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Jutta Hoffmann

Jutta Hoffmann
Darsteller

* 03. März 1941
Halle (Saale)
Deutschland

JUTTA HOFFMANN • Biographie Seite 1/1

Jutta Hoffmann ist eine der beliebtesten Darstellerinnen der DDR. Genau wie die Filmfrauen, die sie mehrfach verkörpert, hält sie die Waage zwischen Selbstbewußtsein und Fremdbestimmung, zwischen individuellem Widerspruchsgeist und gesellschaftlicher Anpassung. Die zierliche und fragile Schauspielerin stellt in einigen wichtigen DEFA-Filmen Persönlichkeiten dar, die sich überaus robust für das Leben und ihren ganz eigenen Weg entscheiden, fern ab von Parteiprogrammen und -büchern.

Jutta Hoffmann wird am 3. März 1941 in Halle an der Saale geboren. Sie entstammt einer Arbeiterfamilie. Schon in ihrer Schulzeit interessiert sie sich für das Theater, ist Mitglied einer Laienspielgruppe der Buna-Werke in Schkopau. Nachdem sie ihr Abitur abgelegt hat, bewirbt sie sich mit Erfolg an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Von 1959 bis 1962 studiert sie dort im Fachbereich Schauspiel.

Bereits Anfang der 60er Jahre debütiert Jutta Hoffmann auf der großen Theaterbühne. Im Maxim Gorki-Theater in Berlin steht sie in der Komödie "Und das am Heiligabend" von Vratislav Blazek auf der Bühne. Nach ihrem Studium erhält sie ein Engagement an dem Theater, gehört in den 10 Jahren an dem Haus zu deren bekanntesten und auffallensten Darstellerinnen. Sie agiert in Klassikern, etwa als Minna von Barnhelm, genauso brillant wie in modernen Stücken, spielt unter der Regie von Alfred Hetterle und Horst Schönemann. Zwischenzeitlich wechselt sie ans Deutsche Theater. Hier arbeitet sie von 1965 bis 1967 mit dem Regisseur Benno Besson zusammen, spielt zum Beispiel unter seiner Regie die Donna Elvira in "Don Juan" von Molière. Seit 1973 ist Jutta Hoffmann Mitglied des Berliner Ensembles. Die neue Intendantin Ruth Berghaus holt sie, mit dem Regisseur Einar Schleff feiert sie weitere Erfolge. Gemeinsam probieren sie bei der Inszenierung von "Fräulein Julie" nach August Strindberg Neues aus. Sie produzieren einen Skandal; nach 10 Abenden wird das Stück abgesetzt.

Neben ihrer Theaterarbeit ist Jutta Hoffmann kontinuierlich bei der DEFA beschäftigt. Schon während ihrer Studienzeit debütiert die junge Schauspielerin vor der Kamera. In dem Jugendfilm DAS RABAUKEN-KABARETT (1961) agiert sie an der Seite anderer junger Darsteller wie Horst Jonischkan und Ernst-Georg Schwill. Unter der Regie von Frank Vogel spielt sie ihre erste Hauptrolle in der Liebesgeschichte JULIA LEBT (1963). Sie verkörpert Penny Berger, eine verwöhnte junge Professorentochter.

Jutta Hoffmann spielt in mehreren Filmen mit, die nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED verboten werden. Als Uschi überzeugt sie in DENK BLOß NICHT, ICH HEULE (1965) von Frank Vogel. Eine kleine Rolle übernimmt sie in WENN DU GROß BIST, LIEBER ADAM (1965) von Egon Günther. In SPUR DER STEINE (1965) von Frank Beyer synchronisiert sie den Text der polnischen Schauspielerin Krystyna Stypulkowska, die die weibliche Hauptrolle der Kati Klee in dem Film übernommen hat. Ihre erste große und wichtige Hauptrolle spielt Jutta Hoffmann in KARLA (1965) von Herrmann Zschoche. Hier agiert sie als junge Lehrerin Karla, die in der Provinz ihren Lehrerberuf nach dem Studium antritt und deren unkonventionelles Verhalten bei den Kollegen auf keine Gegenliebe stößt. Jutta Hoffmann glänzt in der Rolle mit einer selbstbewußten Kraft, ohne Anpassung und Betrug ihr Leben meistern zu wollen. Nicht nur der Charakter der jungen Frau überzeugt, es sind auch die Gesten der Schauspielerin, in denen sich die Zuschauer wiederfinden können. Alle vier Filme gelangen 1965 gar nicht oder nur kurz vor ein Publikum. Gemeinsam ist ihnen die Unangepaßtheit, ihr ungebremster Anspruch auf Individualität.

