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Jürgen Vogel

Jürgen Vogel
Drehbuch, Darsteller, Produzent

* 29. April 1968
Hamburg
Deutschland

JÜRGEN VOGEL • Biographie Seite 1/1

Jürgen Vogel ist einer der populärsten Schauspieler Deutschlands. Das hat er nicht nur seinen darstellerischen Leistung vor der Kamera zu verdanken, sondern auch seinem Image: Er ist sexy trotz seiner kleinen Statur, wirkt sinnlich trotz riesiger Zahnlücken. Er pflegt die Rolle des unangepassten Underdogs, der sich nicht um Popularität oder Quoten kümmert. Seine sympathischen Verliererrollen sind glaubwürdig und verständlich, weil sie ihr Handeln aus ihren sozialen Umständen ziehen. Dabei gelingt dem Schauspieler der Spagat zwischen anspruchsvoller Unterhaltung und Mainstream.

Jürgen Vogel wird am 29. April 1968 in Hamburg geboren. Sein Vater verdient den Lebensunterhalt für die Familie als Kellner, die Mutter ist Hausfrau. Zur Familie gehören noch drei weitere Kinder. Bereits mit neun Jahren entdeckt er das Showbusiness, er modelt für den Otto-Versand. Besonderes Interesse entwickelt er für asiatische Kampfsportarten, mit 14 Jahren lernt er Kung-Fu, später wird ihn das Thai-Boxen faszinieren. Mit 15 Jahren debütiert er vor der Kamera. In NOVEMBERKATZEN (1986) von Sigrun Koeppe ist er zu sehen, ebenso wie KINDER AUS STEIN (1986) von Volker Maria Arend, in dem er einen Straßenjungen spielt. Nach seiner Schulausbildung, die er 1986 mit der Mittleren Reife abschließt, bewirbt er sich mit Erfolg an einer Schauspielschule in München. Aber schon nach einem Tag bricht er ab. Berlin reizt ihn mehr.

In Berlin nimmt er Gelegenheitsarbeiten an, arbeitet bei er Post als Paketzusteller oder als Beikoch in einer Großküche. Erste kleinere Engagements bei Film und Fernsehen erhärten seinen Wunsch, Schauspieler zu werden. Regisseur Egon Günther engagiert ihn für die Rolle des Emils in ROSAMUNDE (1989). Er gibt einen der arbeitslosen Entführer, die 1930 in Berlin den Sohn einer reichen großbürgerlichen Familie jüdischer Herkunft kidnappen. Schlagartig wird er bekannt, erhält für seine Leistungen den Bayerischen Filmpreis. Seinen Erfolg kann er später auch an der Kinokasse ummünzen: In KLEINE HAIE (1991) von Sönke Wortmann spielt er den Tellerwäscher Ingo, der sich eher per Zufall entscheiden, in München an der Aufnahmeprüfung zum Schauspielstudium teilzunehmen. Mit der Rolle wird Jürgen Vogel schlagartig bekannt; erhält zudem den Bayrischen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller. Hier zeigt sich bereits viel von seinem späteren Profil: Er ist ein körperlicher Darsteller, der durch Direkt- und Echtheit überzeugt. Seine Figuren sind nicht affektiert oder in sich gekehrt, sondern cool, uneitel und stehen auf dem Boden der Realität.

Im Anschluss an diesen ersten Erfolg erhält Jürgen Vogel zahlreiche Rollen in Fernsehfilmen, häufig sich er als jugendlicher Halbstarker in der Provinz nach dem Sinn des Lebens. Er rutscht in die rechtsradikale Szene ab wie in DANN EBEN MIT GEWALT (1993) von Rainer Kaufmann oder gibt den Kleinkriminellen, der verletzlich ist und nicht zu den Siegern zählt. Aus dem Spiel heraus, blieben seine Figuren immer verständlich, warum sie so oder so Handeln erklären in den meisten Fällen die Lebensumstände, in denen sie sich befinden. So sind es dann auch eher die kleinen Personen, die Jürgen Vogel verkörpert: Verlierertypen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, unangepasste Rebellen, die eine weichen Kern haben. Auch das Kino bietet dem Schauspieler mehr und mehr Rollen. Die Komödie DIE MEDIOCREN (1995) von Matthias Glasner untersucht die Beziehungen und Krisen zweier Paare in den 20ern. In STILLE NACHT (1996) von Dani Levy will er seiner Affäre endlich seine Liebe zu ihr (Maria Schrader) gestehen, schafft es aber nicht.

