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Brigitte Helm

Brigitte Helm
Mitarbeit, Darsteller

* 17. März 1906
Berlin
Deutschland
† 11. Juni 1996
Ascona
Italien
andere Namen Brigitte Schittenhelm

BRIGITTE HELM • Biographie Seite 1/1

Brigitte Helm war eine der Film-Ikonen der 20er Jahre. Als Vamp des deutschen Films ist sie in den Fundus der deutschen Filmgeschichte eingegangen. Für einige Kritiker verkörpert sie als sündiges Filmweib mit ebenmäßigem Antlitz das Ideal des expressionistischen Zeitgeistes. Von 1927 bis 1935 spielt sie in mehr als 30 deutschen, französischen und englischen Filmen. Mitte der 30er Jahre, damals knapp 30jährig, zieht sich die Schauspielerin nach Dauerfehden mit der Ufa und Schwierigkeiten mit dem nationalsozialistischen Regime vom Filmgeschäft zurück.

Brigitte Helm wird am 17. März 1906 in Berlin als Brigitte Eva Gisela Schittenhelm geboren. Ihr Vater ist ein preußischer Offizier und stirbt, als sie vier Jahre alt ist. Ihre Schulausbildung absolviert sie im Johanna-Stift in Werftpfuhl, in der Mark Brandenburg. Hier steht sie auch erstmals auf der Bühne, spielt in Schulaufführungen mit. Nach dem Abitur will sie studieren, Medizin schwebt ihr vor.

Auf Initiative ihrer Mutter macht Brigitte Helm Probeaufnahmen bei der Universum Film AG (Ufa) für den Science Fiction METROPOLIS (1927) (METROPOLIS (1927) Trailer) von Fritz Lang. Der Regisseur engagiert die damals 17-jährige für die Doppelrolle der menschlichen und der Maschinen-Marie. Die immensen Produktionskosten des Filmprojekts bringen die UFA fast an den Rand des Konkurses. Die Dreharbeiten dauern 17 Monate, sind für die Schauspielerin ohne Ausbildung besonders strapaziös: Die Roboterszenen werden wieder und wieder wiederholt. Die Sequenz, in der Brigitte Helm als Maschinenmensch, noch an Schläuchen und Drähten hängend, zum Leben erweckt wird, taucht immer wieder in manchem Video-Clip auf. Die Kritiker von damals und heute überzeugt die junge Darstellerin durch ihr Spiel: auf der einen Seite die zarte, liebende Frau, die sich für ihre Mitmenschen einsetzt, auf der anderen Seite der kühle Vamp, der Unglück über die Menschen bringt. Mit ihrem Leinwanddebüt wird Brigitte Helm sofort zum Star, auch wenn der Film an den Kinokassen nicht den erwünschten Erfolg erzielt und erst später zum Kultfilm avanciert.

In der Folge erhält Brigitte Helm einen Zehnjahresvertrag von der Ufa. Für die Produktionsfirma ist sie zwar fortan teuer, aber der Filmkonzern kann sie lukrativ an andere Firmen ausleihen, dabei Geld verdienen und zudem die mit ihr gedrehten Filme auch noch selbst verleihen. Die Ufa erkennt das Potential der Schauspielerin und versucht über die Jahre mit geschickter Pressepolitik, sie zum internationalen Star aufzubauen.

Ihre zweite Rolle als Müllerstochter Magda spielt sie in dem Anti-Kriegsfilm AM RANDE DER WELT (1927) von Karl Grune. In DIE LIEBE DER JEANNE NEY (1927) unter der Regie von Georg Wilhelm Pabst verkörpert sie die Tochter eines französischen Journalisten, die sich in Odessa in einen Offizier der Roten Armee verliebt und ihn später in Paris wieder trifft, wo sie ihn vor der Guillotine retten kann. Mit dem Regisseur wird sie nochmals zusammenarbeiten. Treffend erfüllt Brigitte Helm die Anforderung der mal unbeholfen ängstlichen, mal gespielt verführerischen Ehefrau in seinem psychologisch-erotischen Kammerspiel ABWEGE (1928). Hier gibt sie die gelangweilte Gattin eines Berliner Rechtsanwalts, die auf Abwege gerät. Vor dem Scheidungsrichter erkennen aber beide, dass sie sich noch lieben. Ihre Rollenfestlegung auf den männermordenden Vamp und die kühle Femme fatale wird mit ALRAUNE (1928) weiter vorangetrieben. Unter der Regie von Henrik Galeen spielt sie Alraune, einen synthetisch hergestellten Menschen, der gefühllos an seinen Schöpfer Rache nimmt. Das künstliche Geschöpf Alraune verwirrt die Männer und reißt sie ins Verderben. Brigitte Helm zeigt alle Facetten des Kino-Vamps auf, variiert genüsslich die Aura des Dämonischen. Die gleiche Rolle spielt sie nochmals 1930 unter der Regie von Richard Oswald in einer Tonverfilmung.

