Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Werner Peters

Werner Peters
Darsteller

* 07. Juli 1918
Werlitzsch
Deutschland
† 30. März 1971
Wiesbaden
Deutschland

WERNER PETERS • Biographie Seite 1/1

Mit der Figur des Dietrich Heßling in DER UNTERTAN (1951) von Wolfgang Staudte wird der Schauspieler Werner Peters immer in Verbindung gebracht werden. Die Rolle des Karrieristen und Emporkömmling deutscher Prägung füllt er hervorragend aus. Nach einigen weiteren Produktionen bei der DEFA geht der Schauspieler Mitte der 1950er Jahre in den Westteil Deutschland und ist dort in internationalen Koproduktionen ein vielgefragter Darsteller. Leider wird er häufig auf den Rollentyp des deutschen Bösewichts festgelegt.

Werner Peters wird am 07. Juli 1918 in Werlitzsch, Kreis Delitzsch (Sachsen) geboren. Sein Vater ist ein gutsituierter Kaufmann. Er besucht die Oberrealschule in Leipzig und schließt diese 1935 mit der Mittleren Reife ab. Schon während seiner Schulzeit interessiert er sich für die Schauspielerei, er beginnt nach seiner Schulausbildung eine Lehrzeit an der Schauspielschule am Alten Theater Leipzig. Die Schauspielerin Lina Carstens ist eine seiner Lehrerinnen.

1937 debütiert der junge Mime auf der Bühne des Theaters Stralsund. Er gibt komische Rollen, tritt auch in Operetten und Opern auf. Nach einer kurzen Zwischenstation am Alten Theater in Leipzig arbeitet er während der Spielzeit 1938/1939 am Preußischen Staatstheater Mainz. Danach wird er zur Wehrmacht einberufen. Zwischenzeitlich ist der Schauspieler vom Militärdienst suspendiert, da das Theater in Kassel ihn anfordert. Ab 1941 ist diese Vergünstigung eingestellt; er dient als Soldat im Zweiten Weltkrieg.

Kurz nach dem Ende des Krieges geht Werner Peters zunächst nach Gera. Dort hat er ein Engagement an den Bühnen der Stadt erhalten. Der Regisseur Erich Engel entdeckt den jungen Schauspieler und holt ihn an die Münchner Kammerspiele. Als sein Mentor 1947 nach Berlin ans Deutschen Theater zurückkehrt, nimmt er Werner Peters mit. Bis 1952 steht er unter dem Intendanten Wolfgang Langhoff auf der Bühne des renommierten Theaters. Später wird er am Schauspielhaus Düsseldorf und am Berliner Schillertheater sein Publikum finden.

Kurz vor seiner Ankunft in Berlin gibt Werner Peters auch sein Filmdebüt. In ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN (1948) von Harald Braun spielt er eine kleine Rollen an der Seite zahlreicher deutscher Filmstars. Danach ist er bei der DEFA beschäftigt und steht dort das erste Mal in AFFAIRE BLUM (1948) von Erich Engel vor der Kamera. Er spielt Egon Konrad, den Sohn des Untersuchungsrichters Konrad (gespielt von Paul Bildt), der genau wie sein Vater antisemitisch eingestellt ist. Nochmals arbeitet er mit dem Regisseur in der Gaunerkomödie DER BIBERPELZ (1949) zusammen.

Mit dem Regisseur Wolfgang Staudte geht Werner Peters eine enge Arbeitsbeziehung ein. Erstmals agiert er in dessen Film ROTATION (1949). Der Film berichtet ungeschminkt von einem kleinbürgerlichen Opportunisten, der Mitschuld trägt, dass der Nationalsozialismus an die Macht gekommen ist. Hier tritt der Schauspieler als Udo Schulze auf, ein junger Mann, der für die kleinen Vorteile durch eine Mitgliedschaft in der SA schwärmt. In der Heinrich Mann-Verfilmung DER UNTERTAN (1951) spielt er Dietrich Heßling, den Emporkömmling deutscher Prägung. Werner Peters füllt kongenial die Rolle des karrieresüchtigen Opportunisten und Reaktionärs aus. In strammer Haltung und mit deutschem Aussehen (Kaiser-Wilhelm-Schnurrbart, kurzer Haarschnitt) offenbart Dietrich Heßling seinen preußisch-deutschen, militaristischen Geist: eitel, borniert, patriachal, kriecherisch, gewalttätig und machtsüchtig. Szenen bleiben unvergessen, etwa der unterwürfige Lauf Dieter Heßlings neben der Kaiser-Kutsche oder die Rede bei der Einweihung des Kaiser-Denkmals. Für Werner Peters ist es die Rolle seines Lebens, er wird für seine Darstellung mit dem Nationalpreis III. Klasse ausgezeichnet.