1995 gründet er mit dem Regisseur Matthias Glasner die Schwarzweiss Filmproduktion und arbeitet seitdem auch als Produzent. In gemeinsamer Zusammenarbeit entsteht die schwarze Komödie SEXY SADIE (1996). Hier gibt er Edgar, einen jungen Gewaltverbrecher, der nur noch wenige Tage zu leben hat. Er nimmt eine Ärztin als Geisel (Corinna Harfouch) und spricht springt zwischen Brutalität und Empfindsamkeit gekonnt hin und her. Als Jan Nebel erlebt er in DAS LEBEN IST EINE BAUSTELLE (1997) unter der Regie von Wolfgang Becker ein Auf und Ab der Gefühle und Schicksalsschläge. Mit dem Film begeistert der Schauspieler Zuschauer wie Kritik; erhält das Filmband in Gold für die Beste Darstellerische Leistungen.

Als fatalistischer Obdachloser muss er in FETTE WELT (1999) von Jan Schütte sein Lebenskonzept in Frage: Er hat sich verliebt. Als fieser Gauner erschreckt er in der Neuverfilmung EMIL UND DIE DETEKTIVE (2000) von Franziska Buch die Kinder. In SCHERBENTANZ (2002) spielt er einen an Krebs erkrankten Mann, der sich mit seiner Familie wieder gut stellen muss, weil es auf der Suche nach einem Knochenmarkspender ist. Das Familiendrama von Chris Kraus ist düster und melancholisch in Szene gesetzt, Jürgen Vogel mimt einmal mehr einen verletzlichen Verlierer, mit Komik und Sarkasmus. Ungewöhnlich ist seine Rolle des Friedrich II von Preußen in MEIN NAME IST BACH (2004). Als rockiger Musiker, der mit der Freundin seines Bruders schläft, überzeugt er in KEINE LIEDER ÜBER LIEBE (2005) von Lars Kraume. Der Film und die Musik machen ihm derart Spaß, dass er gemeinsam mit vier Musikern die "Hansen Band" gründet und sogar Konzerte stattfinden.

Mit DER FREIE WILLE (2006) inszenieren Regisseur Matthias Glasner und Jürgen Vogel ein schwieriges, langwieriges Projekt. Er fungiert hier als Hauptdarsteller, Co-Autor und Produzent. Erzählt wird von einem Serienvergewaltiger, der auf Probe frei kommt. Seine Angst vor Frauen und die damit verbundene unerfüllte Sehnsucht machen sein Leben in der Normalität zu einem Martyrium. Die Intensität, mit der Jürgen Vogel diese Rolle aus der Täterperspektive spielt, ist beängstigend. Auf der Berlinale 2006 wird er für seine künstlerische Leistung mit dem Silbernen Bären geehrt, später als Bester Hauptdarsteller für den Deutschen Filmpreis nominiert. Im selben Jahr erscheint auch noch EIN FREUND VON MIR (2006) von Sebastian Schipper in den Kinos, in dem er Daniel Brühl als jungem Mathematiker das Leben lernt. In der Liebesgeschichte EMMAS GLÜCK (2006) von Sven Taddicken erobert er als Krebskranker das Herz der Schweinzüchterin Emma. Im Frühjahr 2008 startet der Jugendfilm DIE WELLE (2008) (DIE WELLE (2008) Trailer) von Dennis Gansel in den Kinos. Hier verkörpert Jürgen Vogel den Lehrer Rainer Wenger, der seinen Schülern die "Staatsformen" näher bringen will. Ein pädagogisches Experiment soll helfen, Diktaturen zu verstehen, gerät aber aus den Fugen.

Jürgen Vogel ist mit Madeleine Sommerfeld verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Kinder, zwei weitere Kinder gehören ebenso zur Familie, die in Berlin lebt.

Ines Walk

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