York.

1949 kehrt Reinhold Schünzel, nunmehr 61 Jahre, zum ersten Mal nach Deutschland zurück. Aber alle seine angedachten Projekte werden von anderen Regisseuren weiterbearbeitet. Er ist enttäuscht und kann nur noch als Schauspieler arbeiten. Für die Darstellung des Theaterdirektors Schlumberger in MEINES VATERS PFERDE erhält er 1954 das Filmband in Silber. Er konzentiert sich auf Theaterarbeit.

Reinhold Schünzel stirbt am 11. September 1954 in München an einem Herzversagen.

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