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Bernhard Minetti

Bernhard Minetti
Darsteller

* 26. Januar 1905
Kiel
Deutschland
† 12. Oktober 1998
Berlin
Deutschland

BERNHARD MINETTI • Biographie Seite 1/1

Er ist eine deutsche Schauspiel-Legende, die ein halbes Jahrzehnt Theatergeschichte geschrieben hat. In der Ära des Expressionismus beginnt Bernhard Minetti die Schauspielerei, mit Klassiker-Inszenierungen steigt seine Karriere steil hinauf. Im Dritten Reich gibt er die Helden auf der Bühne, nach dessen Zusammenbruch bleibt das Nachdenken und Verzweifeln mit Samuel Beckett oder Thomas Bernhard. Am Ende seiner Karriere arbeitet er mit Heiner Müller deutsche Geschichte ab.

Bernhard Minetti wird am 26. Januar 1905 als Bernhard Theodor Henry Minetti in Kiel geboren. Sein Vater ist ein bekannter Architekt der Stadt. Er wächst bürgerlich-protestantisch auf. 1923 schließt er seine Schulausbildung mit dem Abitur ab. Danach geht er nach München und studiert Germanistik und Theaterwissenschaften, schließt dieses Studium aber nicht ab. Er nimmt für drei Jahre Schauspielunterricht an den Staatlichen Bühnen in Berlin.

Am Reußischen Theater Gera debütiert der junge Schauspieler als 22jähriger. Danach spielt er auf Theaterbühnen in Darmstadt, seit 1930 am Preußischen Staatstheater in Berlin unter der Leitung von Leopold Jessner. Auf der Bühne macht sich der Schauspieler schnell einen Namen. Besonders seine Darstellung in klassischen Rollen - Hamlet, König Lear oder Franz Moor in "Die Räuber" von Schiller - sind legendär. Er arbeiten mit den wichtigsten Regisseuren der Zeit: Leopold Jessner, Gustaf Gründgens und Hans Fehling zusammen. Dem Preußischen Staatstheater gehört er bis 1945 an.

Ab 1931 hält der Film Rollen für ihn bereit. Das Medium wird nie sein bevorzugtes. Seine erste Rolle spielt er in DER MÖRDER DIMITRI KARAMASOFF (1931). In den kommenden Jahren ist er meist in wichtige Nebenrollen zu sehen. Die Filme, in denen er spielt, gehören zu den größeren deutschen Produktionen der Zeit: er spielt an der Seite von Heinrich George in BERLIN - ALEXANDERPLATZ (1931); gibt einen österreichischen Diplomaten neben Otto Gebühr in FRIDERICUS (1936) oder steht gemeinsam mit Emil Jannings in ROBERT KOCH, DER BEKÄMPFER DES TODES (1939) vor der Kamera. Die Hauptrolle des spanischen Gutsbesitzers erhält er von der Regisseurin Leni Riefenstahl, die ihn für ihre, sich über Jahre hinziehende Produktion TIEFLAND (1954) verpflichtet. Im letzten Kriegsjahr wird Bernhard Minetti zur künstlerischen Truppenbetreuung einberufen. Seine Position im III. Reich wird heute immer noch diskutiert.

Erst Ende der 50er Jahre arbeitet Bernhard Minetti wieder für den Film. Zu einen seiner ersten Nachkriegsproduktionen gehört MENSCHEN IM NETZ (1959) in der Regie von Franz Peter Wirth. Er spielt in anspruchsvollen Rollen, läßt sich nicht auf die damals übliche westdeutschen Unterhaltung ein. Er arbeitet mit Ulrich Schamoni und Peter Handke. Ab Anfang der 60er Jahre sind es vorrangig Fernsehproduktionen, in denen er auftritt und die auch extra für ihn geschrieben werden. Klassik wird ganz groß geschrieben: "Gideon" (1966), "Woyzeck" (1966) oder "König Ödiups" (1967).

Nach dem Zweiten Weltkrieg widmet sich Bernhard Minetti überwiegend dem Theater. 1945 wird er Direktor des Neuen Stadttheaters Kiel. Dort beginnt er auch selbst zu inszenieren, zum Beispiel Shakespeare. Er feiert von 1947 bis 1949 Erfolge am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und tritt mit Gastspielen in ganz Deutschland auf. Weitere seiner Bühnenstationen sind Düsseldorf, Frankfurt, am Main oder Köln. Ab 1968 gibt im das Schillertheater in Berlin eine Heimstätte. Bis zu dessen Schließung 1993 steht er dort auf der Bühne. Danach holt den nunmehr 87jährigen Schauspieler Heiner Müller ans Berliner Ensemble, wo er mit "Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" einen seiner letzten Erfolge feiert. Zahlreiche Auszeichnungen hat der Schauspieler erhalten, unter anderem 1978 das "Große Bundesverdienstkreuz".

Bernhard Minetti ist in erster Ehe mit Anne Gerbrandt verheiratet. Die Kinder Hans-Peter Minetti und Jennifer Minetti ergreifen ebenfalls den Beruf des Schauspielers. Der Schauspieler stirbt am 12. Oktober 1998 in Berlin.

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Autorin: Ines Walk

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