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Barbara Sukowa

Barbara Sukowa
Darsteller

* 02. Februar 1950
Bremen
Deutschland

BARBARA SUKOWA • Biographie Seite 1/1

Die für ihre Wandelbarkeit bekannte Schauspielerin Barbara Sukowa ist sowohl auf der Bühne als auch auf der Leinwand ein internationaler Star. Als Schützling von Rainer Werner Fassbinder beginnt für sie Anfang der 1980er Jahre eine Film-Karriere, die die Charakterdarstellerin zum Publikums- und Kritikerliebling werden lässt. Äußeres Markenzeichen ist ihre blonde Lockenpracht, darstellerisch überzeugt sie mit Frauenfiguren, die bedingungslos für ihre Ideale eintreten. Ob als Intellektuelle, Kämpferin oder sinnliche Verführerin - die Frauen der Barbara Sukowa enthalten immer das gewisse Etwas, das ihre weiblichen Heldinnen besonders werden lässt.

Barbara Sukowa wird am 2. Februar 1950 in Bremen geboren. Nach dem Abitur in Bremen beginnt sie 1968 eine Schauspielausbildung an der Max Reinhardt-Schule in Berlin. Nach kleineren Rollen an Theatern in mehreren deutschen Städten hat sie ihren ersten großen Auftritt in Peter Handkes Bühnenstück "Der Ritt über den Bodensee", das 1971 an der Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin aufgeführt wird. Im gleichen Jahr noch wird sie durch den Intendanten und Regisseur Günther Beelitz am Darmstädter Staatstheater verpflichtet. Es folgt eine Reihe schnellerer Arbeitsplatzwechsel, die der jungen und lebenshungrigen Frau offenbar sehr gelegen kommen. So geht Barbara Sukowa 1973 für ein Engagement nach Bremen, um bereits im nächsten Jahr ein Angebot des Regisseurs Luc Bondy in den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main anzunehmen. Hier bekleidet sie unter anderem Rollen in dem Stück "Hochzeit des Papstes" von Edward Bonds und dem französischen Klassiker "Unbeständigkeit der Liebe" von Pierre de Marivaux.

In den Jahren 1976 bis 1980 ist Barbara Sukowa festes Ensemblemitglied am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Sie spielt hier ihre vorerst wichtigsten Rollen, wie die Regine in Henrik Ibsens "Gespenster" 1977 und Lucie in Goethes "Stella" unter der Regie von Luc Bondy und Wilfried Minks. 1978 verkörpert sie die Helena in William Shakespeares "Ein Sommernachtstraum". Nach einiger Zeit am Hamburger Thalia-Theater kehrt Barbara Sukowa der Hansestadt den Rücken. Bei den Salzburger Festspielen 1980 spielt sie Rosalinde in Shakespeares "Wie es euch gefällt", infolgedessen sie ein Engagement am Bayrischen Staatsschauspiel in München erhält. Drei Jahre später wird Barbara Sukowa von der Zeitschrift "Theater heute" zur Schauspielerin des Jahres 1983 gekürt. Eingebracht hat ihr diesen Preis die Rolle der Hilde Wangel in Peter Zadeks Inszenierung des Stückes "Baumeister Solness" von Henrik Ibsen im Münchner Residenztheater. Nachdem Barbara Sukowa 1984 in den Niederlanden und Rom gastiert, erhält sie 1986 eine Rolle in einer international besetzten Inszenierung von "Die Dreigroschenoper" von Bertold Brecht und Kurt Weill in Paris.

Es ist der deutsche Regisseur Rainer Werner Fassbinder, der Barbara Sukowa Anfang der 1980er Jahre für den Film entdeckt. In dem Fernseh-Mehrteiler BERLIN ALEXANDERPLATZ (1980) nach der Vorlage Alfred Döblins spielt sie die junge Emilie "Mieze" Kasunke, die Geliebte der tragischen Hauptfigur Franz Biberkopf. Publikum und Kritiker zeigen sich gleichsam beeindruckt von ihrer Darstellung der sensiblen, liebevollen Prostituierten. So erhält Barbara Sukowa für diese Rolle 1981 den Deutschen Darstellerpreis als Beste Nachwuchsdarstellerin.

In Rainer Werner Fassbinders Trilogie über die frühen Jahre der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg spielt Barbara Sukowa in LOLA (1981) die Titelrolle neben deutschen Schauspielgrößen wie Armin Müller-Stahl und Mario Adorf. Mit der Rolle der Kleinstadt-Prostituierten, die zum Spielball der ebenso mächtigen wie korrupten Männer wird und ab einem Punkt nur noch sexuelle Kontrolle über sie ausüben kann, erspielt sich Barbara Sukowa das Deutsche Filmband in Gold als Beste Darstellerin. Ebenfalls mit dieser Ehrung ausgezeichnet wird sie im gleichen Jahr für DIE BLEIERNE ZEIT (1981) unter der Regie von Margarethe von Trotta. Hier verkörpert sie einen gänzlich anderen Typ Frau. In Anlehnung an Gudrun Ensslin, spielt die Schauspielerin hier Marianne, eine von zwei Schwestern, die 1968 sehr unterschiedliche Wege des politischen Engagements wählen. Während ihre Schwester Juliane als Journalistin in einer feministischen Zeitschrift gegen Unterdrückung und Überwachung publiziert, setzt Marianne auf Gewalt und geht in den Untergrund.