In schneller Folge werden Filme mit den Star abgedreht, etwa DIE YACHT DER SIEBEN SÜNDEN (1928) und SKANDAL IN BADEN-BADEN (1928). In letzterem spielt sie eine junge, begabte Tänzerin, die erst durch Protektion eines Großindustriellen zu Erfolg kommt, aber nun in der Gesellschaft als dessen Mätresse gilt. In dem Melodram DIE WUNDERBARE LÜGE DER NINA PETROWNA (1929) unter der Regie von Hanns Schwarz verliebt sie sich in einen armen russischen Kürassier, der ihr auch weiterhin ein luxuriösen Leben sichern will und deshalb zum Falschspieler wird. In der Gaunerkomödie MANOLESCU. DER KÖNIG DER HOCHSTAPLER (1929) von Viktor Tourjansky treibt sie ihren Geliebten zum Verbrechen und zeigt ihn dann voller Eifersucht bei der Polizei an.

Danach kündigt Brigitte Helm ihren Ufa-Vertrag mit der Begründung, dass sie falsch besetzt wird, unzureichende Star-Presse bekommt und zudem die Begrenzung ihres Körpergewichts in einer Klausel ihres Vertrages unsittlich ist. Die Ufa zieht vor das Schiedsgericht. Unter Leitung des Schauspielkollegen Kurt Gerron unterliegt Brigitte Helm im September 1929 ebenso wie später vor dem Arbeitsgericht. Die Darstellerin, mittlerweile verschuldet, lenkt ein und handelt mit der Ufa einen Vergleich aus. In der Folge ist sie in Tonfilmproduktionen zu sehen, sie dreht in England und Frankreich, steht in Sprachversionen ihrer Ufa-Filme vor der Kamera. In dem Eifersuchtsdrama GLORIA (D) (1931) von Hans Behrendt muss sie sich zwischen ihrem Ehemann und dessen Freund entscheiden. In DIE GRÄFIN VON MONTE CHRISTO (1932) von Karl Hartl ist sie die Komparsin Jeanette, die auf ihre große Chance hofft und sich dafür auch schon mal als Gräfin ausgibt. Nochmals arbeitet sie mit dem Regisseur in dem abenteuerlichen Utopiefilm GOLD (1934) zusammen. Hier spielt sie die Tochter eines verbrecherischen Großindustriellen. Als DIE HERRIN VON ATLANTIS (1932) regiert sie eine kleine Wüstenstadt, unnahbar und schön zugleich kalt und gefährlich, so dass jeder Mann ihr hoffnungslos verfällt. Ein moderne Frau des hier und jetzt spielt sie in EINE VON UNS (1932) von Johannes Meyer und in DER LÄUFER VON MARATHON (1933) von Ewald André Dupont. In dem Kriminalfilm INGE UND DIE MILLIONEN (1933) von Erich Engel gibt sie die Sekretärin und Freundin eines Bankiers, der sie für illegale Schiebereien missbraucht. Den Typ der reiferen Gesellschaftsdame verkörpert sie in FÜRST WORONZEFF (1934) von Arthur Robison und EIN IDEALER GATTE (1935) von Herbert Selpin.

1934 erhält die Schauspielerin zahlreiche negative Schlagzeilen, weil sie zwei schwere Verkehrsunfälle verursacht. Im November des Jahres wird sie zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Mitte der 30er Jahre, damals knapp 30jährig, zieht sie sich nach Dauerfehden mit der Ufa als ihr Vertrag 1935 ausläuft und nach Schwierigkeiten mit dem nationalsozialistischen Regime vom Filmgeschäft zurück. In erster Ehe ist Brigitte Helm mit Rudolf Weißbach verheiratet, die Ehe scheitert. Im April 1935 ehelicht sie den BMW-Industriellen Dr. Hugo von Kunheim. Der Ehe entstammen vier Söhne. Die Familie lebt in München und Ascona. Die Künstlerin weigert sich Zeit ihres Lebens, an weiteren Filmen mitzuarbeiten, alle Filmangebote werden von ihr negativ beantwortet. Auch Angebote aus Hollywood hat sie beharrlich abgelehnt. Brigitte Helm stirbt am 11. Juni 1996 in Ascona.

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