Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Nastassja Kinski

Nastassja Kinski
Darsteller

* 24. Januar 1961
Berlin
Deutschland

NASTASSJA KINSKI • Biographie Seite 1/1

Die deutsche Schauspielerin Nastassja Kinski tritt früh aus dem Schatten ihres Vaters Klaus Kinski und feiert ihren Durchbruch bereits 13jährig als stummes Mädchen Mignon in Wim Wenders' Film FALSCHE BEWEGUNG (1975). Naive Kindfrauen und Lolitas stehen am Anfang ihrer Filmkarriere. Regisseur Roman Polanski vergleicht sie mit der jungen Ingrid Bergman, Marcello Mastroianni sieht ihn ihr eine Brigitte Bardot der 1980er Jahre und anerikanische Filmkritiker bezeichnen sie als das attraktivste deutsche Kino-Wunder seit Marlene Dietrich. Sie streift ihre mädchenhafte Sexualität auch in späteren Filmen nie ab, dafür kultiviert die Schauspielerin katzenhafte Sinnlichkeit und tranceartige Verführungskunst.

Nastassja Kinski wird als Nastassja Aglaia Nakzynski am 24. Januar 1961 in Berlin geboren. Sie ist das einzige Kind von Ruth Brigitte Nakzynski und dem Schauspieler Klaus Kinski. Ihre Halbgeschwister Pola Kinski, aus der ersten Ehe ihres Vaters, und Nikolai Kinski, aus dessen dritter Ehe, sowie ihre Cousine Lara Nakzynski sind ebenfalls Schauspieler. Durch die verschiedenen Drehorte ihres Vaters wächst Nastassja Kinski in Berlin, München und Rom auf. Nach der Trennung der Eltern verlässt sie mit ihrer Mutter Italien und lebt von 1968 bis 1971 in München, 1971 in Caracas (Venezuela) und ab 1972 erneut in München. Ihre Jugend erlebt sie zusammen mit ihrer Mutter, die sich als Dichterin und Schriftstellerin versucht, in einer Kommune. In München besucht Nastassja Kinski auch das Willi Graf-Gymnasium bis zur Mittleren Reife. 1975 nimmt sie den Künstlernamen ihres Vaters an und nennt sich fortan Nastassja Kinski.

1974 wird sie von der Schauspielerin Lisa Kreuzer in einer Münchner Diskothek entdeckt und erhält ein Engagement für den Wim Wenders' Adaptation von Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre" FALSCHE BEWEGUNG (1975). In dem Film spielt Nastassja Kinski die stumme Mignon, der sie durch ihre natürliche Unbefangenheit Gestalt zu geben vermag. Viel Aufmerksamkeit erreicht sie mit dem Film allerdings nicht, entscheidet sich aber, in die Fußstapfen ihres Vaters Klaus Kinski zu treten und ebenfalls Schauspielerin zu werden. Zwei Jahre später hat sie auf die Titelseiten geschafft. Die Jugendliche macht durch einen Medienskandal auf sich aufmerksam, als sie in Wolfgang Petersens Kriminalfall TATORT: REIFEZEUGNIS (1977) die Geliebte eines Lehrers spielt und kurz hüllenlos zu sehen ist. Der Film gehört zu den Klassikern deutscher Fernsehgeschichte, bringt ein heikles Thema in die westdeutschen Wohnzimmer und beeindruckt durch das Debüt von Nastassja Kinski. Auch später steht sie häufig nackt oder leichtbekleidet vor der Kamera. Damit schreibt sie sich erstmal auf ein Rollenklischee fest, an dem sowohl Regisseure wie auch das Publikum ihrer nächsten Filme Gefallen finden. Sie ist die Kindfrau, verführerisch, naiv, zerbrechlich und von erotischer Ambiguität. So steht sie dem gealterten Marcello Mastroianni gegenüber, den in BLEIB WIE DU BIST (1978) raffiniert und publikumswirksam verführt.

Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin ist sie häufig als begehrtes Fotomodell auf Titelseiten von Modezeitschriften wie "Marie Claire" oder "Elle", Film- und Fernsehzeitschriften, illustrierten Boulevardblättern sowie Männermagazinen zu sehen. Diese Bilder bescheren der jungen Schauspielerin die Aufmerksamkeit der internationalen Filmwelt. Nastassja Kinski erhält zu dieser Zeit bei Lee Strasberg in New York Schauspielunterricht. Zur selben Zeit lernt sie den polnischen, in Frankreich und Großbritannien arbeitenden Regisseur Roman Polanski kennen und wird von ihm für die französische Zeitschrift "Vogue" fotografiert. 1979 bietet er ihr die Hauptrolle in TESS (1979) an, eine Verfilmung von Thomas Hardys Roman "Tess Of The D'Urbervilles". Tess, ein Mädchen vom Land, zerbricht an der heuchlerischen Moral der viktorianischen Gesellschaft und wird zur Mörderin. Für ihre Darstellung erhält sie eine Nominierung für den Französischen Filmpreis und einen Golden Globe für die Beste Nachwuchsdarstellerin. Mit der Rolle durchbricht Nastassja Kinski das Klischee der Kindfrau. Mit sensibler Gestik zwischen forderndem Ungestüm, gebändigter Willenskraft und ausbrechender Rebellion gelingt ihr ein eindringliches Frauenporträt. In Deutschland mit Zurückhaltung aufgenommen, macht der für sechs Oscars nominierte Film die Schauspielerin im Ausland zum Star. Ihr Sprachkenntnisse kommen ihr zugute: Außer Deutsch spricht sie noch fließend Englisch, Französisch, Italienisch und Russisch.

