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Hans-Peter Minetti

Hans-Peter Minetti
Darsteller, Sprecher

* 21. April 1926
Berlin
Deutschland
† 10. November 2006
Berlin
Deutschland

HANS-PETER MINETTI • Biographie Seite 1/1

In mehr als 70 Kino- und Fernsehfilmen ist der Schauspieler Hans-Peter Minetti, Sohn des großen Bernhard Minetti, zu sehen. Im Ostteil Deutschlands ist er so bekannt wie sein Vater im Westteil des Landes. In vielen Fällen spielt Hans-Peter Minetti den aufrichtigen Revolutionär, den geradlinigen positiven Helden. Neben seiner darstellerischen Arbeit für Theater, Film und Fernsehen übernimmt der Schauspieler zahlreiche politische Funktionen und bewegt sich ganz selbstverständlich in der politischen Oberschicht von Staat und Partei, bleibt der politischen Linie bis zum Zusammenbruch der DDR treu.

Hans-Peter Minetti wird am 21. April 1926 in Berlin geboren. Sein Vater ist der Schauspieler Bernhard Minetti, seine Mutter die Schauspielerin Anne Gebhardt. Seine 1940 geborene Schwester Jennifer Minetti wird später genauso wie er den Beruf ihrer Eltern ergreifen. In Berlin-Steglitz besucht er die Volks- und Oberschule, steht in seiner Schulzeit in verschiedenen Laienspielgruppen auf der Bühne. 1942 wird er 16jährig Luftwaffenhelfer, später Flakkanonier bei der Deutschen Wehrmacht. Im März 1945 desertiert er und flieht zu seinen Eltern in die Lüneburger Heide.

Nach dem Ende des Krieges beginnt Hans-Peter Minetti in Kiel ein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte, holt in einem Vorsemester sein Abitur nach. Hier wird er auch 1946 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. 1947 setzt er das Studium in Berlin an der Humboldt Universität fort, wechselt später nach Hamburg. Neben seinem Studium schreibt er für die "Hamburger Volkszeitung", er möchte den Beruf des Journalisten ergreifen, wird Berichterstatter des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst (ADN). Zudem engagiert er sich politisch, wird Mitglied des Allgemeinen Studentenausschusses. An der Hamburger Studentenbühne fällt Hans-Peter Minetti als Schauspieler auf, sammelt in "Das Floß der Medusa" von Georg Kaiser erste Erfahrungen und Erfolge.

Auf Anraten vieler Freunde ist es dann doch die Schauspielerei, für die sich Hans-Peter Minetti entscheidet. Er lernt bei den Professoren Maxim Vallentin, Otto Lang und Ottofritz Gaillard an der Schauspielschule des Theaterinstituts in Weimar das Handwerk, besteht 1950 die Abschlussprüfung und wandert dann mit der Wanderbühne des "Jungen Ensemble" durch zahlreiche Städte der DDR. Hier steht er unter anderem als Perdican in der Komödie "Man spielt nicht mit der Liebe" nach Alfred de Musset auf der Bühne. 1952 ist er für eine Spielzeit am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin zu sehen, bis er zunächst am Maxim Gorki-Theater in Berlin eine Heimstätte findet. Hier agiert er unter anderem als Franz Moor in Friedrich Schillers "Die Räuber". 1956 wechselt er ans Deutsche Theater unter der Intendanz von Wolfgang Langhoff, bleibt dort für drei Jahre fest engagiert. Hans-Peter Minetti spielt den Baron Tusenbach in "Drei Schwestern" (1958) von Anton Tschechow in der Inszenierung von Heinz Hilpert, er gibt den Pawel Rjumin in Maxim Gorkis "Sommergäste" (1959) unter der Regie von Wolfgang Heinz. Besondere Aufmerksamkeit erlangt sein Major von Tellheim in "Minna von Barnhelm" (1960) nach Ephraim Lessing, inszeniert von Wolfgang Langhoff.

