Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Lissy Tempelhof

Lissy Tempelhof
Darsteller

* 17. April 1929
Berlin
Deutschland

LISSY TEMPELHOF • Biographie Seite 1/1

Die Schauspieler Lissy Tempelhof gehört seit Mitte der 60er Jahre zu den wichtigen Darstellerinnen des DEFA-Ensembles. Mehr als ein dutzend Mal steht sie vor der Kamera, spielt unter Regisseuren wie Martin Hellberg und Konrad Wolf. Meistens verkörpert die Schauspielerin starke Frauen, die sich ihre Entscheidungen nicht leicht machen. Sie überzeugt auf der Bühne sowie bei Film und Fernsehen vor allem in Rollen voller Leidenschaft, mit Charakteren, die kraftvoll ihr Leben gestalten.

Lissy Tempelhof wird am 17. März 1929 in Berlin geboren. Ihr Vater ist Arbeiter; die Familie lebt in Prenzlauer Berg. Als 16jährige erlebt sie den Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschlands; um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet sie danach als Trümmerfrau, Stanzerin, wird später Straßenbahnschaffnerin und Sekretärin. Zu dieser Zeit kommt sie auch mit dem Theater in Kontakt. Sie spielt in einer Laienspielgruppe in ihrem Heimat-Stadtbezirk, wird Mitglied eines Kabaretts im Zentralen Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft am Festungsgraben. Außerdem singt sie, ist an Schallplatten-Aufnahmen mit dem Sänger und Schauspieler Ernst Busch beteiligt.

1947 erhält die junge Schauspielerin ihr erstes Engagement am Theater in Anklam. Mehr als drei Jahre steht sie dort auf der Bühne und erarbeitet sich ein umfangreiches Repertoire. Trotz ihrer Erfahrung besucht sie ab 1950 dann doch noch die Staatliche Schauspielschule Berlin. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss spielt Lissy Tempelhof auf verschiedenen Bühnen des Landes; ist am Theater der Bergarbeiter Senftenberg sowie am Theater der Freundschaft in Berlin zu sehen. Von 1958 bis 1962 arbeitet sie am Staatstheater Dresden. Besonders in Dresden spielt sich die Darstellerin in die erste Liga: Mit der Gestaltung zweier Bertolt Brecht-Rollen, der Grusche in "Der kaukasische Kreidekreis" und der Johanna Dark in "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" setzt sie sich durch. Beide Darstellungen sind ihre Eintrittskarte nach Berlin. Sie arbeitet zunächst an der Volksbühne, später am Maxim Gorki-Theater. Hier überzeugt sie in der Rolle der kraftvollen und zugleich feinfühligen Lisa Martin im Stück "Steine im Weg" nach Helmut Sakowski. 1963 findet sie eine feste Heimstätte im Ensemble des Deutschen Theaters. Über 35 Jahre steht die Schauspielerin hier auf der Bühne, wird zu einer der prägenden Schauspielerinnen und spielt die griechischen Klassiker genauso wie Bertolt Brecht. In "Tag für Tag" von Arnold Wesker inszeniert von Horst Schönemann spielt sie eine geerdete Mrs. Byrant. Als elegante Gräfin Terzky überzeugt sie in Friedrich Schillers "Wallenstein" in der Inszenierung von Friedo Solter. Sie arbeitet mit den Regisseuren Wolfgang Heinz, Adolf Dresen und Benno Besson zusammen, überzeugt besonders in Rollen voller Leidenschaft, mit Charakteren, die kraftvoll ihr Leben gestalten.

Mit ihrer Etablierung auf der Berliner Bühne wird auch der Film auf die junge Darstellerin aufmerksam. Der Regisseur Martin Hellberg gibt ihr ihre erste Filmrolle in DER OCHSE VON KULM (1955). Mehrmals arbeitet die junge Schauspielerin mit dem Regisseur zusammen. Eine größere Rolle erhält sie von Konrad Wolf. Sie spielt in seinem PROFESSOR MAMLOCK (1961) die Ärztin Inge Ruloff, die sich in der Auseinandersetzung um den jüdischen Arzt trotz ihrer NSDAP-Mitgliedschaft auf dessen Seite stellt. An ihrer Person wird der Zwiespalt vieler Deutscher sichtbar: Die Parolen der Nationalsozialisten bejahen, ohne den Terror zu wollen. Für Konrad Wolf arbeitet sie auch als Sprecherin in DER GETEILTE HIMMEL (1964).

