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Hertha Thiele

Hertha Thiele
Darsteller

* 08. Mai 1908
Leipzig
Deutschland
† 05. August 1984
Berlin
Deutschland

HERTHA THIELE • Biographie Seite 1/1

Der Höhepunkt der Karriere der Schauspielerin Hertha Thiele liegt zwischen 1931 und 1933. In diesen zwei Jahren spielt sie in 11 Filmen mit. Mindestens zwei davon gehören in den Kanon deutscher Filmgeschichte: MÄDCHEN IN UNIFORM (1931) prangert das strenge preußische Erziehungssystem an; KUHLE WAMPE ODER WEM GEHÖRT DIE WELT? (1932) ist der erste proletarisch-revolutionäre Film Deutschlands. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verweigert sich die Schauspielerin. Sie muß ihr Heimatland verlassen.

Hertha Thiele wird am 08. Mai 1908 in Leipzig geboren. Ihr Vater ist Schlossermeister. Nach ihrem Abitur nimmt sie Schauspielunterricht. Mit 20 Jahren steht sie erstmals auf der Bühne, spielt am Schauspielhaus in ihrer Heimatstadt in dem Ferdinand Bruckner-Stück "Krankheit der Jugend".

Bereits ein Jahr später feiert die junge Schauspielerin einen Bühnenerrfolg als Manuela von Meinhardis in "Ritter Nerestan" von Christa Winsloe. Als junges Mädchen in einem strengen Stift fühlt sie sich zu ihrer Lehrerin hingezogen. Letzlich zerbricht sie an der "verbotenen" Liebe, begeht Selbstmord. Der Stoff wird 1931 verfilmt und macht Hertha Thiele über Nacht einem großen Publikum bekannt. Der Film MÄDCHEN IN UNIFORM (1931) unter der Regie von Carl Froelich prangert das strenge Erziehungssystem an. Die Partnerin von Hertha Thiele wird gespielt von Dorothea Wieck. Das Theaterstück wird entschärft und mit einem glücklichen Ende versehen. Auch wenn die Schauspielerin jetzt mit Filmangeboten überhäuft wird, bleibt Hertha Thiele der Theaterarbeit neben ihrer Filmarbeit treu. Sie arbeitet auf der Bühne mit Regisseuren wie Ernst Legal, Max Reinhardt und Jürgen Fehling zusammen, macht sich auf den Bühnen von Berlin einen guten Namen.

Auch ihr nächster Film wird ein Beitrag mit sozialem Engagement. In der Prometheus-Filmproduktion KUHLE WAMPE ODER WEM GEHÖRT DIE WELT? (1932) spielt sie unter der Regie von Slatan Dudow mit dem Sänger Ernst Busch an ihrer Seite. Hertha Thiele ist Annie, eine junge Frau, die sich erst nach und nach ihrer Selbstständigkeit bewußt wird und sich zudem der linken Bewegung anschließt. Der Film gilt heute als Klassiker - es ist der erste proletarisch revolutionäre Film Deutschlands.

Bis 1933 ist die Schauspielerin viel beschäftigt. Sie agiert unter anderem in DAS ERSTE RECHT DES KINDES (1932) von Fritz Wendhausen, spielt in REIFENDE JUGEND (1933) von Carl Froelich. In ANNA UND ELISABETH (1933) unter der Regie von Frank Wisbar spielt sie eine ähnliche Rolle wie in MÄDCHEN IN UNIFORM (1931).

Nach 30. Januar 1933 erhält sie von den neuen Machthabern ein Filmangebot. Sie soll in dem Propagandafilm HANS WESTMAR (1933) mitspielen, verweigert sich aber. Dies und weitere Anschuldigen als linke Sympathisantin führen zu massiven Arbeitseinschränkungen, 1936 wird sie aus der Reichsfilmkammer ausgeschlossen. Dies kommt einem Berufsverbot gleich. Im Januar 1937 emigriert Hertha Thiele in die Schweiz. Hier muß sie für ihren Lebensunterhalt artfremde Arbeiten ausüben, ist unter anderem als Hausangestellte tätig. Erst ab 1942 erhält sie ein Engagment am Stadttheater in Bern.

1949 siedelt Hertha Thiele in die DDR über. Die Schauspielerin findet Arbeit beim Berliner Rundfunk. Aber ihr Traum ist es, ein Theater zu gründen und zu leiten. Leider hat sie damit aber keinen Erfolg, kehrt der DDR 1951 den Rücken. Mehrere Jahre hält sie sich wieder in der Schweiz auf, ist weiterhin in Bern am Theater beschäftigt. Zeitweise arbeitet sie als Hilfschwester in einer Psychatrie, bis sie 1966 nochmals in die DDR geht. Mitte der 60er Jahre ist das Terrain für die nunmehr 58jährige günstiger. Als Schauspielerin überzeugt sie an verschiedenen Bühnen des Landes, in Magdeburg, Leipzig und später in Berlin.

Auch die ostdeutsche Filmproduktionsfirma DEFA wird auf die Darstellerin aufmerksam. Hertha Thiele agiert wieder vor der Kamera, meistens in Nebenrollen. Sie spielt ihrem Alter entsprechend Mütter und gestandene Arbeiterfrauen, unter anderem ist sie mit einer größeren Rolle in DIE UNVERBESSERLICHE BARBARA (1977) unter der Regie von Lothar Warneke zu sehen. Auch das Fernsehen der DDR bietet ihr regelmäßig Rollen. Sie gehört von 1968 bis 1979 dem Ensemble des Deutschen Fernsehfunk an.

Die Schauspielerin heiratet Mitte der 30er Jahren ihren Kollegen Heinz Klingenberg. In zweiter Ehe ist sie mit einem Schweizer verheiratet, der ihr auch in die DDR folgt.
Hertha Thiele stirbt am 05. August 1984 in Berlin.

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