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Ossi Oswalda

Ossi Oswalda
Drehbuch, Mitarbeit, Darsteller, Produzent

* 02. Februar 1887
Berlin
Deutschland
† 17. Juli 1947
Prag
Tschechische Republik
andere Namen Fräulein Storry

OSSI OSWALDA • Biographie Seite 1/1

Ossi Oswalda wird auch die "deutsche Mary Pickford" genannt. Sie ist der Star in den frühen Komödien des Regisseurs Ernst Lubitsch und fällt durch ihre ungezügelten, lustigen und ausschweifenden Darstellungen auf. In ihren Rollen verkörpert die Schauspielerin meistens junge Töchter und Frauen, die grell, lebenslustig und anmaßend ihre Wünsche durchsetzen. Sie spielt aufgekratzt lustig und aufgeklärt erotisch; trifft mit ihrem lust- und körperbetonten Temperament den Nerv der Zeit, gilt aber auch einigen zeitgenössischen Kritikern als zu wild, derb und roh.

Ossi Oswalda wird am 02. Februar 1897 [einige Quellen nennen andere Jahreszahlen: 1898, 1899 oder 1900] als Oswalda Stäglich in Niederschönhausen, nördlich von Berlin geboren. Ihr Vater ist Gymnasiallehrer; ihre taubstumme Mutter Hausfrau. Im Alter von vier Jahren verliert sie ihren Vater. Früh erhält sie Ballett- und Tanzunterricht, wird von der Primaballerina Eva Peter in Berlin ausgebildet. Sie arbeitet danach als Chortänzerin in einem Berliner Theater. 1916 entdeckt sie dort auf der Bühne der Drehbuchautor Hanns Kräly. Er macht seinen Regisseur Ernst Lubitsch auf die junge Darstellerin aufmerksam. Neben Pola Negri wird sie zur Stamm-Schauspielerin des Regisseurs.

In den Rollen der frühen Komödien des Regisseurs avanciert Ossi Oswalda zum Star; sie spielt ungezügelt und ausschweifend; wild und derb trifft sie mit ihrem lust- und körperbetonten Temperament den Nerv der Zeit. In SCHUHPALAST PINKUS (1916) verkörpert sie die Tochter des Schumachers, mit der der Lehrling Sally Pinkus (gespielt von Ernst Lubitsch) anbandelt. In DER G.M.B.H. TENOR (1916) ist sie das Kusinchen eines sangesfreudigen Lehrlings. Eine Tochter spielt sie auch in der Komödie WENN VIER DASSELBE TUN (1917): Hier mündet die Geschichte von ihr und ihrem Vater in eine glückliche Doppelhochzeit. In PRINZ SAMI (1918) verkörpert sie die Herzogin Marga von Aragonien, die sich in den ungeschliffenen Prinzen aus Negerien verliebt. Eine verwöhnte Tochter, die den Mann ihrer Wahl bekommt, gibt sie in DER RODELKAVALIER (1918). Ihre Tanzkünste kann sie als Primaballerina in DAS MÄDEL VOM BALLETT (1918) beweisen. Eine Filmschauspielerin verkörpert sie in MEINE FRAU, DIE FILMSCHAUSPIELERIN (1919).

In der Travestie ICH MÖCHTE KEIN MANN SEIN (1919) hat sie eine Vorliebe für Zigaretten, scharfe Getränke und Poker, verkleidet sich auch als Mann und besucht ein Tanzlokal. Erst durch die Liebe zu ihrem Vormund und Hauslehrer, der sie dort als Mann küsst, erkennt sie ihre wahre Bestimmung. Kritiker schätzen die Darstellung von Ossi Oswalda in dieser Komödie als ihre beste ein: Der Frack legt ihr eine Körperdisziplin auf, die sie in vielen weiblichen Kostümen vermissen lässt. Hier kann sie grob und verschlagen sein, aber auch ihre verletzlichen Seiten zeigen. Ihre körperliche Unbändigkeit kann sie auch in einem ihrer nächsten Filme unter Beweis stellen. In DIE AUSTERPRINZESSIN (1919) agiert sie als verwöhnte Tochter, die unbedingt einen Adligen heiraten will. Ungeduldig will sie ihren Wunsch erfüllen, zeigt keinerlei Unterwürfigkeit gegenüber den männlichen Figuren der Geschichte. In DIE PUPPE (1919) springt sie als Tochter des Puppenmachers ein und spielt eine mechanische Puppe. Ihr komödiantisches Talent ist hier gezügelt, der Film aber trotzdem komisch, da er mit den Vorstellungen von echt und falsch spielt. Der letzte gemeinsame Film mit Ernst Lubitsch wird DIE WOHNUNGSNOT (1920).

