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Renate Krössner

Renate Krössner
Darsteller

* 17. Mai 1945
Osterode
Deutschland
andere Namen Renate Krößner

RENATE KRÖSSNER • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Renate Krössner ist SOLO SUNNY (1980). An dieser Rolle wird die Darstellerin immer wieder gemessen, an sie erinnern sich Tausende Zuschauer. Ende der 70er Jahre erlebt Renate Krössner in der DDR ihren ersten Karriere-Höhepunkt. Als eigenwillige junge Frau überzeugt sie in zahlreichen Gegenwartsstoffen unter der Regie von Herrmann Zschoche, Lothar Warneke, Heiner Carow und Konrad Wolf. 1985 siedelt sie nach Westberlin über. Im vereinigten Deutschland ist Renate Krössner mittlerweile eine gestandene Charakterdarstellerin, die für ihre schauspielerischen Leistungen mehrfach ausgezeichnet wird.

Renate Krössner wird am 17. Mai 1945 in Osterode, im Harz geboren. Ihr Vater ist Lehrer. Die Familie zieht nach Berlin. Hier besucht die die Erweiterte Oberschule. Schon während ihrer Schulzeit beginnt Renate Krössner Theater zu spielen. Nach dem Schulabschluß bewirbt sie sich an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin und erhält mit 19 Jahren ihr Diplom. Danach wird sie an verschiedenen Provinzbühnen engagiert, steht unter anderem im Parchim, Stendal, Dessau, Senftenberg und Brandenburg auf der Bühne. Sie gibt Gastspiele, tourt durch das Land.

Das Fernsehen der DDR wird Mitte der 60er Jahre auf die junge Schauspielerin aufmerksam. In dem TV-Film "Köpfchen Kamerad" von Otto Holub spielt sie ihre erste Rolle. Aber die Filmkarriere will nicht so richtig starten. Renate Krössner ist in einigen Filmproduktionen in kleineren Nebenrollen zu sehen. Einher mit dem Debüt vor der Fernsehkamera geht ihrer erste Rolle bei der DEFA. Vor der Kamera debütiert sie in dem Film TIEFE FURCHEN (1965) unter der Regie von Lutz Köhlert. Erst 10 Jahre später ist die Schauspielerin wieder in einem Kinofilm zu sehen. In dem Film EINE PYRAMIDE FÜR MICH (1975) von Ralf Kirsten spielt sie ihre erste etwas größere Rolle.

Mitte der 70er Jahre erringt Renate Krössner mit ihren Darstellungen in DEFA-Gegenwartsfilmen größere Aufmerksamkeit, wird eine der bekanntesten Schauspielerinnen der DDR. In dem Lothar Warneke-Film DIE UNVERBESSERLICHE BARBARA (1977) spielt sie an der Seite von Cox Habbema. Sie ist bei dem hervorragenden Schausspiel-Ensemble in ZÜND AN, ES KOMMT DIE FEUERWEHR (1978) von Rainer Simon dabei. Bereits 1976 hat sie in dem Film FEUER UNTER DECK (1979) von Herrmann Zschoche eine größere Hauptrolle gespielt. Neben Manfred Krug agiert sie als Restaurantschiff-Besitzerin Carola. Der Film wird aber erst 1979 im Fernsehen der DDR ausgestrahlt, kommt danach mit einigen wenigen Kopien in die Kinos. Grund ist die Ausreise des Hauptdarstellers Manfred Krug.

Die nächsten Filme bringen den großen Durchbruch für Renate Krössner, national sowie international. Sie spielt in dem Publikumserfolg BIS DASS DER TOD EUCH SCHEIDET (1979) unter der Regie von Heiner Carow. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Ehe, die auf dem harten Boden der Realität landet und nach einer langen Kette von Feindschaft und Gewalt im Tötungsversuch am Ehemann endet. Renate Krössner gibt in dem harten, realistischen Film die Freundin Tilli, die Sonja (brillant gespielt von Katrin Saß) in ihren Eheproblemen mit Rat und Tat zur Seite steht. Mit ihrer Darstellung bleibt die Schauspielerin in Erinnerung.

Mit SOLO SUNNY (1980) wird Renate Krössner heute noch verbunden. Der Regisseur Konrad Wolf und der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase finden in der Schauspielerin genau ihre Entsprechung der jungen Frau aus dem Prenzlauer Berg, die als Sängerin mit einer Tingeltangel-Band durch das Land reist, ihren Anspruch auf künstlerische Selbstbehauptung und Freiheit aber nicht aufgeben will. Der Film überzeugt durch ausgefeilte Charakterzeichnung und realistische Stimmung. Renate Krössner mimt die Schlagersängerin Ingrid Sommer souverän und eigenwillig. Für ihre Darstellung wird sie unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin mit dem Silbernen Bären als Beste Darstellerin ausgezeichnet.

