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Angelika Waller

Angelika Waller
Darsteller

* 26. Oktober 1944
Bärwalde
Deutschland

ANGELIKA WALLER • Biographie Seite 1/1

Mehr als 100 Film- und Fernsehrollen hat Angelika Waller gespielt. Mitte der 60er Jahre entdeckt sie der Regisseur Kurt Maetzig für den Film. Unverständlicherweise gibt ihr die DEFA nur wenige ausfüllende Rollen, in denen sie ihre vielen darstellerischen Facetten darbieten kann. Das Fernsehen bietet Angelika Waller ein breiteres Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten, hier kann sie in modernen Frauenrollen überzeugen. In vielen Fällen ist es die kräftige Sinnlichkeit der Schauspielerin, die in Erinnerung bleibt: sie verkörpert emanzipierte Frauen, die in schwierigen Situationen für sich selbst entscheiden.

Angelika Waller wird am 26. Oktober 1944 in Bärwalde geboren. Ihre Schulzeit absolviert sie in Biesenthal in Brandenburg. Schon während ihrer Kindheit entwickelt sich ihr Interesse für die Darstellende Kunst. Sie ist Laiendarstellerin in Schulaufführungen, später Mitglied im Dramatischen Zirkel des Hauses der jungen Talente in Berlin. Nach dem Abschluss der 10. Klasse bewirbt sie sich an der Berliner Schauspielschule in Schöneweide und wird abgelehnt. Über Umwege erfüllt sich doch noch ihr Traum, Schauspielerin zu werden. Im damaligen Fernsehstudio für künstlerischen Nachwuchs des Deutschen Fernsehfunk Berlin-Adlershof erhält sie zwischen 1963 bis 1966 eine Schauspielausbildung, nachdem sie an mehreren Sendungen mitgewirkt hat. Um die Ausbildung zu finanzieren, arbeitet sie nebenbei als Eisverkäuferin und Möbellackiererin.

1965 holt Helene Weigel sie an das Berliner Ensemble, seit 1966 gehört sie dem Theater fest an. Ihr Bühnendebüt gibt sie als junge FDJlerin in der Komödie "Frau Flinz" von Helmut Baierl. In mehreren Bertolt Brecht-Stücken steht sie auf der Bühne. Sie interpretiert eindrucksvoll die Babette in "Die Tage der Commune", gibt die Polly in "Die Dreigroschenoper" und spielt die Manuela in "Die Gewehre der Frau Carrar". Sie arbeitet mit Heiner Müller bei "Zement" zusammen, steht als Erna in "Katzgraben" nach Erwin Strittmatter auf der Bühne. Ein großer Wurf gelingt der Darstellerin als "Franziska Linkerhand" nach dem gleichnamigen Roman von Brigitte Reimann. Angelika Waller spielt diese Rolle als Gast am Mecklenburgischen Staatstheater unter der Regie von Christoph Schroth. In einer gekonnten Mischung aus Leidenschaft und Verzweiflung, individuellem Glücksanspruch und gesellschaftlicher Bevormundung bringt sie die Schwierigkeiten der Figur auf den Punkt. Gastspiele gibt sie auch an der Berliner Volksbühne, spielt hier unter anderem den Don Juan in "Don Juan und Faust" nach Christian Dietrich Grabbe, einen Verführer und Wüstling an der Seite von Ursula Karusseit, die den Faust gibt. Bis 1992 ist ihre künstlerische Heimstätte das Berliner Ensemble.

Ihr Debüt vor der Kamera hat die Schauspielerin in dem Fernsehfilm KAUFHAUS HERZ (1961) von Karlgerhard Seher. Es folgt eine kleine Rolle in dem Kriminalfall DIE GLATZKOPFBANDE (1962) unter der Regie von Richard Groschopp. Der Regisseur Kurt Maetzig entdeckt das Talent von Angelika Waller wirklich, gibt ihr ihre erste große Rolle in DAS KANINCHEN BIN ICH (1965). Als 19jährige Maria Morzeck will sie Slawistik studieren, arbeitet aber als Kellnerin. Ihr Bruder ist wegen "staatsgefährdender Hetze" verurteilt worden, sie wird nicht zum Studium zugelassen. Marie verliebt sich in den älteren Paul Deister (gespielt von Alfred Müller), der als Richter ihren Bruder verurteilt hat. Erst später erkennt sie, dass Paul ein Karrierist ist und verlässt ihn. DAS KANINCHEN BIN ICH (1965) ist neben DENK BLOß NICHT, ICH HEULE (1965) von Frank Vogel der größte Streitpunkt beim 11. Plenum des Zentralkomitees der SED. Der politische Sprengstoff des Films liegt in der Figur des Richters, der heuchlerisch, feige und doppelzüngig nicht nur Recht spricht, sondern auch sein Leben gestaltet. Angelika Waller ist als Maria Morzeck eine suchende junge Frau, bodenständig und lebhaft, die sich selbst findet. Der Film wird mit einem Großteil der DEFA-Jahresproduktion verboten, erst 1990 aufgeführt.

