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Theo Lingen

Theo Lingen
Darsteller

* 10. Juni 1903
Hannover
Deutschland
† 10. November 1978
Wien
Österreich

THEO LINGEN • Biographie Seite 1/1

Die hohe und näselnde Stimme von Theo Lingen dürfte vielen Filmliebhabern unvergessen bleiben. In mehr als 150 Filmen hat der Schauspieler mitgespielt. Er wird zum perfekten Diener mit formvollendeter Etikette, spielt exzaltierte Aristokraten, gibt diversen kleinen Berufsgruppen wie Postboten, Küchenchefs oder Torhüter eine ganz spezielle Note. Theo Lingens Darstellungen und Pointen sitzen. Er ist ein Paradekomiker, der in mehr als 40 Jahre mehrere Zuschauergenerationen zum Lachen bringt.

Theo Lingen wird als Franz Theodor Schmitz am 10. Juni 1903 in Hannover geboren. Sein Vater ist ein erfolgreicher Justizrats. In Hannover besucht er das Gymnasium und schafft es bis zur Unter-Prima. Sein Vater möchte, daß er ebenfalls den graden Weg der Juristerei einschlägt. Aber Theo Lingen möchte etwas anderes, schon immer will er auf die Bühne.

Mit 18 Jahren debütiert er auf an der Schauburg in seiner Heimatstadt. Seine nächsten Theaterstationen sind Halberstadt, Münster, aber 1926 steht der junge Mime in Frankfurt, am Main auf der Bühne. 1929 ist der Schauspieler in Berlin angelangt. Er spielt den Macheath in dem Bertolt Brecht und Kurt Weil-Stück "Die Dreigroschenoper" am Theater am Schiffbauerdamm in der Regie von Erich Engel. Von 1936 bis 1944 tritt er am Preußischen Staatstheater unter dem Intendanten Gustaf Gründgens und im Komödienhaus auf. Besonders erfolgreich ist er in Shakespeare-Stücken, als Malvolio "Was ihr wollt" oder Britannus in "Cäsar und Cleopatra". Zeit seines Lebens wird er auf der Bühne stehen, in dramatischen Stücken ebenso wie in Kabaretts und Revuen, besonders in Komödien will ihn das Publikum immer wieder sehen. Bald fällt sein komisches Talent auch dem Film auf.

Ab 1930 arbeitet der Schauspieler auch für die Ufa. Bevorzugt wird er in Komödien und Lustspielen mit viel Musik eingesetzt. Entkommen kann er dieser Festlegung kurz in den Fritz Lang-Filmen M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (1931) als freundlicher Bauernfänger und in DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (1933). Danach spielt er fast ausschließlich komische Rollen. Bekannt und bliebt beim Publikum ist seine Figur des Dieners, der in einer desolaten und chaotischen Situation immer um sichernde Formalität bemüht ist. In diesen Situationen bleibt der Schauspieler einfach ernst und erzielt damit die größte komische Wirkung.
Er tritt in zahlreichen Filmen auf, gezählt sind mehr als 150. Zu seinen Stamm-Regisseuren gehören E. W. Emo und Geza von Bolvary, die ihn immer wieder in ihren Lustspielen besetzen. Gemeinsam mit den Filmpartner Hans Moser wird er zum Liebling der damaligen Zeit. Ab 1936 tritt der Schauspieler mit eigenen Regie-Arbeiten hervor. Er dreht fast 20 Spielfilme, zu denen er häufig auch das Drehbuch verfaßt.

Nach dem II. Weltkrieg 1945 gründet Theo Lingen gemeinsam mit Paul Kemp und Johannes Heesters die Wanderbühne Künstlergemeinschaft Bad Ischl. Ein Jahr später erhält er die österreichische Staatsbürgerschaft. Er spielt am Wiener Burgtheater, später steht er wieder auf der Bühnen in Deutschland, in Hamburg, Berlin, Düsseldorf. Ausgedehnte Tournee führen ihn durch Europa, nach Südamerika.

Der Film bietet dem Schauspieler nichts Neues. In den 50er Jahren werden zahlreiche Remakes seiner erfolgreichen Tonfilme gedreht. Theo Lingen gehört wie die Berge zum Inventar von Heimatfilmen, ist in zahlreichen Schwänken dabei und spielt auch viel Klamauk. Ab und an kann der Mime im Fernsehen beweisen, was er eigentlich kann, so etwas als Riccaut de la Marlinière in "Minna von Barnhelm" (1963) . Zudem arbeitet er als TV-Moderator, Karikaturist und ist Verfasser eigener Bühnenstücke und Operettenlibretti. 1963 erscheint seine Autobiographie "Ich über mich. Interview eines Schauspielers mit sich selbst".

Theo Lingen ist mit der Sängerin Marianne Zoff, geschiedene Brecht, verheiratet. 1928 wird ihr gemeinsames Kind Ursula Lingen geboren, die später auch als Schauspielerin arbeiten wird. Zur Familie gehört noch die Brecht-Tochter Hanne Hiob, ebenfalls spätere Schauspielerin. Während der Hitler-Herrschaft hilft Theo Lingen seiner halbjüdischen Gattin und den Kinder über alle Anfeindungen hinweg. Der Schauspieler stirbt am 10. November 1978 in Wien.

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