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Otto Wallburg

Otto Wallburg
Darsteller

* 21. Februar 1889
Berlin
Deutschland
† 30. Oktober 1944
Konzentrationslager Auschwitz
Deutschland

OTTO WALLBURG • Biographie Seite 1/1

Otto Wallburg ist einer der meistbeschäftigten und höchstbezahlten Schauspieler der frühen Tonfilmzeit. Mit seiner opulente Leibesfülle beherrscht er die Szenerie, durch die freche Sprache und schnoddrige Art wird er vom Publikum auf der Bühne und vor der Kamera abgöttisch geliebt. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten ändert sein Leben. Er erhält keine Spielerlaubnis, ihm wird die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Der Emigration mit Stationen in Österreich, Frankreich und den Niederlanden folgt Verhaftung und Deportation.

Otto Wallburg wird am 21. Februar 1889 in Berlin als Otto Maximilian Wasserzug geboren. Sein Vater ist ein jüdischer Bankier. Zur Familie gehören noch zwei weitere Geschwister. Er besucht das Gymnasium und beginnt nach seiner Schulausbildung eine kaufmännische Lehre in der Maschinenbaufirma Orenstein und Koppel. Aber sein Traum ist es, Schauspieler zu werden.

Mit 16 Jahren beginnt er eine Ausbildung an der Max Reinhardt-Schule, lernt hier seinen späteren Kollegen Paul Graetz kennen. Mit 20 Jahren debütiert er am Deutschem Theater in Berlin. Danach wandert der junge Mime durch die Provinz, spielt in Bern den jugendlichen Liebhaber, Bonvivant oder Naturburschen. Hier lernt er die schweizerische Schauspielerin Lisa Brosso kennen, heiratet sie 1911. Ihr gemeinsamer Sohn Reinhart wird 1912 geboren. Gemeinsam steht das Ehepaar später auf der Bühne von Halberstadt, zieht nach Frankfurt, am Main, weil Otto Wallburg dort ein Engagement erhält.

Der I. Weltkrieg unterbricht die Karriere des Schauspielers. Er wird bereits zu Kriegsbeginn eingezogen und ist an der Westfront stationiert. Für seinen Einsatz wird er mit dem Eisernen Kreuz Zweiter Klasse ausgezeichnet. 1916 wird er in Rußland verwundet und nach seiner Genesung entlassen. Er kehrt an seine alte Wirkungsstätte, ans Theater in Frankfurt, am Main zurück. Hier reift er in den nächsten zehn Jahren zum Charakterdarsteller. Besonders als Darsteller in Stücken des expressionistischen Autors Georg Kaiser macht er sich einen Namen. Seine erste Ehe wird 1918 geschieden. Im Jahr darauf heiratet er Anna Luise Theis. Ihre beiden Töchter werden 1920 und 1922 geboren. Auch seine zweite Ehe scheitert später.

Um 1920 konzentriert sich der Schauspieler auf die Regie-Arbeit. Neben seiner Tätigkeit für die Bühne gibt er gemeinsam mit Hans Reimann die satirische Zeitschrift "Das Stachelschwein" heraus. Aber viel wichtiger für seine Karriere wird, daß er als Komiker entdeckt wird. Er tritt 1924 erstmals in im Kabarett Astoria in Frankfurt, am Main auf. Mitte der 20er Jahre geht Otto Wallburg nach Berlin. Hier entwickelt er sich zu einem Star, der auf den Bühnen der Hauptstadt das Publikum anzieht. Er beeindruckt als Komiker, überzeugt aber auch als Charaktersdarsteller in klassischen Stücken. Otto Wallburg steht auf der Bühne des Lessing-Theaters, des Deutschen Theaters, brilliert an den Kammerspielen und am Theater am Schiffbauerdamm, arbeitet unter anderem mit den Regisseuren Max Reinhardt, Berthold Viertel und Erich Engel zusammen. 1927 gastiert er mit dem Ensemble des Deutschen Theaters in Amerika. Große Erfolge feiert er mit der Revue " Es liegt in der Luft" (1928) und im Erik Charell-Singspiel "Im Weißen Rösl" (1930).