Der Schauspieler arbeitet auch mit anderen Regisseuren zusammen. Für Kurt Maetzig steht er in DIE BUNTKARIERTEN (1949) als Oberleutnant von der Lohe vor der Kamera. In der romantischen und unterhaltsamen Komödie DER KAHN DER FRÖHLICHEN LEUTE (1950) unter der Regie von Hans Heinrich spielt er den jungen Hugo. Regisseur Richard Groschopp holt ihn für die Rolle des Maschinenmeisters Hans Obermann in MODELL BIANKA (1951). In dem von Herbert Ballmann in Szene gesetzten Märchenfilm DER TEUFEL VOM MÜHLENBERG (1955) spielt er den Schulze Bangebös, einen gemeinen Dorfvorsteher, der die armen Bauern ausbeutet. Ganz auf sein komisches Talent ist der Film STAR MIT FREMDEN FEDERN (1955) von Harald Mannl abgestimmt. Hier agiert er in einer Doppelrolle als eitler Friseur Franz Blume, der auf Grund seiner Ähnlichkeit für den berühmten Leinwandstar Günther Kolmin gehalten wird. Ebenso komisch ist er in der Posse EIN POLTERABEND (1955) von Curt Bois, wo er den sächsischen Vize-Gefreiten Pippich spielt.

Mitte der 1950er Jahre verlässt Werner Peters die DEFA und arbeitet nur noch im Westteil des Landes. Hier wird er ein vielgefragter Darsteller. Als Schneidergeselle Mölfes, der die Strafe seines Meisters im Gefängnis absitzt, überzeugt er an der Seite von Heinz Rühmann in DAS SONNTAGSKIND (1956). Einen weiteren großen Erfolg erreicht Werner Peters unter der Regie von Robert Siodmak. In dem Film NACHTS, WENN DER TEUFEL KAM (1957) spielt er den windigen Zeitgenossen Willi Keun. Für seine Darstellung wird er als Bester Nebendarsteller mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Neben Hans Albers agiert er in DER GREIFER (1958), spielt einen Kneipenwirt und ehemaligen Einbrecher, der hilfreich zur Ergreifung eines Frauenmörders beiträgt. In dem Klassiker DAS MÄDCHEN ROSEMARIE (1958) agiert er als Nakonski, ein wohlhabender Kunde der Luxus-Prostituierten, die später ermordet wird. Nochmals arbeitet er mit Wolfgang Staudte bei dessen ROSEN FÜR DEN STAATSANWALT (1959) mit, wo er den älteren, dumm-dreisten und geldgierigen Bauunternehmer Kugler gibt, der der tüchtigen Geschäftsfrau Lissy nachstellt und der den wegen seiner Kriegsvergangenheit ins Zwielicht geratenen Staatsanwalt unter Druck setzt.

Leider wird der Schauspieler häufig mit dem Rollentyp des Bösewichts betraut. Er gibt in vielen Fällen den Deutschen in Uniform und Zivil, der unangenehm auffällt, sadistisch veranlagt ist oder überaus böse handelt. Vom ersten, etwas gutmütigen und dummen Eindruck, bleibt in vielen Fälle immer das Böse zurück; er ist häufig verschlagen und brutal. Als Hauptfeldwebel Krüll in STRAFBATALLION 999 (1960) von Willy Zeyn schleift er straffällige Soldaten an der Ostfront während des Zweiten Weltkriegs. In zahlreichen westdeutschen Unterhaltungsproduktionen und Kassenschlagern der 1960er Jahre ist Werner Peters präsent. In einer Karl May-Verfilmung ist er ebenso zu sehen wie in der Dr. Mabuse-Reihe und in mehreren Edgar Wallace-Filmen. Auch in internationalen Produktionen verkörpert Werner Peters diesen Rollentyp. Meist gibt er ihn an der Seite solch großer Namen wie William Holden, Henry Fonda, James Garner, Sean Connery und Paul Newman.

Im westdeutschen Fernsehen ist der Darsteller ebenfalls vielbeschäftigt. Hier hat er in einigen Produktionen mehr Möglichkeiten, seine schauspielerischen Fähigkeiten auszuschöpfen, etwa in dem damals stark diskutierten TV-Film "Besuch aus der Zone" (1958) von Rainer Wolffhardt, in dem er einen geflohenen DDR-Fabrikanten spielt. Als Bürgermeister Dr. Obermüller von Köpenick in "Der Hauptmann von Köpenick" (1960) überzeugt er nochmals als preußischer, kaisertreuer Beamter. In dem zweiteiligen Dokumentarspiel "Der Fall Klaus Fuchs" (1965), welches die Geschichte um den 'Atomspion' nachzeichnet, stellt er einen englischen Leutnant dar.

Neben seinen Theater-, Film- und Fernseharbeiten ist Werner Peters im Synchrongeschäft tätig. 1958 gründet er in Berlin das Synchronstudio Rondo-Film GmbH. Er leiht zahlreichen ausländischen Schauspielern seine Stimme, unter anderem Orson Welles, Rod Steiger und Ernest Borgnine. Außerdem stellt der Künstler einige kurze Produktionen zu Rechtsfragen für das westdeutsche Fernsehen her.

Werner Peters ist seit 1966 mit Ursula Burow verheiratet. Er ist Vater eines Sohnes. Der Schauspieler stirbt am 30. März 1971 in Wiesbaden an einem Herzinfarkt.

-----
Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 1,62455