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Lina Carstens

Lina Carstens
Darsteller

* 06. Dezember 1892
Wiesbaden
Deutschland
† 22. September 1978
München
Deutschland

LINA CARSTENS • Biographie Seite 1/1

Erst spät kommt die Theaterschauspielerin Lina Carstens zum Film. Ab Mitte der 1930er Jahre - da hat sie schon 20 Jahre auf der Bühne verbracht - wird sie für das Kino entdeckt und spielt in der Folge resolute Frauen, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Ob Mutter, Ehefrau, Oberin, Dame der Gesellschaft, Pensionsbesitzerin, Haushälterin oder Krankenschwester: Alle Frauen stattet sie mit weiblicher Souveränität aus, die hinter ihrer äußerlichen Härte Mitgefühl und Herz zeigen. Bis Ende der 1970er Jahre ist sie im Kino und im Fernsehen präsent.

Lina Carstens wird am 06. Dezember 1892 in Wiesbaden geboren. Ihr Vater betreibt ein Sägewerk, sie wächst in einem gutbürgerlichem Haushalt auf und besucht eine höhere Mädchenschule in ihrer Heimatstadt. Nach ihrer Schulausbildung will sie unbedingt Schauspielerin werden und kann ihre Eltern überzeugen, ihren Unterricht zu finanzieren. Sie lässt sich bei Hans Oberländer am Wiesbadener Staatstheater ausbilden.

Als 19-jährige erhält sie 1911 ein Engagement am Hoftheater in Karlsruhe. Vier Jahre erarbeitet sie sich hier ein umfangreiches Repertoire als junges Mädchen und überzeugt auch schon im Charakterfach, bis sie 1915 nach Leipzig geht und dort mit Unterbrechungen bis 1942 an verschiedenen Bühnen arbeitet. Hier ist sie neben der klassischen Theaterarbeit auch beim politischen Kabarett "Retorte" tätig, tritt unter anderem gemeinsam mit Joachim Ringelnatz auf. In der Spielzeit 1919/1920 ist sie kurz in Hamburg, 1926/1927 in München, kehrt aber immer wieder nach Leipzig zurück, wo sie ab 1927 am Städtischen Theater auf der Bühne steht. Ab 1937 ist sie auch in Berlin an der Volksbühne zu sehen, wird 1939 zur Staatsschauspielerin ernannt und arbeitet bis zum Zusammenbruch des Kulturlebens 1944 in der Hauptstadt. In vielen Fällen überzeugt Lina Carstens in Frauenrollen, die beherzt und mit Mutterwitz ausgestattet sind.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bleibt sie dem Theater treu. Zunächst ist sie in Konstanz die Mutter Courage in dem gleichnamigen Stück von Bertolt Brecht, dann arbeitet sie in Stuttgart und München, dort an 1948 als festes Ensemblemitglied am Bayerischen Staatsschauspiel. Sie übernimmt mehr und mehr Mutterrolle, spielt Frauen mit Verantwortung, die über Robustheit verfügen, oft Härte ausstrahlen hinter der sich Mitgefühl versteckt. Seit 1958 ist Lina Carstens als freie Schauspielerin tätig.

Mit dem Medium Film kann sich die Schauspielerin anfangs nicht anfreunden. Bei nur zwei Stummfilmen steht sie vor der Kamera, arbeitet mit den relativ unbekannten Regisseuren Edmund Linke und Willy Buckan zusammen. Erst Detlef Sierck gibt ihr Mitte der 1930er Jahre endlich jene Rollen, mit der sich die Theaterschauspielerin auch auf der Leinwand behaupten kann. Er holt sie für seinen Filme APRIL, APRIL (1935) und DAS MÄDCHEN VOM MOORHOF (1935) vor die Kamera. Schon hier sind es größere Nebenrollen, in denen sie zu sehen ist. Danach ist sie regelmäßig präsent im Kino, spielt Mütter, Ehefrauen, Oberin, Damen der Gesellschaft, Pensionsbesitzerin, Haushälterin oder Krankenschwestern. Alle Frauen stattet sie mit weiblicher Souveränität aus; eine Frau, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt.

Lina Carstens wird in den kommenden Jahren gern besetzt, ihr Typ der resoluten Frau entspricht dem Zeitgeist. So ist sie unter anderem wieder unter der Regie von Detlef Sierck in ZU NEUEN UFERN (1937) neben dem Ufa-Star Zarah Leander zu sehen, ist die Pensionsinhaberin Anny Wattson in TANGO NOTTURNO (1937) von Fritz Kirchhoff, arbeitet mit Regisseuren wie Georg Jacoby, Robert A. Stemmle und Carl Froelich zusammen. In der Kinoversion DER ZERBROCHENE KRUG (1937) nach Heinrich von Kleist unter der Regie von Gustav Ucicky spielt sie ebenfalls die Marthe Rull wie auf der Theaterbühne, hier an der Seite von Emil Jannings.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bleibt sie dem Film treu. An ihrem Rollenfach ändert sich nichts, wieder ist sie überwiegend in Nebenrollen präsent und wird zu einer festen Größe im westdeutschen Kino. Hier steht sie unter anderem an der Seite von Heinz Rühmann als Haushälterin Mrs. Smith DAS SCHWARZE SCHAF (1960) von Helmuth Ashley zu sehen. Seit den 1950er Jahren arbeitet die Schauspielerin auch für das Fernsehen, übernimmt hier ebenfalls Rollen im Fach der Alten. Neben ihrer schauspielerischen Arbeit ist sie auch als Synchronsprecherin tätig, spricht unter anderem Margaret Rutherford oder Jullan Kindahl.

Mitte der 1970er Jahre erhält sie die Hauptrolle in der Komödie LINA BRAAKE (1975) von Bernhard Sinkel. Es wird hier erfolgreichster Film, eine der wenigen Komödien, die der Neue Deutsche Film hervorgebracht hat. Erzählt wird die Geschichte von Lina Braake, der Haus an die Bank fällt, als die alte Besitzer stirbt. Sie wird aus ihrer Wohnung heraus geworfen, kommt in ein Altersheim und plant hier gemeinsam mit Fritz Rasp einen großen Coup, um es der Bank einzuzahlen und einen geruhsamen Lebensabend auf Mallorca zu verbringen. Die beiden Schauspieler - jeweils mehr als 80 Jahre alt - strahlen eine Würde und Grazie aus, die ihresgleichen sucht und können zudem mit Komik überzeugen. Für ihre Darstellung wird Lina Carstens 1976 den Bundesfilmpreis in Gold ausgezeichnet.

Lina Carstens heiratet den Schriftsteller Otto Ernst Sutter. Gemeinsam haben sie einen Sohn, der im Zweiten Weltkrieg als Soldat umkommt. Am 22. September 1978 stirbt die Schauspielerin in München.

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