In Berlin wird Otto Wallburg auch schnell für den Film entdeckt. 1926 debütiert er in der Komödie DIE KEUSCHE SUSANNE (1926) unter der Regie von Richard Eichberg. Er spielt neben den späteren Stars Lilian Harvey und Willy Fritsch. Danach geht es Schlag auf Schlag, der Schauspieler ist in zahlreichen Filmen zu sehen. In den nächsten vier Jahren, bis zum Beginn der Tonfilmzeit, ist er an 27 Filmen beteiligt. Mehrfach arbeitet er mit den Regisseuren Richard Oswald, Reinhold Schünzel und Harry Piel zusammen. Der Tonfilm bringt keine Schwierigkeiten für ihn. Vielmehr kann er durch seine freche Sprache und seine schnoddrige Art das Publikum überzeugen. Von den Berlinern wird er liebevoll "Blubberer" genannt. Bis 1933 ist er in weiteren 36 Filmen zu sehen. Damit gehört er zu den meistbeschäftigten Darstellern der frühen Tonfilmzeit, erzielt Traumgagen.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hat der Jude Otto Wallburg zunächst keine Probleme. Bis 1934 ist er vielbeschäftigt, dreht in Deutschland weiter. Dann kommt der negative Bescheid von der Reichskulturkammer. Damit ist seine berufliche Laufbahn in Deutschland beendet. Weder erhält er Filmangebote, noch kann er auf der Theaterbühne in Berlin Arbeit finden. Zurück in Frankfurt, am Main gastiert er noch in zwei Komödien, mit der er auch plant, auf Tournee zu gehen. Da ihm aber seine vorläufige Spielerlaubnis entzogen wird, zerschlägt sich auch dieses Projekt. Otto Wallburg verläßt Deutschland in Richtung Österreich.

In Wien trifft er alte Kollegen, unter anderem Kurt Gerron und Felix Bressart. Gemeinsam finden sie Anschluß an die dortige Filmproduktion. Bis zum Einmarsch der deutschen Truppen 1936 steht Otto Wallburg in 9 weiteren Filmen vor der Kamera. Wie in Berlin gibt er auch in Wien den Komiker. Angebote, nach Amerika zu gehen, lehnt er ab. Anfang 1937 emigriert der Künstler über die Schweiz und Frankreich in die Niederlande. In Amsterdam tritt er in Kabarett-Inszenierungen auf, steht gemeinsam mit Kurt Gerron auf der Bühne des Theaters der Prominenten. Hier erfährt er auch, daß ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt worden ist. Seine dritte Frau, die Tänzerin Charlotte Ahnert, hat 1931 ihrem gemeinsamen Sohn Klaus Peter geboren. Um sich und das Kind zu retten, läßt sie von Otto Wallburg scheiden, kümmert sich um Einreise in die USA.

In Frankreich steht der Schauspieler zum letzten Mal vor der Filmkamera in dem Kurt Bernhardt-Film CARREFOUR (1938). Nach den Dreharbeiten muß er wieder in die Niederlande. Zu spät beginnt er sich, um eine Ausreise nach Amerika zu bemühen. Nach dem Beginn des II. Weltkrieges und dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht 1940 in die Niederlande spielt Otto Wallburg am jüdischen Theater joodsche Schouwberg. Er lernt Ilse Rein kennen, mit der zusammenleben wird. 1943 kann er einer Verhaftungswelle entkommen. Seitdem lebt er mit Ilse Rein im Untergrund. Im Februar 1944 werden beide denunziert und verhaftet. Otto Wallburg wird zunächst ins Konzentrationslager Westerborg Hooghalen gebracht, danach ins Konzentrationslager Theresienstadt. Hier trifft er einen seiner Brüder und dessen Frau wieder. Oktober 1944 wird er nach Auschwitz deportiert. Sein Leben endet in der Gaskammer, wahrscheinlich am 30. Oktober 1944.

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Autorin: Ines Walk
Stand: November 2004

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