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Rolf Hoppe

Rolf Hoppe
Darsteller, Sprecher

* 06. Dezember 1930
Ellrich
Deutschland

ROLF HOPPE • Biographie Seite 1/1

Rolf Hoppe gehört zu den Schauspielern aus der DDR, die auch international großen Erfolg feiern können. Mit seiner Darstellung des General Göring in MEPHISTO (1980) von István Szabó wird er Anfang der 80er Jahre international bekannt. Die Leichtigkeit, mit der er das Brutale und Schreckliche der nationalsozialistischen Machthaber, versteckt hinter der Maske der Harmlosigkeit, darstellt, wird besonders gelobt.

Rolf Hoppe wird am 6. Dezember 1930 in Ellrich, Harz geboren. Sein Vater ist Bäckermeister. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges reicht seine Schulbildung nur bis zur achten Klasse der Volksschule, an ein Abitur ist nicht zu denken. Er arbeitet als Kutscher auf einem landwirtschaftlichen Gut, beginnt auf Wunsch seines Vaters eine Bäckerlehre.

Daneben ist er bei den "Südharzer Jungspatzen" als Laienschauspieler tätig. Die Leidenschaft läßt ihn nicht los. Er bewirbt sich an der Schauspielschule in Weimar, wird aber abgelehnt. Er nimmt Schauspielunterricht und studiert später am Staatlichen Konservatorium in Erfurt Schauspielkunst. Nach seinem Studium wird er an den Städtischen Bühnen Erfurt engagiert. Er ist unter anderem in "Egmont" zu sehen. Doch seine junge, hoffnungsvolle Karriere als Schauspieler wird 1950 unterbrochen, als eine Stimmlippenlähmung bei ihm diagnostiziert wird. Rolf Hoppe nimmt eine Stelle als Tierpfleger im Zirkus Aeros an, lernt hier unter anderem reiten.

Als Schauspieler kann Rolf Hoppe wieder arbeiten, nachdem er sich einer Therapie am Institut für Stimmbildung unterzogen hat. Danach startet er neu, wird am Theater der Jungen Garde in Halle engagiert. Kurze Zeit später wechselt er an das Theater in Greifswald, steht von 1953 bis 1955 auf der Bühne des Theaters der Jungen Generation in Leipzig und von 1955 bis 1961 arbeitet er in Gera. Seine langjährige Heimstätte findet er 1961, er wird Mitglied des Staatstheaters Dresden. Von 1970 bis 1975 geht er ans Deutschen Theater in Berlin, kehrt dann aber nach Dresden zurück. Der Schauspieler erarbeitet sich ein umfassendes Repertoire. Im Laufe seiner langen Karriere hat der Schauspieler die wichtigsten Rollen der Theaterliteratur ausgefüllt. Er macht sich einen Namen in Stücken von Bertolt Brecht, Friedrich Dürrenmatt und Henrik Ibsen. Auch in klassischen Bühnenstücken beweist er sein schauspielerisches Talent, er gibt den König Lear und ist Dorfrichter Adam. In den 80er Jahren spielt er Theater bei den Salzburger Festspielen.

Seit Mitte der 60er Jahre arbeitet Rolf Hoppe für die DEFA. Zunächst ist er in kleineren, aber wichtigen Rollen zu sehen, arbeitet mit den Regisseuren Günther Rücker, Konrad Wolf und Herrmann Zschoche zusammen. Er ist der Lehrer Klein in DIE BESTEN JAHRE (1965), agiert als Etappenmajor in ICH WAR NEUNZEHN (1968). Einem größerem Publikum wird er durch die populärem DEFA-Indianerfilmen bekannt. Hier gibt er den Schurken. Erstmals ist er der Gegenspieler von Gojko Mitic in SPUR DES FALKEN (1968). Später agiert Rolf Hoppe als skrupelloser Mörder in WEIßE WÖLFE (1969) und ULZANA (1974). Der Schauspieler wird bevorzugt als Bösewicht besetzt.

Auch in komischen Rollen überzeugt Rolf Hoppe. In DIE HOSEN DES RITTERS VON BREDOW (1973) unter der Regie von Konrad Petzold agiert der Künstler als vorzüglicher Komiker. Als Göttervater Jupiter in der farbenfrohen und turbulenten Offenbach-Verfilmung ORPHEUS IN DER UNTERWELT (1974) und als Meister Hans Röckle in HANS RÖCKLE UND DER TEUFEL (1974) zeigt er seine Wandlungsfähigkeit. Als Bürgermeister Dr. Hane wird er in DIE GÄNSE VON BÜTZOW (1985) von der wohlhabende Witwe Hornbostel und besten Gänsezüchterin der Gegend (gespielt von Ursula Karusseit) umgarnt. Die Kinder lieben den Schauspieler als väterlichen Freund. Er gibt den Schleusenwärter in SUSANNE UND DER ZAUBERRING (1973), ist der sympathische König in dem Kultmärchenfilm DREI HASSELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL (1973) oder in LORENZ IM LAND DER LÜGNER (1996).