1982 verfilmt Paul Schrader mit Nastassja Kinski in der Hauptrolle ein Remake des Jacques Tourneurs Klassiker KATZENMENSCHEN (1981) neu auf. In Francis Ford Coppolas Film EINER MIT HERZ (1982) spielt sie das Zirkusmädchen Leila, eine Seiltänzerin, die ihren Zirkus-Kollegen und den Besuchern einige glückliche Momente schenkt. 1983 übernimmt sie in Peter Schamonis FRÜLINGSSINFONIE (1983) die Rolle der Pianistin Clara Wieck. Der Film erzählt von der Liebe des Komponisten Robert Schumann zur Tochter seines Lehrers Ludwig Wieck. Für ihre Rolle wird Nastassja Kinski mit einem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Ihre Liebe als Mädchen der gebobene Gesellschaft zu einem Dockarbeiter (Gérard Depardieu) endet in DER MOND IN DER GOSSE (1982) tragisch. Ihre zweite Zusammenarbeit mit Wim Wenders wird zu ihrem bislang größten künstlerischen Erfolg. Neben Harry Dean Stanton spielt sie in PARIS, TEXAS (1984) dessen Frau Jane, die sich von ihrem Mann und Sohn getrennt hat. Besonders beim Höhepunkt des Films, dem Dialog mit Harry Dean Stanton in einer Peepshow, gelingen ihr allein durch mimische Mittel faszinierende Momente.

In der amerikanischen Filmmetropole hat die Darstellerin dagegen weniger Erfolg, der große Durchbruch will ihr nicht gelingen. Trotz ihrer weltweit bewunderten, außergewöhnlichen Schönheit, gilt sie bald als regelrechtes Kassengift. Ihre Titelrolle in MARIA'S LOVERS (1984) von Andrei Konchalovsky, Susie der Bär in der John Irvings Verfilmung HOTEL NEW HAMPSHIRE (1984) von Tony Richardson und die Verkörperung der großbürgerlichen Rebellin Daisy McConnahy in REVOLUTION (1985) unter der Regie von Hugh Hudson bleiben unausgewogen und blass. Auch haben die Amerikaner Schwierigkeiten mit ihrem Namen: In Filmabspännen taucht sie auch unter den Alternativnamen Anastasiya Kinski, Nastassia Kinski oder Nastasha Kinski auf.

Im westlichen Europa ist sie für Arthouse-Produktionen vorgesehen, gibt in vielen Fälle die schöne, begehrenswerte Frau und arbeiten mit wichtigen Regisseuren zusammen. Im tragischen Orient-Okzident-Epos HAREM (1985) von Arthur Joffé verkörpert sie die New Yorkerin Diane, die bei einem Trip durch die Nordafrikanische Wüste gekidnappt wird. Dort wird sie in einem Harem verschleppt und trifft den verträumten Wüstenscheich Selim. Für ihre Rolle der Juliette in Jacques Derays Film KRANK VOR LIEBE (1986) erhält sie eine Nominierung für den Französischen Filmpreis als Beste Darstellerin. In DIE MASKE FALLEN (1989) von Jerzy Skolimowski spielt Nastassja Kinski eine mondäne und verführerisch entrückte Russin. Ein darstellerischer Achtungserfolg wird ihre Rolle der Cristina, Mätresse des Königs von Neapel, in NACHTSONNE (1990) von Paolo Taviani und Vittorio Taviani, bei dem sie mit Charlotte Gainsbourg zusammenspielt, mit der sie auch in David Baileys Mystery-Triller THE INTRUDER (1999) zu sehen ist. 1993 dreht sie mit IN WEITER FERNE, SO NAH! (1993) von Wim Wenders ihren letzten international beachteten Kinofilm.

Erstrangige Filmrollen sind seit den 1990er Jahren für Nastassja Kinski selten geworden, obwohl sie weiterhin regelmäßig Filme dreht. Als KGB-Agentin im Film CRACKER JACK (1994) unter der Regie von Michael Mazo produziert sie einen Flop an den Kinokassen. Ivan Reitmans Film EIN VATER ZUVIEL (1997), bei dem sie an der Seite von Robin Williams und Billy Crystal vor der Kamera steht, zählt ebenfalls zu den größten Flops des Jahres 1997, sie verkörpert darin die Mutter eines 17jährigen. In ONE NIGHT STAND (1997) von Mike Figgis verbringt sie eine Nacht mit einem schwarzen Werbefilmer und verändert sein Leben.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wird sie für THE MAGIK OF MARCIANO (2002) von Tony Barbieri auf dem "Wine Country Film Festival" in Kalifornien als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Sie steht in LADY MUSKETIER - ALLE FÜR EINE (2004) von Steve Boyum und IM SPIEGEL DES BÖSEN (2004) unter der Regie von Aruna Villiers vor der Kamera. 2006 folgt die Kinoproduktion INLAND EMPIRE (2006) (INLAND EMPIRE (2006) Trailer) von David Lynch. Zwischen ihren Filmarbeiten wird Nastassja Kinski auch zur Werbe-Ikone, unter anderem wirbt sie für Mineralwasser und Parfüm (L'Oréal)
.

Mit 16 führt Nastassja Kinski eine Beziehung mit dem 28 Jahre älteren Regisseur Roman Polanski. Am 10. September 1984 heiratet sie den Produzenten Ibrahim Moussa, mit dem sie den Sohn Aljosha (geb. 1984) und die Tochter Sonia Leila (geb. 1986) hat. Die Ehe wird 1992 geschieden. Von 1991 bis 1997 lebt sie mit dem Komponisten Quincy Jones zusammen. Aus dieser Beziehung stammt die Tochter Kenya Julia Miambi Sara (geb. 1993).

-----
Autorin: Cveta Dobreva
Dezember: November 2008

Aktueller Stand der Datenbank:
18143 Filme,
70522 Personen,
5386 Trailer,
869 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 2,04022