Zwischen dem Regisseur Egon Günther und der Schauspielerin ergibt sich auch nach dem Verbot ihres ersten gemeinsamen Films eine intensive Arbeitsbeziehung, mehrfach besetzt der Regisseur sie in seinen wichtigsten Filmen. So übernimmt Jutta Hoffmann die Hauptrolle in DER DRITTE (1972). Die Mathematikerin Margit ist eine emanzipierte Frau, aber einsam. Hinter sich hat sie eine Diakonissen-Schule, zwei Männer, zwei Kinder. Selbstbewußt wählt sie sich ihren Kollegen Hrlitschka (gespielt von Rolf Ludwig) als ihren dritten Man aus. Jutta Hoffmann spielt die Margit Fließer in einer wunderbaren Mischung aus Naivität und Unabhängigkeit. Der Film wird wegen seines für wahrhaftig befundenen Frauenbildes nicht nur ein Publikumserfolg, sondern erringt auch Aufsehen im Ausland und gewinnt Preise, unter anderem wird Jutta Hoffmann 1972 auf dem Internationalen Filmfest in Venedig als Beste Darstellerin ausgezeichnet.

Mit DER SCHLÜSSEL (1974) wird die Arbeitsbeziehung zwischen Regisseur und Schauspielerin fortgesetzt. Das junge Paar Ric und Klaus (gespielt von Jaecki Schwarz) reist nach Krakow. Während ihres Urlaubs erkennen sie die Unterschiedlichkeiten ihrer Lebensauffassung. Erst als Ric bei einem Unfall umkommt, nimmt Klaus seine Unfähigkeit wahr, sich in andere Menschen hineinzufühlen. Der Film ist hervorragend besetzt, Jutta Hoffmann gibt die junge Arbeiterin selbstbewußt und mutig, läßt sich von dem hochmütigen Studenten nicht einschüchtern und besteht auf ihrer Identität. Dem Regisseur gelingt ein locker, impressionistisch inszenierter Film, der wichtige Themen aufrichtig verhandelt.

In kleineren Rollen überzeugt Jutta Hoffmann ebenso. Als Adele Schopenhauer vom Musenverein der Damen in LOTTE IN WEIMAR (1975) unter der Regie von Egon Günther brilliert sie an der Seite von Martin Hellberg und Lilli Palmer. Der Film beschreibt das desillusionierende Wiedersehen des gealterten Goethe mit seiner Jugendliebe Charlotte Kestner. Jutta Hoffmann macht, mit einem Kunstblumengebinde am Hut und vor schwärmerischer Begeisterung stotternd, aus einem Gespräch mit der Weimar besuchenden Lotte eine doppelsinnige Studie über die Gleichberechtigung.

Auch mit Darstellungen in Fernsehfilmen gewinnt Jutta Hoffmann Millionen von Zuschauern in der DDR. Wieder arbeitet sie mehrfach mit Egon Günther zusammen. Sie spielt Leonore in der international erfolgreichen TV-Verfilmung "Junge Frau von 1914" (1969) nach dem gleichnamigen Roman von Arnold Zweig. In den TV-Klassikern "Kleiner Mann - was nun?" (1967) und "Fleur Lafontaine" (1978) spielt sie ebenfalls mit. Zu ihren wichtigsten Fernsehdarbietungen gehört "Geschlossene Gesellschaft" (1978) von Frank Beyer. Hier spielt sie Ellen, eine junge verheiratete Frau, die an der Seite ihres Mannes (dargestellt von Armin Mueller-Stahl) nicht glücklich ist. Geschildert werden, desillusioniert, Szenen einer Ehe. Die Beziehungskrise des Paares wird zur Analogie auf die zahlreichen, individuellen Enttäuschungen in der sozialistischen Gesellschaft. Unter der Regie von Thomas Langhoff verkörpert sie die Hedda Gabler in dem gleichnamigen Fernsehfilm von 1980. Nochmals arbeitet sie mit dem Regisseur bei "Stella" (1982) zusammen. In der Rolle der jüdischen Magda Neubert in "Zeit der Einsamkeit" (1984) von Peter Vogel nach der Erzählung von Stephan Hermlin wird ihr wieder eine brillante Schauspielleistung bescheinigt.

