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Erna Morena

Erna Morena
Drehbuch, Darsteller, Produzent

* 24. April 1885
Aschaffenburg
Deutschland
† 20. Juli 1962
München
Deutschland
andere Namen Ernestine Maria Fuchs

ERNA MORENA • Biographie Seite 1/1

Im Reigen der deutschen Stummfilmstars ist Erna Morena die Mondäne. Neben Asta Nielsen, Henny Porten und Fern Andra bestimmt sie die Filmszenerie der 10er Jahre. Erst mit 27 Jahren kommt sie zum Film, arbeitet nach dem Ende des Ersten Weltkrieges mit den wichtigsten Regisseuren der Zeit, mit Richard Oswald, Robert Wiene und Friedrich Wilhelm Murnau zusammen. Angeblich steht sie in mehr als 120 Filmen vor der Kamera, alle sind nicht nachweislich. In vielen ihrer Rollen verkörpert sie großbürgerliche Damen, die durch Fragilität, Schönheit und Eleganz auffallen.

Erna Morena wird am 24. April 1985 als Ernestine Maria Fuchs in Wörth, bei Aschaffenburg in Unterfranken geboren. Sie wächst in einer bürgerlichen Familie auf, besucht unter anderem eine Schule in der französischen Schweiz. Als sie 17 Jahre alt ist, verläßt sie ihren Heimatort in Richtung München. Hier besucht sie für ein Jahr die Kunstgewerbeschule und studiert Kunstgeschichte. Später orientiert sie sich praktisch, besucht Keramikkurse. Nach einem längeren Aufenthalt in Paris geht sie Anfang der 10er Jahre nach Berlin und arbeitet hier zunächst als Krankenschwester im Rudolf Virchow-Krankenhaus.

Um 1910 datiert ihr Interesse für die Schauspielerei. Erna Morena absolviert eine Ausbildung an der Schauspielschule des renommierten Deutschen Theaters. Sie wird von Intendant Max Reinhardt als Schauspielerin für sein Ensemble engagiert. Auf der Theaterbühne wird sie auch stehen, als sie längst zu den angesehenen Filmschauspielerinnen des Landes gehört. Mit dem Ensemble des Deutschen Theaters gastiert sie 1911/1912 in Brüssel und spielt dort erfolgreich in "Der Sommernachtstraum" nach William Shakespeare. 1918/1919 ist sie am Stadttheater Troppau (heute Opava, Tschechien) zu sehen.

1912 kommt Erna Morena mit dem Film in Kontakt. Für die französische Firma Pathé, die in Deutschland eine Tochterfirma besitzt, steht sie erstmals vor der Kamera. DIE SPHINX (1913) heißt der Film unter der Regie von Eugen Illés, der in den Duskes-Studios entsteht. Mehrfach werden Regisseur und Schauspielerin zusammenarbeiten. Mit großem Werbeaufwand wird die Schauspielerin vermarktet, schnell wird sie zum Star auf deutschen Leinwänden. Ihre bevorzugten Rollen werden tragische: SCHWERE STUNDEN (1913) oder EXZENTRISCHE LAUNEN (1914) stehen am Anfang ihrer Filmkarriere.

Ab 1914 zählt Erna Morena zu den Stars der Oskar Messter Film GmbH. Hier erhält sie eine eigene Serie. Danach wird sie von der erfolgreichen Projektions AG "Union" (PAGU) engagiert. Gemeinsam mit dem männlichen Star Harry Liedtke steht sie in zahlreichen Filmen vor der Kamera. Unter anderem sind beide in dem Film LULU (1917) zu sehen, den der Regisseur Alexander von Antalffy nach Motiven von Frank Wedekinds "Erdgeist" und "Die Büchse der Pandora" in Szene setzt. Hier verwandelt sie sich von einer verführerischen Varieté-Tänzerin zur standesgemäßen Dame der gehobenen Gesellschaft. In PRIMA VERA (1917) von Paul Leni spielt sie eine Klosterschülerin. In dem Melodrama DER RING DER GIUDITTA FOSCARI (1917) unter der Regie von Alfred Halm beweist die Darstellerin schauspielerisches Können jenseits von dramatischem Kitsch.