Die DEFA ist Mitte der 50er Jahre auf den jungen Schauspieler aufmerksam geworden. Mit seinen ersten Filmrollen wird er sofort zu einem Begriff. In den ERNST THÄLMANN-Filmen von Kurt Maetzig spielt er den Fiete Jansen, den Hamburger Werftarbeiter, der treu und opferbereit zum kommunistischen Führer steht. Er und seine Filmpartnerin Karla Runkehl, die seine Ehefrau Änne spielt, werden in der groß angelegten Film- und Heldenbiographie zu Identifikationsfiguren für den Zuschauer, da sie die kleinen Leute in den großen Wirren der Zeit repräsentieren. In der Folge ist Hans-Peter Minetti in zahlreichen DEFA-Filmen zu sehen, spielt unterschiedlichste Charaktere in den verschiedensten Genre.

In vielen Fällen gibt er den aufrichtigen Revolutionär, den geradlinigen positiven Helden. Regisseur Günter Reisch besetzt ihn in dem Kriminalfilm SPUR IN DIE NACHT (1957), unter Konrad Wolf spielt er in LISSY (1957) nach dem Roman "Lissy oder Die Versuchung" von Franz Carl Weiskopf den Bruder Paul Schröder, der zwar die SA-Uniform anzieht, aber dessen Kritik an den Kapitalisten nicht mehr gefällt und der deshalb ermordet wird. Einen Kriminalkommissar verkörpert er in TATORT BERLIN (1958) unter der Regie von Joachim Kunert. Regisseur Heinz Thiel gibt ihm in dem Spionagestreifen IM SONDERAUFTRAG (1959) die Hauptrolle des Kapitänleutnant Fischer, der ein Minenräumkommando vor Kap Arkona führt. Nochmals arbeitet er mit dem Regisseur in zwei weiteren Filmen zusammen. Für einen harmlosen Auftrag in Stockholm mit lukrativer Entlohnung lässt er sich als Ingenieur Erich Becker in RESERVIERT FÜR DEN TOD (1963) vom Geheimdienst anwerben, will aber keinen Mord begehen und besteht deshalb den Zuverlässigkeitstest nicht. In dem Werbefilm für den Marine-Wehrdienst HART AM WIND (1970) gibt er den erfahrenen Kapitän Baumert, der die persönlichen Probleme seiner Soldaten zu lösen weiß.

In Kinder- und Märchenfilm ist Hans-Peter Minetti häufiger Gast. In dem Märchenfilm DER TEUFEL VOM MÜHLENBERG (1955) von Herbert Ballmann gibt er den jungen Müller Jörg, der sich gegen die Unterdrückung von Burgvogt und Dorfschulzen wehrt. In dem Kinderfilm TINKO (1957) von Herbert Ballmann ist er der Lehrer, der dem jungen Tinko zur richtigen Entscheidung verhilft. Als Major der Volkspolizei hilft er den Kindern in dem Kriminalfall AUF DER SUCHE NACH DEM WUNDERBUNTEN VÖGELCHEN (1964) von Rolf Losansky. In SCHNEEWEIßCHEN UND ROSENROT (1979) von Siegfried Hartmann spielt er den bösen und garstigen Berggeist, der seine Schätze vor dem Zugriff der Menschen bewahren will.

Im Fernsehen der DDR ist der Darsteller ebenfalls sehr präsent. Hier sind es häufig historische Persönlichkeiten, denen er mit seiner Ausdruckskraft Gestalt verleiht. Er spielt Carl von Ossietzky in der gleichnamigen Filmbiografie von Richard Groschopp, die mit großer Authentizität vom letzten Lebensjahrzehnt des Publizisten erzählt. Ein weiterer Fernseherfolg wird DR. SCHLÜTER (1965) von Achim Hübner. In dem fünfteiligen TV-Film ICH - AXEL CÄSAR SPRINGER (1970) von Helmut Krätzig ist er ebenfalls zu sehen. In dem aufwendig inszenierten TV-Fünfteiler MARTIN LUTHER (1983) unter der Regie von Kurt Veth verkörpert er den Dominikaner und Ablasshändler Johannes Tetzel.