Einer ihrer letzten DEFA-Filme wird DAS VERSTECK (1977) unter der Regie von Frank Beyer. Sie gibt Wanda, die sich von Max (gespielt von Manfred Krug) getrennt hat. Er aber kann ihre Entscheidung nicht akzeptieren, will sie mit diversen Tricks zurückgewinnen. Wieder spielt Jutta Hoffmann eine selbstbewußte Frau, die sich trotz aller Ungewißheit für ihren eigenen Weg entscheidet. Da Manfred Krug kurz nach der Premiere des Films das Land verläßt, wird die Aufführung des Films gestoppt. Nach der Unterzeichnung der Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR 1978 hat es auch Jutta Hoffmann schwer, Rollenangebote für Theater, Film und Fernsehen kommen spärlich.

Ab den 80er Jahren ist Jutta Hoffmann vielfach auf Bühnen im Westteil Deutschlands zu sehen. Sie spielt an der Freien Volksbühne in Berlin unter der Regie von Luc Bondy, steht 1982/1983 auf der Bühne bei den Salzburger Festspielen. 1982 verläßt Jutta Hoffmann die DDR. An den Münchener Kammerspielen findet sie zunächst ein festes Engagement, spielt Olivia in "Was ihr wollt" von William Shakespeare, agiert als Fräulein Montag in "Der neue Prozeß" nach Peter Weiss und verkörpert die Yerma in dem gleichnamigen Stück von Federico García Lorca. Ihre Leistungen auf der Theaterbühne werden von Kritikern wie Zuschauern hoch gelobt, 1984 wird sie als Beste Schauspielerin des Jahres von der Zeitschrift "Theater heute" ausgezeichnet. Das Theater bleibt die Heimstätte der Schauspielerin, in München, Hamburg und Berlin. Unter anderem kehrt sie Mitte der 90er Jahre kurz nach Berlin zurück, spielt in Einar Schleefs Inszenierungen die Rosa Luxemburg in "Verratenes Volk" (1995) am Deutschen Theater und steht in "Herr Puntila und sein Knecht Matti" (1996) am Berliner Ensemble auf der Bühne.

Nur selten ist die Darstellerin im Fernsehen zu sehen. In der 13-teiligen Fernsehserie "Motzki" aus dem Jahr 1993, die sich mit deutsch-deutschen Befindlichkeiten beschäftigt, spielt sie die tüchtige Schwägerin Edith aus dem Osten, die dem Frührentner Friedhelm Motzki aus dem Berliner Wedding zur Hand geht. Von 1998 bis 2002 agiert sie als Kommissarin Wanda Rosenbaum im "Polizeiruf 110" des ORB. Rollenangebote für das Kino kommen noch seltener. In BANDITS (1997) von Katja von Garnier ist sie Mitglied einer aus dem Gefängnis ausgebrochenen Frauenband. In ALTER AFFE ANGST (2003) unter der Regie von Oskar Roehler agiert sie in einer Nebenrolle.

Jutta Hofmann fühlt sich für den schauspielerischen Nachwuchs zuständig. Sie arbeitet mehrere Jahre als Schauspiellehrerin in Berlin und Wien. Seit 1992 ist sie als Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg beschäftigt.

Eine erste Ehe führt die Schauspielerin mit dem Regisseur Herrmann Zschoche. 1962 wird ihre gemeinsame Tochter Katharina geboren. In zweiter Ehe lebt Jutta Hoffmann mit dem österreichischen Schauspieler und Regisseur Nikolaus Haenel zusammen. Aus dieser Beziehung stammt ihr Sohn Valentin. Jutta Hoffmann lebt in Hamburg.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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