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Corinna Harfouch

Corinna Harfouch
Darsteller

* 16. Oktober 1954
Suhl
Deutschland
andere Namen Corinna Meffert

CORINNA HARFOUCH • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Corinna Harfouch gehört zu den wichtigsten Bühnen- und Filmdarstellerin Deutschlands. Sie vereint Attribute auf sich, die widersprüchlich und überaus anziehend wirken: klug und hart, zart und kühl, sanft und scharf. So ist es kein Wunder, daß sie in ihren Rollen eine große Wandelbarkeit an den Tag legt: Sie gibt die unbarmherzige Ehefrau Goebbels im gleichen Jahr wie eine tanzende und tobende Märchenhexe, spielt im Fernsehen die attraktive Lebedame Vera Brühne und auf der Bühne den zackigen General des Teufels.

Corinna Harfouch wird am 16. Oktober 1954 als Corinna Meffert in Suhl geboren. Ihr Vater ist Lehrer, die Mutter arbeitet als Horterzieherin. Zur Familie gehören noch drei Geschwister. Die Familie siedelt von Thüringen nach Sachsen über, in die Kleinstadt Großenhain. Von 1961 bis 1973 besucht Corinna Harfouch hier die Schule und absolviert ihr Abitur. Während ihrer Schulzeit spielt sie im Pioniertheater. Danach erlernt sie den Beruf der Krankenschwester. Zwischenzeitlich bewirbt sie sich an der Schauspielschule und wird mit dem Rat, sich doch für einen anderen Beruf zu entscheiden, abgelehnt.

1975 beginnt sie ein Studium an der Technischen Universität Dresden. Sie will Textil-Ingenieurin werden. Nach drei Jahren entscheidet sie sich anders. Nochmals bewirbt sie sich für die Schauspielerei und wird, im Alter von 24 Jahren, angenommen. Von 1978 bis 1981 studiert sie an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin-Schöneweide. Nach dem Studium wird sie von Ruth Berghaus an das Berliner Theater im Palast (TiP) geholt. Sie debütiert in der Rolle der Lucie in "Stella" nach Johann Wolfgang Goethe. Dort gibt sie auch die Julia in "Romeo und Julia" in der Regie von Christoph Schroth. 1982 wird sie an das Städtische Theater in Karl-Marx-Stadt engagiert, bereits ein Jahr später findet sie im Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm eine neue Wirkungsstätte. Sie spielt die Helena in "Faust II", die Margarethe im "Urfaust". Sie arbeitet mit Heiner Müller zusammen, tritt in dessen Stücken "Schlacht" und als Lady M. in "Macbeth" in einem Gastspiel an der Volksbühne Berlin auf. Corinna Harfouch gestaltet zahlreiche Frauenrollen, gibt die Polly in "Die Dreigroschenoper" nach Bertolt Brecht, die Cressida in "Troilus und Cressida" nach William Shakespeare und Frau Hickethier in "Bürger Schippel" von Carl Sternheim. Mit dem Berliner Ensemble geht sie auf Tournee, wird im europäischen Ausland mit Ovationen gefeiert. Sie wird eine jener Schauspielerinnen, deretwegen Leute ins Theater gehen.

Seit 1991 arbeitet Corinna Harfouch als freie Schauspielerin, ist auf den wichtigen Berliner Bühnen zu sehen. Für ihre Theaterarbeit wird sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Am Berliner Ensemble feiert sie mit "Eva, Hitlers Geliebte" (1996) unter der Regie von Stephan Suschke Erfolge bei Kritik und Publikum. In der Frank Castorf-Inszenierung von "Des Teufels General" (1997) nach Carl Zuckmayer wird sie für ihre Darstellung des General Harras - sie gibt ihn glatzköpfig, großmäulig, zackig und doch mit einem Hauch von Zerbrechlichkeit - mit dem renommierten Gudrun Eysold-Ring ausgezeichnet und im selben Jahr von der Fachzeitschrift "Theater heute" zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Sie gastiert am Burgtheater Wien mit dem Stück "Tochter der Luft" (1999) von Caldéron/Enzensberger, inszeniert von Frank Castorf. Zuletzt ist Corinna Harfouch am Deutschen Theater gemeinsam mit Ulrich Matthes in dem Stück "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" in der Regie von Jürgen Gosch zu sehen.

