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Judy Winter

Judy Winter
Darsteller

* 04. Januar 1944
Friedland (Oberschlesien)
Deutschland
andere Namen Beate Richard

JUDY WINTER • Biographie Seite 1/1

Judy Winter ist eine der gestandenen Schauspielerinnen Deutschlands. In wenigen Kinofilmen ist sie zu sehen. Sie konzentiert sich auf ihre Theaterauftritte, will den Kontakt zum Publikum. Als "Marlene" auf der Bühne des Berliner Renaissance Theaters gibt es stehende Ovationen. Mit dem Stück tourt sie durch Deutschland, wochenlang spielt sie vor ausverkauften Sälen in Japan und Moskau. Kritiker wie Publikum sind hingerießen; ein Journalist schreibt "Marlene lebt und heißt jetzt Judy Winter".

Judy Winter wird am 04. Januar 1944 als Beate Richard in Friedland (Oberschlesien) geboren. Ihr Vater ist Journalist, ihre Mutter Tänzerin. Nach dem Ende des II. Weltkrieges siedelt die Familie nach Westdeutschland, Stationen sind Hannover, Bielefeld und letztlich Heidelberg. Sie nimmt früh klassischen Ballettunterricht. Im Heidelberger Theater brilliert sie als 13jährige Ballett-Elevin mit ihren solististischen Auftritten. Doch ihr Traum, Ballettänzerin zu werden, erfüllt sich nicht: Sie ist zu groß gewachsen.

Mit 17 Jahen nimmt sie Schauspielunterricht in Stuttgart. Der Regisseur und Intendant Peter Zadek entdeckt sie bei einem Vorsprechen und engagiert sie ans Theater in Ulm. 1962 gehen beide nach Bremen. Nunmehr nennt sie sich Judy Winter - als Hommage an die Hollywood-Stars Judy Garland und Shelley Winters. In der Folge spielt die junge Schauspielerin an diversen Bühnen in Westdeutschland. Sie steht auf der Theaterbühne in Bremen, in Berlin am Renaissance Theater, in Hamburg am Thalia Theater und dem Ernst-Deutsch-Theater. Sie wird bevorzugt in modernen Stücken eingesetzt, spielt in Anton Tschechows "Der Kirschgarten", in Ingmar Bergmans Klassiker "Die Herbstsonate" oder in Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder".

Judy Winter ist eine der ersten Schauspielerinnen, die ein in Deutschland noch relativ unbekanntes Genre dem Publikum nahebringen - das Musical. Die Schauspielerin kann ihre Begabung in "Chicago", als Eliza in "My Fair Lady" und in "Hello Dolly" erfolgreich unter Beweis stellen. Seit Ende der 1990er Jahre singt sie am Berliner Renaissance Theater "Marlene". In mehr als 500 Aufführungen begeistert sie das Publikum, Tournees nach Japan und Rußland folgen. Derzeit steht die Schauspielerin wiederum auf der Bühne des Renaissance-Theater in Berlin und überzeugt in der Krimi-Komödie "Acht Frauen", in der sie die souveräne und böse Herrin gibt. Mehrmals erhält sie für ihre Darstellung in den beiden Stücken den "Goldenen Vorhang", den Berliner Publikumspreis.

Seit Mitte der 1960er Jahre arbeitet Judy Winter auch für das Fernsehen. In der TV-Serie "Tatort" ist sie bei einem der erfolgreichsten Teil dabei. Sie spielt die Ehefrau des ungetreuen Studienrats Fichte in "Das Reifezeugnis" unter der Regie von Wolfgang Petersen. In weiteren Serie hat sie Auftritte, darunter "Derrick", "Wolfs Revier" oder "Ein Fall für zwei". Die Schauspielerin ist in vielen TV-Spielen zu sehen.

Ihr Erfolg auf der Theaterbühne bringt auch Filmangebote. Judy Winter spielt meist komplexe Frauenfiguren, die es sich nicht einfach machen. Die Kinozuschauer sehen sie erstmals 1970 als Silvia in DAS GELBE HAUS AM PINNASBERG (1970) auf der großen Leinwand. Einem breiten Publikum wird die Schauspielerin bekannt durch Filme wie UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (1971) in der Regie von Alfred Vohrer, DER LORD VON BARMBECK (1973) von Ottokar Runze oder der schwedischen Produktion DER MANN, DER SICH IN LUFT AUFLÖSTE (1980). Mitte der 1980er Jahre spielt Judy Winter die Dr. Katia Michelsberg in einem der erfolgreichsten Filme der DEFA-Filme der Zeit DIE ÄRZTINNEN (1984) unter der Regie von Horst Seemann an der Seite von Inge Keller und Rolf Hoppe. Unter der Regie von Cordula Trantow spielt sie neben Wolfgang Reichmann in dem Psychokrimi BESUCH (1989) grandios die Doppelrolle der Karrierefrau Laura bzw. der verwahrlosten Zwillingsschwester Sibylle. Nach langer Kinoabstinenz ist sie in dem zweiten Teil von NEUES VOM WIXXER (2007) von Cyrill Boss und Philipp Stennert in einer Nebenrolle zu sehen. Neben Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka und Oliver Welke, die auch gemeinsam für das Drehbuch veranwortlich zeichnen, mimt Judy Winter die Nonne Lucipha.

Neben ihrer Arbeit auf der Theaterbühne und bei Film und Fernsehen hat sich Judy Winter auch einen Namen als Synchronsprecherin gemacht. Sie leiht ihre Stimme unter anderem solch herausragenden Schauspielerinnen wie Faye Dunaway, Annie Girardot und Vanessa Redgrave. Bei der Synchronisation des Ingmar Bergman-Films SZENEN EINER EHE (1977) spricht sie den Text von Liv Ullmann und erhält für ihre Leistung 1977 eine "Goldene Kamera".

Am 09. September 2001 wird die Künstlerin für ihr langjähriges Engagement in der Aids-Hilfe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Darüber hinaus setzt sie sich aktiv für die Hilfsaktion "Kinder im Irak" ein.

Judy Winter ist mit dem Jazz-Musiker Rolf Kühn verheiratet. Sie lebt in Berlin-Charlottenburg.

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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008

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