Durch ihre langen Jahre am Theater ist es vor allem Barbara Sukowas emotionale Mimik, die im Gedächtnis bleibt. Für die Darstellung der kommunistischen Widerstandskämpferin ROSA LUXEMBURG (1986), wieder unter der Regie Margarethe von Trottas, erhält sie 1986 erneut das Deutsche Filmband in Gold sowie die Goldene Palme in Cannes, in beiden Fällen als Beste Darstellerin. In den frühen 1990er Jahren wirkt sie an zwei größeren, internationalen Produktionen mit. In EUROPA (1991) von Lars von Trier, dem dritten Teil seiner Europa-Trilogie, spielt sie Katharina Hartmann, die Tochter eines ehemals erfolgreichen Industriellen. Der deutschstämmige Amerikaner Leopold Kessler, der kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges voller Idealismus in das zerstörte Deutschland gelangt und sich Hals über Kopf in Katharina Hartmann verliebt, muss jedoch bald feststellen, dass sie eine dunkles Geheimnis hat. In der Literaturverfilmung von Max Frischs Roman HOMO FABER (1990) von Volker Schlöndorff verkörpert sie Hannah, die ehemalige Freundin des Titelhelden Walter Fabers. Faber weiß nichts von der Existenz ihrer gemeinsamen Tochter Sabeth, da Hannah zu Beginn ihrer damaligen Schwangerschaft tief verletzt den Kontakt zu ihm abgebrochen hatte. Zufällig lernt er Sabeth auf einer Reise kennen und beginnt, ohne etwas von ihrer Verwandtschaft zu ahnen, eine Affaire mit der jungen Frau.

Nach einigen kleineren US-Produktionen in den 1990er Jahren dreht Barbara Sukowa Anfang des neuen Jahrtausends wieder mit Margarethe von Trotta. Im Stasi-Drama DIE ANDERE FRAU (2004) mimt sie die Vera Glaubitz, eine Bürgerin der BRD und ehemaligen Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes. Nach dem Mauerfall sitzt sie nun im Gefängnis - der Grund: Veruntreuung vertraulicher Informationen. Es stellt sich heraus, dass Vera jahrelang von einem Stasi-Mitarbeiter, der sich als liebender Lebensgefährte und Ziehvater für ihr Kind ausgegeben hatte, systematisch ausgenutzt wurde, um an Informationen des "Feindes" zu gelangen. Nun nach dem Fall der DDR macht Vera die Familie des Spions ausfindig und sucht den Kontakt zu seiner Ehefrau, die, genau wie Vera lange Zeit selbst, nichts von dem Doppelleben ihres Mannes ahnt.

2008 ist die Schauspielerin erneut im deutschen Kino zu sehen. DIE ENTDECKUNG DER CURRYWURST (2008) (DIE ENTDECKUNG DER CURRYWURST (2008) Trailer) unter der Regie von Ulla Wagner ist eine Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Uwe Timm. Barbara Sukowa spielt in dem Drama kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs die Rolle der Lena Brücker, jene Frau, die später laut des Filmtitels die Curry-Wurst erfunden haben soll. Der Film wird besonders wegen der darstellerischen Leistung der Schauspielerin gelobt: Als Endvierzigerin blüht sie durch die Liebe zu einem jungen Mann regelrecht auf und kann sich auch nach herben Rückschlägen selbständig behaupten. Beim World Film Festival in Montreal wird sie dafür als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Als nächstes wird sie unter der Regie von Margarethe von Trotta in dem Film VISION die Mystikerin Hildegard von Bingen spielen.

Neben dem Schauspiel hat sich Barbara Sukowa bereits früh ein zweites Standbein etabliert. Seit Ende der 1980er Jahre gibt sie weltweit klassische Konzerte als Sängerin, oft auch mit international bekannten Dirigenten wie Claudio Abbado und Esa-Pekka Salonen. Ihr besonderes persönliches Interesse liegt dabei auf den Komponisten der deutschen Romantik, wie Robert Schumann und Franz Schubert.

Mit ihrem ersten Ehemann, dem Schauspieler Hans-Michael Rehberg, hat Barbara Sukowa einen Sohn. Aus ihrer zweiten Ehe mit dem polnischen Schauspieler Daniel Olbrychski geht ebenso ein Sohn hervor. Vater ihres dritten Sohnes ist der Multimediakünstler und Fotograf Robert Longo. Mit ihm ist Barbara Sukowa seit 1994 verheiratet. Das Paar lebt im New Yorker Stadtteil Brooklyn.

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Autorin: Ines Walk
Stand: September 2008

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