Vor der Filmkamera debütiert die Schauspielerin als Michaela in der Komödie VERZEIHUNG, SEHEN SIE FUßBALL? (1983) von Gunther Scholz. Mit ihrer zweiten Rolle wird sie einem großen Publikum bekannt. In DAS HAUS AM FLUSS (1986) von Roland Gräf spielt sie eine jener vier Frauen, die sich 1942 mit der Kriegssituation arrangieren müssen. Sie gibt die junge, lebensfrohe Emmi, Schwiegertochter der Hausherrin, die sich das Leben nimmt, weil sie den Tod ihres Mannes an der Front nicht verkraften kann. Mit dem Regisseur wird sie noch mehrfach zusammenarbeiten. In FALLADA - LETZTES KAPITEL (1988) spielt sie Else-Marie Bukonje, eine Nazispionin, die den Dichter Fallada verführerisch umgarnt, ihn aber eiskalt für ihre Zwecke benutzen will. An der Seite von Michael Gwisdek gibt sie in DER TANGOSPIELER (1990) die einfache Buchhändlerin Elke, die dem Stasi-Opfer und Historiker Dallow helfen will. In dem Kriminalfall DIE SPUR DES BERNSTEINZIMMERS (1992) ist sie Lisa, eine junge Frau, die den Mörder ihres Vaters sucht.

Dazwischen ist die Schauspielerin in zahlreichen Episodenrollen zu sehen. Sie gibt die Sekretärin Jenny Weinhold in der Filmbiographie WENGLER & SÖHNE - EINE LEGENDE (1987) von Rainer Simon. Außerdem gastiert sie im Westteil Deutschlands und spielt die Kriminalbeamtin Meffert in DER KLEINE STAATSANWALT (1987) von Hark Bohm. Eine ihrer wichtigsten Rollen erhält sie vom Regisseur Siegfried Kühn. Als Maria Rheine in DIE SCHAUSPIELRIN (1988) lernt sie den jüdischen Schauspieler Mark Löwenthal (gespielt von André Hennicke) kennen und lieben. Auch nach den Nürnberger Gesetzen hält sie an der Liebe fest, bricht ihre Karriere ab, täuscht Selbstmord vor, um eine jüdische Identität als Manja Löwenthal anzunehmen. Ein Verrat wird dem Liebespaar zum Verhängnis. Corinna Harfouch zeigt eine Frau auf ihrem Weg von kindlicher Unbeschwertheit zur starken Empfindung. Ihre Darstellung wird hochgelobt und mehrfach ausgezeichnet.

Danach ist sie in TREFFEN IN TRAVERS (1989) im Regie-Debüt von Michael Gwisdek an der Seite von Hermann Beyer und Uwe Kockisch zu sehen. Als Therese Forster trifft sie sich mit ihrem Mann, dem deutschen Revolutionär Georg Forster, in der Schweiz, um die Scheidung zu besprechen. Sie bringt ihren neuen Lebensgefährten mit. Drei Personen treffen aufeinander, die sich nichts schenken, sich verletzten, ihre Beziehung zerstören, obwohl sie sich eigentlich lieben. In dem nachhaltigen Kammerspiel wird seitens des brillanten Darstellerteams ein ganzes Arsenal menschlicher Empfindungen vorgeführt, die dem Film eine tragische Dimension verleihen. Corinna Harfouch und Hermann Beyer werden als Beste Schauspieler auf dem letzten Nationalen Spielfilmfestival ausgezeichnet. Der Film selbst wird als Bester des Jahres eingeschätzt.

Nach dem Zusammenbruch der DDR erhält sie Schauspielerin für die große Leinwand zunächst keine Rollen. Als Star im Ostteil des Landes ist sie im Westen so gut wie unbekannt. Paradoxerweise ist es die ARD-Vorabend-Serie "Unser Lehrer Doktor Specht" (1992), die sie einem gesamtdeutschen Publikum bekanntmacht und ihr den zweiten Leinwanddurchbruch eröffnet. In der Folge ist die Darstellerin in Kino und Fernsehen präsent, zählt bald zu den wichtigsten Filmdarstellerin Deutschlands. Als Mutter der Zwillinge CHARLIE & LOUISE - DAS DOPPELTE LOTTCHEN (1994) vermittelt sie sehr leise viel von der stillen Trauer, die sie während der Trennung ihrer Kinder empfunden haben muß. In DAS VERSPRECHEN (1995) von Margarethe von Trotta spielt sie die ältere Sophie, die aus der DDR geflüchtet ist und nichts mehr von ihrem jugendlichen Glauben behalten, die ihre Hoffnung fast aufgegeben hat.

An der Seite von Jürgen Vogel ist Corinna Harfouch in der schwarzen Komödie SEXY SADIE (1996) von Matthias Glasner zu sehen. Sie läßt sich als eigensinnige und überaus attraktive Gefängnisärztin von einem inhaftierten Tumorpatienten entführen. Lakonisch und schwarz inszeniert, bleibt sich Corinna Harfouch auch hier als starke Persönlichkeit treu. In dem Beziehungsdrama DAS MAMBOSPIEL (1996) spielt sie die Ex-Ehefrau eines älteren Regisseurs (gespielt und inszeniert von Michael Gwisdek), der sich ihr wieder nähern will. Es handelt sich um einen eigenwilligen Film, der im Wettbewerb der 48. Berlinale zu sehen ist. In dem Kinoerfolg KNOCKIN' ON HEAVEN'S DOOR (1997) von Thomas Jahn hat sie einen Kurzauftritt als Krankenschwester. An der Seite von Götz George spielt sie in SOLO FÜR KLARINETTE (1998) die Mordverdächtige Anna Weller, in die sich der Kommissar verliebt. In DER GROßE BAGAROZY (1999) von Bernd Eichinger agiert sie als Psychiaterin Cora, die in ein mysteriöses Spiel aus Obsession, Lust und Lüge hineingezogen wird.