1918 gründet Erna Morena ihre eigene Produktionsfirma. Mit der Erna Morena Film GmbH produziert sie vier Filme. COLOMBA (1918) und MADAME D ORA (1918) werden von Arzen von Czerépy mit ihr als Hauptdarstellerin in Szene gesetzt. In dem exotischen Film DIE 999. NACHT (1920) steht sie mit dem jungen Hans Albers vor der Kamera. Die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zu Beginn der 20er Jahre zwingen Erna Morena, ihre Tätigkeit als Produzentin aufzugeben.

Bereits nach dem Ende des Ersten Weltkrieges arbeitet Erna Morena mit den wichtigsten Regisseuren der Zeit, mit Richard Oswald, Robert Wiene und Friedrich Wilhelm Murnau zusammen. Richard Oswald besetzt sie mehrfach in seinen sozialkritischen Filmen. In DAS TAGEBUCH EINER VERLORENEN (1918) spielt sie Thymian Gotteball, die von einem Angestellten des Vaters verführt wird und in der Folge, verstoßen von ihrer Familie, immer weiter ins soziale Abseits gerät. Erst die Heirat mit einem alten Grafen sichert ihren gesellschaftlichen Stand. Die schauspielerische Leistung von Erna Morena wird von damaligen Kritikern besonders gelobt. Ebenfalls überzeugt Erna Morena in verschiedenen Rollen der bürgerlichen Salondame, so in KURFÜRSTENDAMM (1920), DIE LIEBSCHAFTEN DES HEKTOR DALMORE (1921) oder MANOLESCUS MEMOIREN (1920).

Neben Conrad Veidt und Olaf Fönss steht sie in DER GANG DURCH DIE NACHT (1921) von Friedrich Wilhelm Murnau vor der Kamera. Sie gibt Helene, die Verlobte des Prof. Dr. Eigil Boerne, eine sehnende, leidende Frau, weil sie von ihrem Geliebten verlassen worden ist. In dem Karl Heinz Martin-Film VON MORGENS BIS MITTERNACHTS (1920) spielt sie eine attraktive Hochstaplerin. In dem phantastischen Film ALGOL (1920) von Hans Werckmeister spielt sie den verführerischen Vamp Yella Ward. Anfang der 20er Jahre werden zahlreiche historische Stoffe verfilmt, in denen auch Erna Morena mitwirkt. Dazu zählen unter anderem DER GRAF VON ESSEX (1922) von Peter Paul Felner oder WILHELM TELL (1923) von Rudolf Dworsky und Rudolf Walther-Fein.

Mitte der 20er Jahre sinkt der Stern der Diva. Ihre Rolle in DER BERG DES SCHICKSALS (1924) von Arnold Fanck markiert einen Einschnitt. Hier spielt sie die Mutter eines Bergsteigers (gespielt von Luis Trenker). Erstmals verkörpert sie eine einfache Bauersfrau und zugleich eine ältere Person. In der Folge kommen Angebote fast nur noch für Nebenrollen. Mehrfach ist sie ganz große Dame, etwa als Senatorsgattin in MUTTER UND KIND (1924) von Carl Froelich oder verkörpert angenehme Mutter-Rollen. Nochmals in einer großen Rolle ist sie in dem Rolf Raffé-Film LOUISE VON COBURG (1927) zu sehen, der das Schicksal der der belgischen Königstochter Louise schildert, die gezwungen wird, Prinzen Ferdinand von Coburg zu heiraten. Mit ihrem Geliebten flieht sie und lebt in ärmlichen Verhältnissen weiter.

Mit dem Einzug des Tonfilms kommen die Anfragen noch spärlicher. Nach einem Aufenthalt in London zeiht Erna Morena 1934 nach München. Hier gründet sie 1938 eine Pension, die sie bis zu ihrem Lebensende führt und in der zahlreiche Künstler verkehren.

In erster Ehe ist die Schauspielerin von 1915 bis 1921 mit dem Schriftsteller und Intellektuellen Wilhelm Herzog verheiratet. Ihre gemeinsame Tochter Eva-Maria Herzog wird 1915 geboren. Am 20. Juli 1962 stirbt die Künstlerin in München.

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Autor
Ines Walk

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