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Carl Raddatz

Carl Raddatz
Darsteller

* 13. März 1912
Mannheim
Deutschland
† 19. April 2004
Berlin
Deutschland

CARL RADDATZ • Biographie Seite 1/1

Der Schauspieler Carl Raddatz beginnt seine Filmkarriere im nationalsozialistischen Deutschland, er verkörpert jugendliche Offiziere, die mit den besten Tugenden ausgestattet sind und sich besonders zur Propagierung nationalsozialistischer Wertvorstellungen eignen. Nach 1945 arbeitet er beim bundesdeutschen Film, gibt vielfach den Handwerker und Kumpel, spielt aber auch elegante Geschäftsleute und später kultivierte, sonore alte Herren.

Carl Raddatz wird am 13. März 1912 in Mannheim als Carl Werner Fritz Raddatz geboren. Sein Vater verdient seinen Lebensunterhalt als Bankbeamter. In seiner Heimatstadt besucht er auch die Oberrealschule. Mit 18 Jahren entscheidet er sich für den Schauspielberuf, nimmt Unterricht. Einer seiner Lehrer ist sein Schauspielkollege Willy Birgel. Nachdem er 1931 sein Abitur absolviert hat, debütiert er auf der Bühne des Nationaltheaters, wird im Fach des jugendlichen Charakterspielers und Bonvivants eingesetzt. Danach führen ihn verschiedene Engagement zwischen 1933 bis 1938 ans Stadttheater Aachen, an das Staatstheater Darmstadt sowie an das Theater der Stadt Bremen.

1937 steht der junge Schauspieler erstmals vor der Kamera, spielt in den nächsten Jahren in der Mehrzahl forsche und anständige, jugendliche Offiziere. In dem Propagandafilm URLAUB AUF EHRENWORT (1937) unter der Regie von Karl Ritter spielt er den Grenadier Dr. Jens Kirchhoff, der wie seine Kameraden mit den besten Soldatentugenden ausgestattet ist. Auch in der Folgezeit ist Carl Raddatz in nationalsozialistischen Propagandafilmen zusehen, etwa in dem Fliegerfilm STUKAS (1941), ebenfalls von Karl Ritter, als Gruppenkommandeur Hauptmann Heinz Bork, der bei einem Angriff verletzt wird. Nochmals steht er unter dem Regisseur vor der Kamera in ... ÜBER ALLES IN DER WELT (1941). Propagandistisch wird hier das Schicksal im Ausland befindlicher deutscher Staatsbürger thematisiert, auf die nach Ausbruch des Weltkrieges "Jagd" gemacht wird. In der Rolle des Fliegeroffizier Herbert Koch, einem Luftwaffenleutnant der Legion Condor, verliebt er sich während der Olympiade in Berlin in WUNSCHKONZERT (1941) in Inge Wagner (gespielt von Ilse Werner). Der Eduard von Borsody-Film gehört zu den erfolgreichsten nationalsozialistischen Filmen überhaupt. Unter der Maske des Liebesfilms verbergen sich wichtigste nationalsozialistischen Moralvorstellungen von Disziplin, Ehre, Mut und Opferbereitschaft. In HEIMKEHR (1941) von Gustav Ucicky, einen Propagandafilm, der angebliche polnische Übergriffe auf "Volksdeutsche" in Polen schildert, spielt er ebenfalls mit.

In den Melodramen von Veit Harlan, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges entstehen, spielt Carl Raddatz jeweils die männliche Hauptrolle an der Seite von Kristina Söderbaum. In IMMENSEE (1943) wie OPFERGANG (1944) ist nicht die Rede von Krieg, von Nationalsozialismus oder Rassismus, aber trotzdem entfalten diese hochgradig melodramatischen Stoffe durch ihre offen zur Schau getragene Ausweglosigkeit und Opferbereitschaft Todessehnsucht. Erst kurz vor Kriegsende gelangt OPFERGANG (1944) in die deutschen Kinos und ein Millionenpublikum sieht ihn sich an, um das Leid der Bombenhagel mit Hilfe des scheinbar viel größeren Leids auf der Leinwand zu vergessen. Einer der letzten Filme Carl Raddatz im nationalsozialistischen Deutschland wird UNTER DEN BRÜCKEN (1945) von Helmut Käutner. Er gibt Hendrik Feldkamp, Besitzer eines Schleppkahns, der sich wie sein Freund Willy, in die junge Anna verliebt. Der Film hebt sich wohltuend von seinen anderen Produktionen ab.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat der Schauspieler keine Schwierigkeiten, weiter in seinem Beruf tätig zu sein. Eines seiner Hauptbetätigungsfelder wird das Theater. 1951 geht er an das Deutsche Theater Göttingen, wechselt 1958 an die Staatlichen Schauspielbühnen Berlin. Ab den 1960er Jahren konzentriert er sich zunehmend auf die Theaterarbeit, bis in die 70er Jahre ist er neben Bernhard Minetti, Berta Drews und Martin Held einer der großen Protagonisten auf den Westberliner Bühnen. Er überzeugt vor allem in dem Carl Zuckmayer-Stück "Des Teufels General", als Pozzo in Samuel Becketts "Warten auf Godot" und als Cornelius Melody in Eugene O'Neills "Fast ein Poet". Für seine darstellerischen Leistungen wird er 1972 zum Ehrenmitglied der Staatlichen Berliner Bühnen ernannt.