Mehrfach wird die Schauspielerin ausgezeichnet. Der Deutsche Filmpreis, der Bayerische Film- und auch Fernsehpreis werden ihr verliehen. In der Komödie IRREN IST MÄNNLICH (1996) von Sherry Hormann agiert sie als zweifache Mutter, die ihrem Mann verheimlicht, daß die Kinder nicht von ihm sind, weil er zeugungsunfähig ist. Für diese schauspielerische Leistung erhält sie den Bayerischen Filmpreis als Beste Hauptdarstellerin. In FANDANGO (2000) von Matthias Glasner spielt sie die skurrile Rolle des Drogen-Bosses Duke. In dem phantasievollen Kinderfilm BIBI BLOCKSBERG (2002) mimt Corinna Harfouch die Hexe Rabia. Deren böse Taten bleiben bei Zuschauern und Kritikern lange haften. Sie wird als Beste Nebendarstellerin mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Auch in der Fortsetzung BIBI BLOCKSBERG UND DAS GEHEIMNIS DER BLAUEN EULEN (2004) gehört sie mit ihren schimpfenden Triaden, dem Trickreichtum und ihren Gesangs- und Tanzkünsten zu den lebendigsten Figuren des Märchenfilms.

Ebenfalls im gesamtdeutschen Fernsehen ist das herbe Gesicht der wandlungsfähigen Schauspielerin präsent. In "Gefährliche Freundin" (1996) von Hermine Huntgeburth spielt sie an der Seite von Katharina Thalbach deren lebenslustige und attraktive Freundin Bibi, die für die Mordtat ihrer Gefährtin ins Gefängnis geht. Der dreiteilige TV-Film "Vera Brühne" (2001) von Hark Bohm ist bis in die kleinste Rolle hinein gut besetzt und hat mit Corinna Harfouch eine Hauptdarstellerin, die Erinnerungen an die großen kühlen Frauen des klassischen Hollywoodkinos weckt. 2002 übernimmt die Schauspielerin erstmals die Hauptrolle der Kriminalkommissarin in der SAT 1-Serie "Blond: Eva Blond!". Sie spielt eine moderne, selbstbewußte Frau, die auf ihre Warmherzigkeit, Sensibilität und Intelligenz setzt, um die Mordfälle aufzuklären.

Derzeit ist Corinna Harfouch mit einer ganz anderen Rolle im Kino präsent. Sie gibt in dem Historiendrama DER UNTERGANG (2004) die Magda Goebbels, die unbeeindruckt, hart und barbarisch sich und ihre Kinder umbringt. Die Darstellung bringt ihr eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis ein. Aktuell ist die Schauspielerin auch in der Gaunerkomödie BASTA. ROTWEIN ODER TOTSEIN (2004) von Pete Danquart zu sehen. Als Gefängnispsychologin Maria überredet sie ihren Liebhaber Oskar (gespielt von Henry Hübchen) seine Mafia-Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Danach folgen weitere Rollen in wichtigen Produktionen, wie ELEMENTARTEILCHEN (2006) von Oskar Roehler und in der europäischen Produktion DAS PARFÜM (2006) von Tom Tykwer. Corinna Harfouch ist zudem häufig im deutschen Fernsehen präsent, etwa in AN DER GRENZE (2007) unter Regie von Urs Egger. 2008 wird sie neben Henry Hübchen in WODKA MIT WHISKY (2008) von Andreas Dresen und im Familiendrama zusammen mit Karoline Herfurth IM WINTER EIN JAHR (2008) (IM WINTER EIN JAHR (2008) Trailer) von Caroline Link im Kino zu sehen sein.

Corinna Harfouch ist in erster Ehe mit dem syrischen Informatiker Nabil Harfouch verheiratet. Gemeinsam haben sie eine Tochter, die später bei ihrem Vater aufwächst und heute in Toronto lebt. Aus ihrer zweiten Ehe, die sie seit 1985 mit dem Schauspieler und Regisseur Michael Gwisdek führt, gehen zwei Söhne hervor: Robert und Johannes. Robert Gwisdek arbeitet ebenfalls als Schauspieler. Nach dem Ende der Partnerschaft - die Scheidung erfolgt im August 2007 - lebt die Schauspielerin einige Zeit mit dem Produzenten Bernd Eichinger zusammen. Corinna Harfouch wohnt in Berlin.

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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2008
Diese Biografie ist mit einer Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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