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Heinz Rühmann

Heinz Rühmann
Regie, Gesang, Darsteller

* 07. März 1902
Essen
Deutschland
† 03. Oktober 1994
Aufkirchen, Berg
Deutschland

HEINZ RÜHMANN • Biographie Seite 1/1

In seinen Rollen ist Heinz Rühmann der kleine, schüchterne Mann von Nebenan, der es durch Gewitztheit und Frechheit zu etwas bringt. Mehrfach hat er diesen Rollentyp auf der Bühne und im Film verkörpert. Der Darsteller gilt vielen als "Jahrhundertmime", der in mehr als 70 Jahren Schauspielerei besonders im Alter eine Reife erreicht, die nur ganz großen Talenten zuteil wird.

Heinz Rühmann wird am 07. März 1902 als Heinrich Wilhelm Rühmann in Essen geboren. Sein Vater ist Gastwirt und Hotelier, seine Mutter arbeitet in der Wirtschaft mit. Zur Familie gehören noch zwei weitere Geschwister. Nach geschäftlichen Misserfolgen begeht der Vater Selbstmord, die Familie zieht nach München. Hier besucht Heinz Rühmann das Gymnasium, geht aber kurz vor dem Abitur ab. Er nimmt Schauspielunterricht bei Friedrich Basil. Schnell erhält er ein Engagement, zunächst in Breslau, später steht er in Hannover, München und Bremen auf der Bühne.

Ab 1920 steht der junge Schauspieler auf der Bühne, meist gibt er den jungen Naturburschen und Bonvivant. In der Spielzeit 1921/22 gibt er erstmals Billy Bartlett in dem Stück "Der Mustergatte", den er mehr als 2000mal in seiner Karriere spielen wird. Bald wird auch das komische Talent des kleines Mannes entdeckt, "Charleys Tante" wird ein weiteres Stück, in dem er mehrfach zu sehen ist. Ab 1927 steht Heinz Rühmann auch in Berlin auf der Bühne, wechselt zwischen Berlin und München hin und her. Von 1938 bis 1943 ist er Mitglied des Preußischen Staatstheaters Berlin.

Mitte der 20er Jahre debütiert Heinz Rühmann beim Film. Zwei Stummfilme dreht er: DAS DEUTSCHE MUTTERHERZ (1926) und DAS MÄDCHEN MIT DEN FÜNF NULLEN (1927). Danach stagniert seine Filmkarriere. Erst mit dem Musikfilm DIE DREI VON DER TANKSTELLE (1930) wird der Schauspieler über Nacht zum gefeierten Star. In der Folge wird er einer der populärster Darsteller Deutschlands. Nochmals steht er mit den Willy Fritsch und Lilian Harvey vor der Kamera, so in EINBRECHER (1930). Auch neben anderen Stars wie Kurt Gerron, Max Pallenberg, Dolly Haas oder Hans Albers ist er zu sehen. Neben Paul Kemp, Hans Moser und Theo Lingen gehört er zu den beliebtesten deutschsprachigen Komikern.

1937 wechselt der Schauspieler von der Universum Film AG (Ufa) zur Terra-Filmkunst. Hier führt er auch Regie und betreut eine eigene Herstellungsgruppe für seine Filme. Seine Filme tragen Unterhaltungscharakter, sind ohne offensichtliche Propaganda gedreht. Trotzdem dienen sie dem nationalsozialistischen System, schaffen Ablenkung, gaukeln heile Wirklichkeiten vor. Heinz Rühmann absolviert im Frühjahr 1941 eine vierwöchige Ausbildung als Abwehrflieger. Als populäres Beispiel wird er in der Deutschen Wochenschau porträtiert. Besonders beliebt wird sein Film DIE FEUERZANGENBOWLE (1943), einer der letzten großen Erfolge vor dem Ende des Krieges.

Nach 1945 unterliegt der Künstler kurzzeitig einem Filmverbot durch die Alliierten. Mit dem altbewährten Theaterstück "Der Mustergatte" geht Heinz Rühmann auf Tournee, er spielt in München, in Berlin. Gemeinsam mit Alf Teichs gründet er 1947 die Produktionsfirma Comedia, die durch gegenwartsbezogenr Satiren national und international auf-, aber beim Publikum durchfällt. Nach fünf Jahren muß die Firma Konkurs anmelden. Heinz Rühmann haftet mit mehr als 2 Millionen DM. Der Misserfolg treibt ihn zurück auf die Theaterbühne, wo er unter anderem in Samuel Becketts Stück "Warten auf Godot" in München auftritt.

Der Fiilmproduzent Gyula Treibitsch sichert Heinz Rühmann ein Comeback. Mehrfach überzeugt er in der Figur des kleines Mannes, so etwa in EIN MANN GEHT DURCH DIE WAND (1959). Mit höherem Alter kann Heinz Rühmann mehr und mehr Charakterrollen darstellen, er spielt den Schuster Wilhelm Voigt in DER HAUPTMANN VON KÖPENICK (1956), den tschechischen Helden in DER BRAVE SOLDAT SCHWEJK (1960) oder Pater Brown, den Hobby-Kriminalisten. Für die Kamera werden Stoffe von Dürrenmatt oder Simmel mit dem Mimen Heinz Rühmann besetzet, er gilt vielen mit zunehmendem Alter als "Jahrhundertdarsteller".

Das Fernsehen lockt schon lange mit diversen Angeboten, aber Heinz Rühmann sucht sich gezielt seine Rollen aus. Wieder sind es eindrucksvolle Charakterstudien, die er für das Medium abliefert. Er ist unter anderem "Der Tod eines Handlungsreisenden" (1968) zu sehen. Als Rezitator reist er durch das Land, liest bevorzugt Gedichte und Märchen. Seinen letzten Auftritt in einem Kinofilm hat er unter der Regie von Wim Wenders. In dessen Film IN WEITER FERNE, SO NAH (1992) spielt er einen alten Chauffeur, der sein Leben Revue passieren lässt. Heinz Rühmann ist mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem hat er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik erhalten; er besitzt den Ernst Lubitsch-Preis, mehrfach den Bundesfilmpreis.

Im August 1924 heiratet Heinz Rühmann die Schauspielerin Maria Herbot. Seine Ehefrau ist Jüdin. Nach 1937 wird der Schauspieler deshalb desöfteren publzitisch angegriffen. 1938 läßt er sich scheiden. Seine Ehefrau heiratet den schwedischen Staatsangehörigen und Schauspieler Rolf von Nauckhoff. Sie kann Deutschland verlassen, wird auch weiterhin von Heinz Rühmann unterstützt. 1939 heiratet Heinz Rühmann in zweiter Ehe die Schauspielerin Hertha Feiler. Ihr gemeinsamer Sohn Peter wird 1942 geboren. Seit 1974 ist der Schauspieler in dritter Ehe mit Hertha Wohlgemuth verheiratet. Er stirbt am 03. Oktober 1994 in Aufkirchen/Berg am Starnberger See. Seinen Nachlaß hat das Filmmuseum Berlin erworben.

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