Angelika Waller etabliert sich als junge, selbstbewusste Frau in DER SCHWARZE PANTHER (1966) von Josef Mach. In dem Zirkusfilm gibt sie die junge Martina, die trotz Widerstand des Vaters als Dompteuse die Panther in der Manege bändigt. Aber die DEFA lastet das Potential der Schauspielerin nicht aus. In den Komödien WIR LASSEN UNS SCHEIDEN (1968) von Ingrid Reschke und IM HIMMEL IST DOCH JAHRMARKT (1968) von Rolf Losansky bleiben ihre schauspielerischen Möglichkeiten unausgeschöpft. Unverständlicherweise gibt die DEFA der Schauspielerin wenige ausfüllende Rollen. Ein Fotomodell spielt sie in MORD AM MONTAG (1968) von Hans Kratzert. Eine größere Rolle erhält sie in dem Kinofilm EIN APRIL HAT 30 TAGE (1979). Hier verliebt sie sich in einen südamerikanischen Exilanten - eine Liebe auf Zeit. Durch die ausgezeichneten Schauspielerleistungen wird der Film nicht zum Rührstück. Erst Anfang der 90er Jahre gibt es wieder eine Kinorolle für Angelika Waller, in der sie ihre vielen Facetten zeigen kann: In der Nachkriegskomödie DER BRUCH (1990) von Frank Beyer spielt sie ein vollbusiges Weib, betrogen von ihrem Ehegatten, die ihre materiellen Wünsche eindeutig äußert.

Das Fernsehen bietet Angelika Waller ein breiteres Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten, hier kann sie über 20 Jahre lang in dramatischen und komischen Rollen überzeugen. In der populären Reihe "Polizeiruf 110", "Der Staatsanwalt hat das Wort" und "Schauspielereien" kann sie ihre Kunst mehrfach unter Beweis stellen. Mit der Briefträgerin in dem Fernsehfilm DER ROTFUCHS (1973) präsentiert die Schauspielerin eine lebenslustige, starke Frau, die gegen alle Anfeindungen um ihr Glück kämpft. Eine Doppelrolle, zwei gegensätzliche Frauen, verkörpert sie in DIE FRAUEN DER WARDINS (1974) unter der Regie von Helmut Krätzig und Michael Englberger. In DANIEL DRUSKAT (1976) spielt sie die ehemalige Magd Rosemarie, die es vom Kuhstall auf die Universität schafft. In vielen Fällen ist es die kräftige Sinnlichkeit der Schauspielerin, die in Erinnerung bleibt: sie verkörpert emanzipierte Frauen, die in schwierigen Situationen für sich selbst entscheiden. Neben modernen Frauen sind es auch historische Figuren, die sie gestaltet, etwa Königin Luise in DER MANN AUS JENA (1981). Im iwedervereinten Detuschland ist Angelika Waller nur noch sehr sporadisch im Fernsehen zu sehen.

Nach dem Zusammenbruch der DDR ist Angelika Waller nur noch selten auf der Leinwand zu sehen, sie konzentriert sich ganz auf ihre Theaterarbeit. Seit 1992 ist sie als Professorin an der Berliner Schauspielschule "Ernst Busch" tätig, nachdem sie mehrere Jahre dort als Dozentin unterrichtet hat. Sie arbeitet als Regisseurin, inszeniert unter anderem am Berliner bat-Studiotheater mit ihren Studenten "Die Perser" von Aischylos, orientiert sich dabei an der formalen Strenge der antiken Tragödien. An verschiedenen Theatern inszeniert sie. Viel beachtet sind ihre Versionen von "Krankheit der Jugend" von Ferdinand Bruckner am Berliner Ensemble, "Musik" von Frank Wedekind am Theater in Chemnitz oder "Fräulein Julie" von August Strindberg am Hans Otto-Theater in Potsdam. Am Hebbel-Theater in Berlin bringt sie "Anatomie Titus Fall of Rome" nach Heiner Müller auf die Bühne. Neben ihrer Theaterarbeit ist Angelika Waller auch mitunter beim Hörspiel beschäftigt.

Ihre Tochter Susann Thiede (geb. 1968) tritt in die Fußstapfen der Mutter und ergreift ebenfalls den Schauspielerberuf. Die Familie lebt in Berlin.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Oktober 2003

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