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Lutz Moik

Lutz Moik
Darsteller

* 10. November 1930
Berlin
Deutschland
† 02. Juli 2002
Berlin
Deutschland

LUTZ MOIK • Biographie Seite 1/1

In einer Rolle ist Lutz Moik unvergessen: als Köhler Peter Munk in DAS KALTE HERZ (1950). In dem ersten deutschen Farbfilm der Nachkriegszeit spielt er einen jungen Mann, der sich mehr von seinem Leben erhofft als elende Schufterei. Er gibt den jungen Burschen natürlich und frisch, beweist aber auch seine Wandelbarkeit, wenn sich in seinem Gesicht der Egoismus und die Härte eines Mannes mit einem steinernen Herzen spiegeln. Leider bietet der westdeutsche Film dem Schauspieler ab den 50er Jahren keine großen Möglichkeiten.

Lutz Moik wird am 10. November 1930 als Lutz-Jürgen Moik in Berlin geboren. Sein Vater arbeitet als Chemiker, seine Mutter ist Hausfrau. Zur Familie gehören noch zwei weitere Kinder. Als Lutz Moik 8 Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Seine Mutter kann die Familie aus finanziellen Gründen nicht zusammenhalten. Er wird im Militär-Waisenhaus in Potsdam untergebracht. 1942 wird er dort vom Regisseur Robert A. Stemmle für seine Rolle in dem Film MEINE HERREN SÖHNE (1945) ausgewählt. Er spielt den pfiffigen Filmsohn von Werner Hinz. Danach erhält er weitere Rollen, spielt unter der Regie von Hans Robert Bortfeld in FRÜHLINGSMELODIE (1945) und Erich Waschneck in EINE REIZENDE FAMILIE (1947). Die Filme werden in den letzten Kriegsmonaten gedreht, aber erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fertiggestellt.

Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 arbeitet Lutz Moik als 15jähriger beim Kinderfunk und leiht seine Stimme verschiedenen Hörspielfiguren. Kontakte zum Film bleiben bestehen. So erhält er nach einer Empfehlung die Hauptrolle in dem Jugenddrama UND FINDEN DEREINST WIR UNS WIEDER... (1947), das Regisseur Hans Müller im Auftrag der Stern 45-Film GmbH im westlichen Teil Berlins in Szene setzt. Hier wird seine Filmfigur zum Umdenken gezwungen; als überzeugter Hitlerjungen lernt er in den letzten Kriegstagen anderes.

Lutz Moik beginnt ein Studium der Kunstgeschichte. Er möchte Bühnenbildner werden. Nebenbei nimmt er Schauspielunterricht bei Leonore Ehn. Als er die Hauptrolle in dem DEFA-Film 1 - 2 - 3 CORONA (1948) von Hans Müller erhält, gibt er das Studium auf und konzentriert sich ganz auf die Schauspielerei. In dem Zirkusfilm spielt er Gerhard, Anführer einer Jugendbande, der sich mit dem rivalisierenden Bandenchef Dietrich gegen einen Zirkusdirektor zur Wehr setzt. Dieser mißhandelt die junge Artistin Corona. Alle drei erhalten in einem neuen Zirkus eine Chance und werden später als Trapezkünstler weltberühmt. Der Film wird an den Kinokassen ein Erfolg, Lutz Moik zum Jungstar der ostdeutschen DEFA aufgebaut. Unter der Regie von Wolfgang Schleif spielt er in UND WENNS NUR EINER WÄR (1949) einen Jungen aus einem Westberliner Jugenderziehungslager, der geläutert wird und die Vorteile der neuen Gesellschaft im Osten Deutschlands erkennt. Hans Müller besetzt ihn nochmals in Emanzipationsdrama BÜRGERMEISTER ANNA (1950) nach einer Geschichte von Friedrich Wolf. Hier spielt er den Sohn des Bauern Lehmkuhl.