Auch im Film wird er einer der letzten großen Ufa-Stars, der es auch nach 1945 noch zu großer Popularität bringt. Vor der Filmkamera arbeitet er wieder mit dem Regisseur Helmut Käutner bei dem Episodenfilm IN JENEN TAGEN (1947) zusammen; hier rettet er unter Lebensgefahr ein Flüchtlingsmädchen mit Kind. In der Neuverfilmung von Effi Briest-Stoffes in ROSEN IM HEBRST (1950) von Rudolf Jugert verkörpert er den Major a. D. Crampas. In der Filmbiographie MADE IN GERMANY (1956) von Wolfgang Schleif spielt er den Wissenschaftler Ernst Abbe. Er ist als eleganter Geschäftsmann Konrad Hartog in dem bundesdeutschen Erfolgsfilm DAS MÄDCHEN ROSEMARIE (1958) von Rolf Thiele zu sehen. Gegen Ende des Jahrzehnts spielt er auch in internationalen Produktionen mit. Den Jons verkörpert er neben der italienischen Schauspielerin Giulietta Masina in JONS UND ERDME (1959) von Victor Vicas. Einer seiner vorerst letzten Kinofilme wird die US-amerikanische Produktion VERRAT AUF BEFEHL (1960) von George Seaton. Er verkörpert einen Deutschen, der einem schwedischen Industriellen zu Sabotagezwecken Staatsgeheimnisse der Nationalsozialisten anvertraut. Mitte der 70er Jahre kehrt er noch einmal vor die Kinokamera zurück. Carl Raddatz übernimmt die männliche Hauptrolle an der Seite von Hildegard Knef in der Hans Fallada-Verfilmung JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN (1975) von Alfred Vohrer. Er überzeugt als Otto Quangel, ein stiller Handwerker, der seinen ganz persönlichen Widerstandsfeldzug gegen die Nationalsozialisten nicht überlebt.

Neben seiner Film und Theaterarbeit ist Carl Raddatz ein gefragter Synchronsprecher und leiht unter anderem den amerikanischen Schauspielern Kirk Douglas, Humphrey Bogart, Robert Mitchum, Burt Lancaster und Robert Taylor seine Stimme. Ab Mitte der 60er Jahre entdeckt das bundesdeutsche Fernsehen den Schauspieler. Er gibt zum Beispiel den Preußenkönig in der Helmut Käutner-Verfilmung DIE PREUßISCHE HEIRAT (1973), spielt Johann Buddenbrook in dem 11-teiligen TV-Film BUDDENBROCKS (1979). Seinen letzten Auftritt vor der Kamera hat er in der DERRICK-Episode SOLO FÜR VIER (1990) von Franz Peter Wirth.

Carl Raddatz wird 1972 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, außerdem erhält er 1979 das Filmband in Gold für sein langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film. 1993 verweigert er die Auszeichnung "Professor ehrenhalber". Er protestiert damit gegen die Schließung des Schiller-Theaters durch den Berliner Senat.

Der Schauspieler ist in erster Ehe mit der Schauspielerin Hannelore Schroth verheiratet. Gemeinsam stehen sie auch vor der Kamera in UNTER DEN BRÜCKEN (1945) von Helmut Käutner. 1950 heiratet er Hildegard Matschke. seine Frau stirbt 1966. Eine dritte Ehe führt er mit Helga Cartsburg, die er 2001 heiratet. Carl Raddatz stirbt am 19. Mai 2004 in Berlin.

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