Als die Zusammenarbeit mit Ernst Lubitsch zu Ende ist, gründet die Schauspielerin 1921 eine eigene Produktionsfirma - die Ossi Osswalda-Film. Sie produziert einige Filme, in denen sie meist auch die weibliche Hauptrolle spielt. Eine enge Zusammenarbeit ergibt sich mit Victor Janson, der bei den fünf Filmen, die in der Folge bis 1925 entstehen, Regie führt. Für das Berliner Mädel, welches sie in den Lubitsch-Komödien verkörpert, ist die Schauspielerin mittlerweile zu alt. Sie wechselt ins Fach der eleganten Dame. Mitte der 20er Jahre kehrt sie zur Universum-Film AG (Ufa) zurück, erhält dort einen festen Vertrag. Neben Harry Liedtke, Harry Piel und Trude Hesterberg zählt sie immer noch zu den beliebtesten Darstellerinnen Deutschlands, da das deutsche Publikum eher Abenteuer-, Operetten- und Kabarettfilme sehen will, statt abgehobene Kunstfilme.

Erstmals steht sie mit Willy Fritsch in BLITZZUG DER LIEBE (1925) unter der Regie von Johannes Guter vor der Kamera. In der spritzigen Komödie macht jeder jeden eifersüchtig und am Ende kommt es zu einer wahren Doppeltrauung. Der Regisseur Max Mack arbeitet mehrfach mit ihr zusammen. In gemeinsamer Arbeit entsteht DAS MÄDCHEN MIT DER PROTEKTION (1925), in dem sie ein Provinzmädchen spielt, welches in Berlin zum Revue-Star aufgebaut wird. Als ihr Freund die Protektion ablehnt, kehren beide in die Provinz zurück, um zu erkennen, dass manchmal Hilfe für eine Karriere auch nicht zu verachten ist. In DIE FAHRT INS ABENTEUER (1926) spielt sie wieder mit dem jungen Willy Fritsch zusammen. Sie gibt ein resolutes Mädchen, welches ihrem schüchternen Bruder überall nachreist, um ihm aus der Patsche zu helfen, die sein trügerischer Diener verursacht. Ein weiterer Filmpartner ist Mitte der 20er Jahre der populäre Darsteller Harry Liedtke. Mit ihm ist sie in DAS MÄDEL AUF DER SCHAUKEL (1926) von Felix Basch und in EINE TOLLE NACHT (1927) von Richard Oswald zu sehen. In letzterem verkörpert sie die Berliner Varieté-Tänzerin Margot Olschinsky, für die ein Insektenpulverfabrikant schwärmt.

Als die Ära des Tonfilms beginnt, kann sich Ossi Oswalda nicht auf der Leinwand behauptet. Sie kehrt für kurze Zeit auf die Theaterbühne zurück und ist unter anderem in der Operette "Rosen aus Florida" von Leo Fall zu sehen, tritt auch in Wien in der Operette "Der Graf von Luxemburg" unter der Leitung von Franz Lehar bei den Festwochen auf. Anfang der 30er Jahre ist sie in ihren zwei letzten Filmen zu sehen: Unter der Regie von Georg Jacoby spielt sie in DER KEUSCHE JOSEF (1930) eine Messerwerferin. In DER STERN VON VALENCIA (1933) von Alfred Zeisler verkörpert sie zum wiederholten Male eine Varieté-Tänzerin. Danach zieht sich die Schauspielerin aus dem öffentlichen Leben zurück.

In erster Ehe ist die Schauspielerin mit dem Baron Gustav von Koczian verheiratet. Ihr Ehemann führt die Geschäfte der Produktionsfirma Ossi Osswalda-Film. Später lebt sie mit dem Produzenten Julius Außenberg zusammen.

Ossi Oswalda stirbt völlig verarmt am 17. Juli 1947 [einige Quellen nennen den 01. Januar 1948] in Prag.

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