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Helge Schneider

Helge Schneider
Regie, Drehbuch, Musik, Mitarbeit, Darsteller

* 30. August 1955
Mühlheim (Ruhr)
Deutschland

HELGE SCHNEIDER • Biographie Seite 1/1

Von einigen heiß geliebt und bejubelt, von anderen als durchgeknallter Clown verachtet, spaltet der unglaublich vielseitige Helge Schneider das deutsche Publikum. In seiner ungewöhnliche Karriere als Jazzmusiker, Kabarettist, Schriftsteller, Film- und Theaterregisseur und Schauspieler beweist er seine zahlreichen Talente. Zuletzt sorgt er mit seiner Hitler-Darstellung in Dani Levys Komödie MEIN FÜHRER (2006) für Wirbel.

Helge Schneider wird am 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren. Schon in seiner Jugend zeigt sich eine außerordentliche musische Begabung, er spielt bereits mit fünf Jahren Klavier und mit zwölf Cello. Helge Schneider verlässt das Gymnasium frühzeitig mit 16 Jahren und beginnt eine Lehre als Bauzeichner. 1972 tritt er nach bestandener Sonderbegabten-Prüfung ein Pianostudium am Duisburger Konservatorium an, arbeitet nebenbei als Straßenkehrer und Bürobote. Die Ausbildung am Konservatorium bricht er bald ab, da ihm das Auswendiglernen von Noten widerstrebt: Er wendet sich ganz seiner Leidenschaft, der Jazzmusik, zu und spielt vor allem bei Jam Sessions.

Nachdem er sich an verschiedenen Berufen erfolglos versucht hat, wird Helge Schneider ab 1977 als Künstler tätig. Er ist vor allem in eigenen Musikprojekten unterwegs, so zum Beispiel mit seiner Band "Schneider/Weiss Duo aka El Snyder & Charly McWhite" zusammen mit Charly Weiss. Er arbeitet aber auch als Schauspieler und Filmemacher, so erhält er zum Beispiel die Hauptrolle in Werner Nekes´ Film JOHNNY FLASH (1986) über den Aufstieg des jungen Jürgen Potzkothen zum Schlagerstar mit dem Künstlernamen "Johnny Flash". Ein Jahr später dreht er seinen ersten eigenen Kurzfilm STANGENFIEBER (1987), der typische Elemente der späteren Werke des Künstlers vorgreift, etwa die unsinnige und zusammenhanglose Handlung, die Improvisation und die Jazzmusik. Der Film spielt außerdem, wie fast alle darauf folgenden, in seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr. Helge Schneider wird außerdem von 1985 bis 1991 als Co-Moderator in der Fernseh-Musik-Sendung OFFSHOW des WDR eingesetzt.

Ab 1990 tritt Helge Schneider unter dem Beinamen "die singende Herrentorte" überall in Deutschland auf. Seine Auftritte zeichnen sich durch eine Mischung aus Musik und Kabarett aus. Der Bekanntheitsgrad des vielseitigen Künstlers wächst zu Beginn der 1990er Jahre vor allem durch die Veröffentlichung seines Albums "Guten Tach" im Jahre 1992. Zwei Jahre später folgt ein Auftritt bei "Wetten, dass...?" und der Charterfolg seines Liedes "Katzeklo". In den folgenden Jahren veröffentlicht er mehrere Musikalben und Romane. Schließlich bringt er seine Romanfigur Doc Snyder in der Western- Parodie TEXAS - DOC SNYDER HÄLT DIE WELT IN ATEM (1993) auf die Kinoleinwand und übernimmt Titelrolle, Regie, Drehbuch und Musik. In dem Film erfährt der nach Texas zurückgekehrte Doc Snyder von der geplanten Hinrichtung seines Bruders Hank und will diese verhindern. Die Fortsetzung des Films erfolgt ein Jahr später unter dem Titel 00 SCHNEIDER - JAGD AUF NIHIL BAXTER (1994). Kommissar Schneider, der im vorigen Film durch eine Nebenrolle eingeführt wird, versucht hier zusammen mit seinem Assistenten Körschgen, dem Mörder eines Zirkusclowns auf die Spur zu kommen. Die beiden Filme sind größtenteils mit Laiendarstellern besetzt, da Helge Schneider deren Authentizität überzeugt hat.