Rolf Hoppe kann der Festlegung auf die Rolle des Bösewichts und des Komikers entgegen. In zahlreichen Filmen zeigt er differenzierte Persönlichkeitsdarstellungen, fällt durch seine artistische Behendigkeit und mimische Vielseitigkeit auf. In dem Abenteuerfilm KIT & CO (1974) von Konrad Petzold agiert er neben Dean Reed als Shorty, der als Goldsucher und Abenteurer über das Leben in Alaska bestens Bescheid weiß. In UNTERWEGS NACH ATLANTIS (1977) unter der Regie von Siegfried Kühn gibt er den englischen Wissenschaftler Alexander Grey, der angeblich das sagenumwobene Atlantis entdeckt haben soll und nun in verschiedenen Gestalten und Masken seinem Widersacher diverse Fallen stellt. In der Nebenrolle des Gauklers, der seine Verkündigungen mit dem Leben bezahlen muß, überzeugt Rolf Hoppe in JÖRG RATGEB, MALER (1978) von Bernhard Stephan.

International wird der Schauspieler als General Göring in dem Film MEPHISTO (1980) von István Szabó bekannt. Rolf Hoppe gibt den Gegenspieler Klaus Maria Brandauers in seiner ganzen Doppeldeutigkeit. Er ist großtuerisch und leutselig, geschmeidig und aalglatt, hinterhältig und heuchlerisch. In seiner Harmlosigkeit offenbart er eine verschleierte Brutalität, die unberechenbar ausbrechen kann, und vereint Blendung und Grauen des Faschismus in einer Person. Der Mimen gelingt die Darstellung eines faschistischen Machthabers aufs Genaueste, national wie international werden Film wie Darstellerensemble gefeiert. Nochmals arbeitet Rolf Hoppe mit dem Regisseur in OBERST REDL (1984) zusammen. 1986 kündigt er am Staatsschauspiel Dresden. Grund ist der internationale Erfolg mit seinen Filmen. Zahlreiche Aufträge führen ihn nach Polen, in die Schweiz, sogar nach China.

Seit dem Erfolg von MEPHISTO (1981) arbeitet der Schauspieler vielfach im Ausland; er gehört zu den wenigen DDR-Schauspieler, die regelmäßig in internationalen Produktionen eingesetzt werden. Als Vater Friedrich Wieck, der seine Tochter Klara Schumann in die vorgegebene Rolle zwängt und ihre Karriere betreibt, um sich selbst als Künstler zu verwirklichen., agiert er in FRÜHLINGSSINFONIE (1983) von Peter Schamoni. In Bernhard Wickis Film DIE GRÜNSTEIN-VARIANTE (1984) spielt er den Gefängnisdirektor. Er arbeitet in Shanghai, spielt dort in dem TV-Film "Chinese sucht seinen Mörder" (1987) die Doppelrolle eines Versicherungsdirektor und seines Sohnes, der den Spuren seines Vaters folgt. In PESTALOZZIS BERG (1988), einer Co-Produktion der Schweiz mit der DEFA, agiert er als Wirt Zehender, der dem Aufklärer und Humanisten Johann Heinrich Pestalozzi überaus freundlich gesinnt ist.

Auch die DEFA nutzt immer wieder seine darstellerischen Fähigkeiten. Als Doktor Böblinger spielt er unter der Regie von Horst Seemann in ÄRZTINNEN (1984) einen geschäftstüchtigen Arzt, der seine Untergebenen gekonnt zu führen weiß. In Roland Gräfs Film HAUS AM FLUSS (1986) spielt Rolf Hoppe den alten Werftdirektor Hüsgen. Angesicht der Gewalttaten der nationalsozialistischen Herrschaft zieht dieser sich in seine bürgerliche Welt zurück. Am Ende begeht er Selbstmord. Neben Götz George und Otto Sander agiert er in der Berliner Nachkriegskomödie DER BRUCH (1989) von Frank Beyer als Bruno Marquard, Profi-Safeknacker. Nach dem Zusammenbruch der DDR hat Rolf Hoppe keine Schwierigkeiten, sich als Schauspieler weiter zu behaupten. Wieder sind es Rollen, in denen er dämonisch und gefährlich sein kann. Mit einem fulminanten, bedrückenden Kurzauftritt als Gauleiter Streicher überzeugt er in COMEDIAN HARMONISTS (1997) von Joseph Vilsmaier. Der Schauspieler ist als Rabbi in der Komödie ALLES AUF ZUCKER (2005) von Dani Levy im Kino zu sehen.
2007 ist Rolf Hoppe in mehreren TV-Produktionen zu sehen. Unter anderem in MEIN ALTER FREUND (2007) von Dieter Wedel und in der Krimi-Reihe "Commissario Laurenti" mit Henry Hübchen als Triester Kriminalpolizist Proteo Laurenti.

Bereits seit Mitte der 60er Jahre gehört Rolf Hoppe zu den beliebten Darstellern im Fernsehen der DDR, seit den 80er Jahren auch in der Bundesrepublik und nach dem Zusammenbruch der DDR ebenfalls im gesamtdeutschen Fernsehen. Wie viele seiner anderen Kollegen ist er in TV-Serien wie "Polizeiruf 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort" zu sehen. Als Höhepunkte seiner TV-Leistungen gilt unter anderem sein barocker Kurfürst Friedrich August von Sachsen in "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" (1985). Mit seiner Darstellung des Heinz Baranowski in dem TV-Mehrteiler "Sardsch" erringt er 1998 den Adolf Grimme-Preis.

Neben seiner Film-, Fernsehen- und Theaterarbeit ist Rolf Hoppe als Sprecher beschäftigt. Er gibt den Erzähler in DEFA-Filmen oder spricht Hörspiele ein.

Rolf Hoppe ist mit einer Krankenschwester verheiratet. Die Familie lebt mit ihren zwei Töchtern, Josephine und Christine, in Dresden. Christine Hoppe ist ebenfalls als Schauspielerin tätig und ist derzeit am Staatsschauspiel Dresden engagiert.


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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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