Im Frühling 1975 wird Hans-Peter Minetti Direktor der Berliner Schauspielschule. Bis 1987 übt er diese Funktion aus. Um seinen Studenten das Handwerk praktisch nahe zu bringen, schließt er einen Gastvertrag mit dem Berliner Ensemble ab. Hier steht er als Kaiser von China in "Turandot" nach Carlo Gozzi auf der Bühne, spielt den Papst Urban VIII. in "Das Leben des Galilei" und den Feldprediger in "Mutter Courage und ihre Kinder", beide nach Bertolt Brecht. An der Volksbühne gibt er den König in Shakespeares "Ende gut - alles gut". In Rostock am Volkstheater spielt er den Einstein in Ernst Schumachers "Die Versuchung des Forschers" in der Regie von Hanns-Anselm Perten. Nach seinen Erzählungen schreibt Helmut Baierl ihm das Stück "Stolz auf 18 Stunden" über den Kieler Matrosenaufstand auf den Leib. Ein Erfolg wird auch "Salut an alle. Marx" (1976), eine szenische Montage von Texten, die im Theater im Palast (TiP) aufgeführt wird. Besonders bestechen seine abendfüllenden Monologe und Einpersonenstücke. Außerdem spricht Hans-Peter Minetti zahlreiche Schallplatten und Hörbücher ein, unter anderem den Tannenhäuser und gemeinsam mit seiner Ehefrau Liebesgedichte.

Hans-Peter Minetti, seit 1950 Mitglied der SED, ist neben seiner darstellerischen Tätigkeit auch immer politisch aktiv und bewegt sich selbstverständlich in der politischen Oberschicht der DDR. In den 50er Jahren ist er Mitglied des Zentralrates der Freien Deutschen Jugend, reist zu den Weltfestspielen nach Warschau und Moskau. 1958 wird er Kandidat des Zentralkomitees der SED, ist zudem Mitglied des Weltfriedensrates, Präsident der Gesellschaft "Neue Heimat - Vereinigung in der DDR für die Verbindung mit Bürgern deutscher Herkunft im Ausland" in der Liga für Völkerfreundschaft und Vorsitzender des Zentralvorstandes Kunst. Nach seinem Abschied von der Theaterschule ist er seit 1984 Präsident des Verbandes der Theaterschaffenden der DDR. In dieser Funktion argumentiert er im November 1989 gegen einen Mitaufruf zur Massendemonstration der Hunderttausenden am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz, die heute als eine Initialzündung zur Auflösung der DDR noch vor dem Fall der Mauer gilt. Mit seinen zahlreichen Funktionen gehört er zu den kulturpolitisch einflussreichsten Personen des Landes, bleibt der politischen Linie von Staat und Partei treu. Nach dem Zusammenbruch der DDR tritt er von allen Ämtern zurück.

Wegen seiner Verbindung zur politischen Elite der DDR und seiner staatsnahen Haltung wird Hans-Peter Minetti im wiedervereinigten Deutschland scharf kritisiert. Er arbeitet weiterhin für das Theater, stellt sich mit Lesungen und Rezitationsabenden in Liechtenstein, Luxemburg, der Schweiz und Österreich dem Publikum. In Berlin ist er auch weiterhin auf der Bühne zu sehen, arbeitet im "Theater des Ostens", einem Tourneetheater, spielt 1991 den Edgar in August Strindbergs "Totentanz" und 1992 den Alten in Eugène Ionescos Bühnenstück "Die Stühle". Zudem ist er 1993 in St. Gallen als Bruscon in Thomas Bernhards Stück "Der Theatermacher" zu sehen. Außerdem reist er mit Irma Münch durch das Land und tritt mit einem Lyrik-Programm auf, in dem sie erotische Texte aus acht Jahrhunderten deutscher Literatur präsentieren. 1997 veröffentlicht er unter dem Titel "Erinnerungen" seine Autobiographie.

Hans-Peter Minetti ist in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Irma Münch verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Daniel Minetti (geb. 1958) ist ebenfalls Schauspieler. Die Familie lebt in Berlin.

Hans-Peter Minetti stirbt am 10. November 2006 im Alter von 80 Jahren in Berlin an Herzversagen.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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