Der Komiker wird immer bekannter und beliebter, doch er will sich dem steigenden Kult um seine Person entziehen und macht aus diesem Grund eine zweijährige Pause. Danach geht er mit verschiedenen Bands und auch solo auf Tour und veröffentlicht weitere Musikalben und Romane. Außerdem entsteht der Film PRAXIS DR. HASENBEIN (1996). Auch hier übernimmt das Multitalent wieder Regie, Musik und Titelrolle. Der Film erzählt die Geschichte des jazzbegeisterten Arztes Dr. Hasenbein, der ein friedliches Leben in einem Ort mit Namen "Karges Loch" führt, bis plötzlich der Krieg ausbricht und er an die Front soll. Trotz guter Kritiken ist Helge Schneider selbst nicht zufrieden mit dem Film, den er als seinen schlechtesten bezeichnet. In den Comicverfilmungen KÄPT'N BLAUBÄR (2000), KLEINES ARSCHLOCH (1997) und der Fortsetzung DAS KLEINE ARSCHLOCH UND DER ALTE SACK - STERBEN IST SCHEISSE (2006) ist er als Synchronsprecher tätig.

Außerdem beweist er wieder einmal seine Vielseitigkeit, indem er 2003 für das Bochumer Schauspielhaus als Autor und Regisseur von MENDY - DAS WUSICAL fungiert. Seine Arbeit für das Theater wird mit großem Erfolg honoriert. Ein Jahr später folgt sein nächster Film JAZZCLUB - DER FRÜHE VOGEL FÄNGT DEN WURM (2004), der den Alltag des Fischverkäufers Teddy Schu thematisiert, der sich mit mehreren Nebenjobs über Wasser halten muss, am liebsten aber in einem Jazztrio spielt. Auch in diesem Film verbindet der Regisseur und Hauptdarsteller die von ihm geliebte Jazzmusik mit seinem abseitigen Humor, bringt aber auch eine gewisse Melancholie ins Spiel, die bereits in STANGENFIEBER (1987) angedeutet wird.

Alle seine Filme zeichnen sich durch die für Helge Schneider typische absurde Komik aus und spalten das Publikum: Während einige Kritiker die losen Zusammenhänge und zeitweilige Sinnlosigkeit der Handlungen bemängeln und mit Unverständnis auf die Abwegigkeit seines Humors reagieren, verehren andere gerade die exzentrische Herangehensweise des Künstlers, dessen Werke kaum auf der Grundlage von Drehbüchern, sondern meist durch freie Improvisation entstehen. Vor allem zu Beginn seiner Karriere wird Helge Schneiders Arbeit von der Kultur-Elite als "debile Unkultur" bezeichnet, heute wird er jedoch als Künstler gesellschaftlich akzeptiert.

Doch der Entertainer beschränkt sich nicht auf seine eigenen, nicht von allen Zuschauern verstandenen oder gar verehrten Projekte, sondern zeigt durch Auftritte in Komödien wie 7 ZWERGE - MÄNNER ALLEIN IM WALD (2004) und der Fortsetzung 7 ZWERGE - DER WALD IST NICHT GENUG (2006), dass er durchaus auch für das Mainstream-Kino offen ist. Zuletzt schlüpft er in Dani Levys viel diskutierter Hitlersatire MEIN FÜHRER (2006) in die Rolle Adolf Hitlers, der von seinem jüdischen Schauspiellehrer Grünbaum (Ulrich Mühe) wieder auf die Beine gebracht werden soll. Helge Schneider ist unter der Maske kaum noch zu erkennen, sein Hitler ist ein unbeholfener, psychisch gestörter Schwächling, der von Albträumen gequält wird. Nach Beendigung des Films distanziert er sich jedoch von Dani Levys Werk, das er ganz anders in Erinnerung hat und welches nach der Bearbeitung nicht mehr seiner Auffassung von Humor und Komik entspricht. Doch auch wenn er mit dem Film nicht zufrieden ist, nimmt er die ganze Angelegenheit, wie auch sich selbst, nicht allzu ernst. Sein Leben findet nicht vor der Kamera statt, viel wichtiger sind ihm seine Live-Auftritte.

Helge Schneider steht wieder auf der Bühne, zum Beispiel mit seiner Band "Akopalüze Nau !!!" und veröffentlicht weiterhin Bücher und Musikalben. Mittlerweile ist er durch mehrere Auszeichnungen gewürdigt, so erhält er zum Beispiel beim Deutschen Comedypreis 2005 den Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

Helge Schneider ist geschieden und hat insgesamt fünf Kinder von vier verschiedenen Frauen. Er lebt in seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr.

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Autorin: Katharina Wähner
Stand: August 2008

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