In dem Film DIE BESTEN JAHRE (1965) von Günther Rücker spielt sie die Neulehrerin Hilde Tamm, die dem Kriegsheimkehrer Ernst Machner - gespielt von Horst Drinda - bei sich aufnimmt. Als dieser aber eine Stufe nach der anderen auf der Karriereleiter hinaufsteigt, wird sie vergessen. Der Film zählt zu den interessantesten DEFA-Werken, da er die Entscheidungen jener Generation schildert und reflektiert, die die DDR aufgebaut haben. In der Folge gehört Lissy Tempelhof zu den viel beschäftigten Schauspielerinnen in den DEFA-Spielfilmen. Helmut Nitzschke arbeitet zweimal mit ihr. In dem Gegenwartsstoff ALLE MEINE MÄDCHEN (1980), den die Regisseurin Iris Gusner inszeniert, spielt Lissy Tempelhof die gutgelaunte Meisterin der Brigade, die die Disziplinverstöße ihrer Mädchen gewissenhaft verzeichnet. Kritiker loben ihr Spiel: Sie kann endlich ihr gereiftes, kräftiges Talent zum Ausdruck bringen. Sorgfältig, genau und überaus menschlich bringt sie in der Figur das Heiteres und Tragisches, auch Schmerzliches zum Ausdruck; zum Vorschein kommt damit eine bedeutende Frauenfigur. Für ihre Darstellung erhält sie auf dem Filmfestival in Karl-Marx-Stadt den Publikums- und Jury-Preis zugesprochen.

In ERSCHEINEN PFLICHT (1984) von Helmut Dziuba beweist sie sich einmal mehr als Charakterdarstellerin. Der Film erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, dass durch den Tod ihres Vaters - einem hohen Parteisekretär - aus der Bahn geworfen wird. Lissy Tempelhof spielt ihre Mutter, die nunmehr ebenso auf sich allein gestellt ist. Wie sie mit dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes umgeht, ist sensibel und natürlich dargestellt. Schon während der Produktionsphase des Film gibt es massive Veränderungen an Dialogen und Inhalten; nach der Uraufführung des Films kommt zu scharfen Reaktionen seitens der Partei- und Staatsführung, da ihnen der Film zu offen die Befindlichkeit der Jugend mit dem DDR-System zeigt.

Auch das Fernsehen der DDR besetzt die beliebte Darstellerin. In dem Fernsehspiel SOMMER IN HEIDKAU (1964) von Martin Eckermann nach einer Geschichte von Helmut Sakowski spielt sie eine emanzipierte Frau, die ihr Glück erzwingt. Mit der Kurtisane Canima in VOLPONE nach Ben Jonson zeigt sie, dass sie auch im komödiantischen Genre zu hause ist, spielt mit viel Temperament, Witz und Kraft. Sie kann in Literaturverfilmungen wie IRRLICHT UND FEUER (1966) nach einem Roman von Max von der Grün überzeugen; ist in der Theodor Fontane-Inszenierung EFFI BRIEST (1969) in der Rolle des einfachen Hausmädchen Roswitha beteiligt oder steht bei der fünfteiligen Fernsehbiographie KRUPP UND KRAUSE / KRAUSE UND KRUPP (1969) vor der Kamera. In dem zweiteiligen TV-Film BETTINA VON ARNIM (1972) von Wolf-Dieter Panse spielt sie die Hauptrolle. Nach dem Zusammenbruch der DDR ist die Schauspielerin auch im gesamtdeutschen Fernsehen präsent. Sie spielt meistens in TV-Serie, unter anderem ist sie in FÜR ALLE FÄLLE STEFANIE, TATORT oder DER LANDARZT zu sehen.

Seit 1979 unterrichtet Lissy Tempelhof an einer Musikspezialschule in Berlin auch Gesang. Zudem reist sie mit Gesangs- und Leseabenden durch das Land.

Lissy Tempelhof ist mit dem Schauspieler Dietrich Körner verheiratet. Sie lebt in Berlin.

-----
Autorin: Ines Walk
Stand: Mai 2007

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 1,40784