Nach ihrem großen Erfolg ist sie in dem DEFA-Spielfilm EINER VOM RUMMEL (1983) von Lothar Großmann zu sehen. Geschildert wird die Geschichte von Dirk, der auf dem Rummelplatz arbeitet und sich mit seinem Onkel überwirft. Er verliebt sich in die wesentlich ältere Küchenfrau Hanna (gespielt von Renate Krössner), die ihm festen Boden unter den Füßen gibt. Es ist der letzte DEFA-Film, in dem die Schauspielerin zu sehen ist. Trotz des Erfolges als Sängerin Sunny erhält sie nur wenige Rollenangebote. Ein Grund mag in dem ausgeprägten Plädoyer für Individualität und Selbstbehauptstehung stehen, den die Schauspielerin in SOLO SUNNY (1980) nicht nur verkörpert, sondern auch lebt. Einige Male ist sie noch im Fernsehen der DDR präsent. Unter anderem spielt in dem fünfteiligen TV-Film "Verflucht und geliebt" (1981) sowie in der Fontane-Verfilmung "Mathilde Möhring" (1982) von Karin Hercher.

1985 siedelt Renate Krössner mit ihrer Familie nach Westberlin über. Auf der Theaterbühne findet sie schnell Anschluß. Sie ist in zahlreichen größeren Rollen an verschiedenen Bühnen, unter anderem im Theater in Basel, im Residenztheater München und in der Berliner Schaubühne zu sehen.

Ihren ersten Auftritt im westdeutschen Fernsehen hat sie in einem "Tatort". Danach ist sie auf der kleinen Leinwand überaus präsent. Neben zahlreichen Auftritten in TV-Serien wie "Liebling Kreuzberg" oder "Stubbe - Von Fall zu Fall" ist sie auch als Charakterdarstellerin in gehobener Fernsehunterhaltung zu sehen. In der zwölfteiligen Fernsehserie "Bruder Esel" (1997) spielt sie Theres Spitzer, Mutter von drei Kindern, in die sich der Franziskanerpater Ludger Spengler verliebt und der wegen ihr seine Berufung aufgibt. Die Serie wird mit zahlreichen Preisen bedacht, unter anderem erhält die Schauspielerin den Adolf Grimme Preis. In dem ZDF-Fernsehfilm "Angst" (1994) spielt sie die Rolle einer immerzu von ihrem Mann vergewaltigten Frau. Ihre Darstellung der ängstlichen, aber auch zaghaft selbstbewussten Frau wird hoch gelobt. In Dominik Grafs Kriminalfilm "Der Skorpion" (1997) wird sie als Ehefrau eines Kriminalkommissars Opfer eines brutalen Anschlags. Von 1998 bis 2003 steht sie für die ZDF-Serie "Stubbe - Von Fall zu Fall" neben dem Schauspieler und Komiker Wolfgang Stumph vor der Kamera. 2004 ist die Darstellerin in der sechsteiligen ZDF-Krimireihe "Einmal Bulle, immer Bulle" dabei. Als abgebrühte Hauptkommissarin mit schwarzem Humor und fürsorgliche Mutter von drei Kindern überzeugt sie ein Millionenpublikum.

Es folgen auch Engagements in Kinofilmen. Ihr erster Film nach dem Zusammenbruch der DDR im wiedervereinigten Deutschland wird GOSSENKIND (1991) von Peter Kern. Als alkoholsüchtige Mutter treibt sie ihren Sohn Axel in das Strichermilieu am Düsseldorfer Bahnhof. Anfang der 90er Jahre ist Renate Krössner in dem Fußballfilm NORDKURVE (1991) von Adolf Winkelmann zu sehen. Der Film schildert Erlebnisse an einem Samstag in Dortmund. In dem unterhaltsamen Werk spielt Renate Krössner den Fan Uschi Klamm, die mit tausend Anderen in der Nordkurve nur das Vergnügen im Kopf hat. Für ihre hervorragende schauspielerische Leistung wird sie mit dem Bundesfilmpreis, dem Filmband in Gold ausgezeichnet. In FERNES LAND PA-ISCH (1994) von Rainer Simon mimt sie ein trinksüchtige Mutter, die ihren Kindern keine Hilfe ist. Kleinere Rollen verkörpert sie unter anderem in der Komödie HELDEN WIE WIR (1999), DIE EINSAMKEIT DER KROKODILE (2000) und in dem Werner Herzog-Drama INVINCIBLE (2001) als Mutter Breitbart. Renate Krössner ist auch in der erfolgreichen Dany Levy-Komödie ALLES AUF ZUCKER (2004) als Linda zu sehen.
In ihrem aktuellen Film MONDSCHEINKINDER(2006) von der Regisseurin Manuela Stacke spielt sie die Mutter von Lisa (Leonie Krahl), die ihre Pupertät und die Krankheit ihres Bruders unter einen Hut bringen muss. Die Familiengeschichte wurde unter anderem mit dem Publikumspreis des Filmfestival Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.

Renate Krössner lebt mit dem Schauspieler Bernd Stegemann und ihrem Sohn Eugen in Berlin. Das Paar steht auch gemeinsam vor der Kamera, unter anderem in NORDKURVE (1991). Ihr Sohn Eugen arbeitet ebenfalls als Schauspieler.


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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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