Seine wohl wichtigste Rolle erhält Lutz Moik im Alter von 18 Jahren von Regisseur Paul Verhoeven. In dem ersten deutschen Nachkriegs-Farbfilm DAS KALTE HERZ (1950) nach einem Märchen von Wilhelm Hauff spielt er den Köhler Peter Munk, der sich mehr Glück vom Leben erhofft. Als er drei Wünsche frei hat, verspielt er diese leichtfertig. Beim Holländer-Michel verkauft er sein Herz gegen einen kalten Stein. Er wird reich und reicher, aber auch brutal und gemein. Als er zur Vernunft kommt, muß er sein Herz mit einer List vom Holländer-Michel zurückerobern. Der Film wird ein nationaler und internationaler Erfolg - Farb- und Kameratechnik, Special Effects und Kostüm wie Maske sind auf den Höhepunkt damaliger Möglichkeiten. Lutz Moik wird wegen seiner Wandlungsfähigkeit gelobt. In seinen Gesichtszügen spiegeln sich Existenzangst, Niedergeschlagenheit, aber auch Hoffnung wider.

Wie viele seiner Kollegen pendelt Lutz Moik zwischen den deutschen Besatzungsgrenzen hin und her. Im Westteil Berlins ist er an der Herstellung der Dokumentation WIR BUMMELN UM DIE WELT (1950) beteiligt. Unter der Regie von Kurt Hoffmann spielt er in dem Kriminalfilm FÜNF UNTER VERDACHT (1950) mit, der von der CCC-Film GmbH unter Leitung von Artur Brauner hergestellt wird. Er entscheidet sich, ganz in die Bundesrepublik zu siedeln.

Unter der Regie von Veit Harlan spielt er in HANNA AMON (1950) eine seiner wichtigsten Rollen. Er spielt den Bruder der weiblichen Hauptfigur (verkörpert von Kristina Söderbaum), der die Familie durch eine Liason mit einer lasterhaften Betrügerin fast in den Abgrund stürzt. Der Film, der reine Geschwisterliebe pathetisch und sentimental beschwört, wird zwar von der Kritik abgelehnt, aber die Darstellung von Lutz Moik ist eine überaus intensive und ausdrucksstarke.

Obwohl Lutz Moik mit seinen Rollen überzeugt, kann er sich nicht wirklich durchsetzen. Nochmals arbeitet er mit Paul Verhoeven zusammen. In DIE SCHULD DES DR. HOMMA (1951) agiert spielt er zum wiederholten Male den Filmsohn von Werner Hinz. In der Folge erhält er Episodenrollen an der Seite solcher Altstars wie Heinz Rühmann und Gustav Knuth. Der westdeutsche Film bietet dem Schauspieler keine interessanten Rollen. Mit DIE FABRIK DER OFFIZIERE (1960) unter der Regie von Frank Wisbar verabschiedet sich der Schauspieler von einer Kinokarriere.

Theater und Fernsehen bieten Lutz Moik mehr Möglichkeiten. Ab den 50er Jahren wirkt er in Tourneeproduktionen mit, ab den 60er Jahren konzentriert er sich auf die Theaterarbeit. Er steht in zahlreichen Spielstätten auf der Bühne, unter anderem in Berlin, Aachen, Dortmund, Frankfurt, Hannover, Stuttgart und Düsseldorf. Zwischen 1970 und 1982 ist er vorrangig in der Schweiz, in Bern zu sehen, spielt aber auch am Theater in der Josefstadt in Wien. Außerdem wird Lutz Moik ein vielbeschäftigter Synchronsprecher. Für das Fernsehen spielt Lutz Moik in zahlreichen Serien. In der 13-teiligen Serie "Till, der Junge von nebenan" (1967/1968) von Wolfgang Teichert oder den 26-Folgen von "Drüben bei Lehmanns" unter der Regie von Herbert Ballmann schätzt ihn das bundesdeutsche Publikum. In den 80er Jahren agiert er als Frankfurter "Tatort"-Hauptkommissar Bergmann. Es sind allerdings nur zwei Fälle, die er zu lösen hat. Ab 1992 ist er in der Daily Soap "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" zu sehen.

Mitte der 80er Jahre erkrankt der Schauspieler an multipler Sklerose. Trotzdem arbeitet er weiter vor der Kamera. Seine Krankheit macht er zum Thema, veröffentlicht Bücher und tritt in Talkshows auf. Außerdem malt er, stellt seine Bilder in Österreich und Deutschland aus.

Lutz Moik ist viermal verheiratet. Seine erste Ehefrau ist die Schauspielerin und Kabarettistin Edith Hancke, die er bei den Dreharbeiten zu BÜRGERMEISTER ANNA (1950) kennengelernt hat. Später ist er mit der Wiener Schauspielerin Anna Moik-Stötzer verheiratet. Er hat zwei Söhne. Der Schauspieler stirbt am 04. Juli 2002 in Berlin.

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