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Will Quadflieg

Will Quadflieg
Darsteller

* 15. September 1914
Oberhausen
Deutschland
† 27. November 2003
Bremen
Deutschland

WILL QUADFLIEG • Biographie Seite 1/1

60 Jahre steht der Schauspieler Will Quadflieg auf der Theaterbühne. Er gilt als einer der großen deutschen Schauspieler, der mehrere Generationen von Zuschauern begeistert hat. Die außerordentliche Intensität und sein klangvolles Stimmvolumen überzeugen Zuschauer und Kritiker. Als Rezitator wird er über die Grenzen Deutschlands bekannt. Er hat an die 20.000 Verse im Kopf und kann das gesamte lyrische Werk von Goethe, Schiller und Rilke rezitieren. Im Film ist der Künstler ebenfalls - wenn auch selten - zu sehen.

Will Quadflieg wird am 15. September 1914 in Oberhausen geboren. Sein Vater ist ein Inspektor. Schon während seiner Schulzeit am dortigem Gymnasiums nimmt er Schauspielunterricht; nach dem Abitur erhält er mit 19 Jahren ein Engagement am Theater in seiner Heimatstadt. Danach spielt er auf verschiedenen Bühnen. Die Laufbahn führt über Gießen (1934/1935), Gera (1935/1936) und Düsseldorf (1936/1937) an die Berliner Volksbühne (1937 bis 1940). Der Intendant des Schiller-Theaters Heinrich George holt ihn später an seine Wirkungsstätte. Hier spielt Will Quadflieg die klassischen Rollen, den Hamlet, den Don Carlos, Mortimer in Friedrich Schillers "Maria Stuart" oder den Mephisto. Seine Mentoren Heinrich George und Eugen Klöpfer von der Volksbühne setzen sich für den jungen Schauspieler ein: er wird vom Kriegsdienst freigestellt.

Seine erste Filmrolle erhält Will Quadflieg vom Regisseur Erich Engel in DER MAULKORB (1938). In der Komödie gibt er an der Seite von Hilde Weissner den Maler Rabanus. Er überzeugt nicht nur das Publikum. In der Folge steigt er zum Jung-Star der Ufa auf, spielt an der Seite gestandener weiblicher Schauspielerinnen wie Zarah Leander und Marika Röck. Mit Letzterer agiert er in dem Film KORA TERRY (1940). Hier spielt er einen Geigenvirtuose, der sich anfangs in die böse Zwillingsschwester verliebt. Auch in DIE ZAUBERGEIGE (1940) unter der Regie von Herbert Maisch spielt er authentisch mit der Geige. Will Quadflieg lässt sich aber auch für nationalsozialistische Agitation missbrauchen. In dem anti-englischen Propagandafilm MEIN LEBEN FÜR IRLAND (1940) von Max W. Kimmich spielt er einen jungen irischen Befreiungskämpfer. Er ist ebenfalls in dem antisowjetischen Streifen GPU (1942) von Karl Ritter dabei.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges lässt sich Will Quadflieg in Hamburg nieder. Er baut die Junge Bühne mit auf. Später steht er auf der Bühne des Schauspielhauses, ab 1948 ist er in Zürich zu sehen. Bald zählt der Schauspieler nicht nur zu den bekanntesten der Zeit, sondern überzeugt auch als Rezitator; problemlos füllt er Theatersäle. Von 1952 bis 1959 spielt er jedes Jahr bei den Salzburger Festspielen in "Jedermann".

In Hamburg arbeitet Will Quadflieg 6 Jahre von 1956 bis 1962 mit dem Regisseur Gustaf Gründgens zusammen. Diese Zeit gilt vielen Kritikern als die wichtigste seiner Laufbahn. Als Faust in der Inszenierung von 1957 wird der Darsteller weltbekannt. In den 70er Jahren ist sein klassischer Stil vorübergehend weniger gefragt. Ab 1983 steht der Mime auf der Bühne des Thalia-Theaters, begeistert in Rollen von William Shakespeare, unter anderem als König Lear, ist in Stücken von Anton Tschechow zu sehen oder in Molières "Menschenfeind".

Auch im westdeutschen Nachkriegsfilm ist der Künstler präsent. Hier bleiben dem Schauspieler allerdings bessere Rollenangebote verwehrt. Er spielt in Unterhaltungsstreifen wie DIE FÖRSTERCHRISTEL (1952) oder MOSELFAHRT AUS LIEBESKUMMER (1953) mit. Hervorzuheben ist seine Zusammenarbeit mit Max Ophüls bei dem Film LOLA MONTEZ (1955). Hier gibt er wieder einen intellektuellen Künstler, den Franz Liszt.

Auch dem Fernsehen steht der Mime positiv gegenüber. In Dieter Wedels Fernseh-Vierteiler "Der große Bellheim" (1993) findet er als Herbert Sachs, einer der vier Alten, ein breites Publikum. Zudem bespricht der Künstler zahlreiche Hörplatten mit seinen Rezitationen. Will Quadflieg erhält für seine schauspielerischen Leistungen zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Grimme-Preis in Gold. 1986 gibt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik zurück. Damit will er gegen das neue Tierschutzgesetz der Bundesregierung protestieren.

Der Künstler ist mit Benita von Veesack verheiratet. Beide haben fünf gemeinsame Kinder. Sein Sohn Christian Quadflieg arbeitet ebenfalls als Schauspieler. Die Familie lebt in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen. Will Quadflieg stirbt am 27. November 2003 in Heilsbronn bei Bremen.

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