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Eva-Maria Hagen

Eva-Maria Hagen
Liedtext, Darsteller

* 19. Oktober 1934
Költschen (Hinterpommern)
Deutschland

EVA-MARIA HAGEN • Biographie Seite 1/1

Eva-Maria Hagen ist eine vielseitige Künstlerin. Sie ist Schauspielerin, Sängerin, Malerin und Autorin. Sie beginnt ihre Karriere in der DDR, wird dort durch ihren Sex-Appeal, der damals in DEFA-Filmen selten zu finden war, zum Star - als ostdeutsche Marilyn Monroe oder Brigitte Bardot bezeichnet. Ihr Leben ändert sich radikal, als sie den Liedermacher Wolf Biermann kennen und lieben lernt. 1977 wird ihr die Staatsangehörigkeit aberkannt, im westlichen Teil des Landes kann sie sich eine neue Karriere aufbauen.

Eva-Maria Hagen wird am 19. Oktober 1934 als Eva-Maria Buchholz in Költschen, bei Landsberg an der Warthe geboren. Ihre Eltern sind Landarbeiter. Die Kindheit verbringt sie in Kremlin, Hinterpommern. Nach Ende des II. Weltkrieges siedelt die Familie nach Mecklenburg um, sie finden in Perleberg in der Prignitz eine neue Heimat. Nach ihrer dortigen Schulausbildung absolviert Eva-Maria Hagen 1950 eine Maschinenschlosserlehre im Bahnbetriebswerk Wittenberge.

1952 geht sie nach Berlin und beginnt ein Schauspielstudium im Ostteil der Stadt. Bereits ein Jahr später steht die junge Künstlerin in kleinen Nebenrollen auf der Bühne des Berliner Ensembles, hat das Glück mit Bertolt Brecht zu arbeiten, unter anderem bei dessen Inszenierung "Katzgraben" von Erwin Strittmatter. 1954 heiratet die Schauspielerin den Schriftsteller Hans Oliva-Hagen. Ihre Tochter Nina Hagen wird am 11. März 1955 geboren. Nach ihrer Baby-Pause setzt sie ihr Schauspiel-Studium an der Fritz-Kirchoff-Akademie in Westberlin fort.

1957 wird Eva-Maria Hagen von der DEFA für den Film entdeckt. Ihre erste Rolle wird jene der Traudl, eigentlich Gertraud Gerber, in der Komödie VERGEßT MIR MEINE TRAUDL NICHT (1957) unter der Regie von Kurt Maetzig. Im Film wird der historisch-tragische Hintergrund (das Kind einer im Konzentrationslager ermordeten Kommunistin wächst als Waise auf) komödiantisch umgesetzt. Eva-Maria Hagen ist die ideale Besetzung für die kratzbürstigen Traudel. Mit Keßheit, einem jugendlichem Jargon und Sex-Appeal, der damals in DEFA-Filmen selten zu finden war, überzeugt sie ein Millionenpublikum. Der Film wird ein Erfolg, die junge Schauspielerin ist in aller Munde. Sie erhält zahlreiche Rollen, spielt unter anderem in dem DEFA-Lustspielfilmen REISE INS EHEBETT (1966) und OHNE PAß IN FREMDEN BETTEN (1965), ist in wichtigen Großproduktionen wie DIE FAHNE VON KRIWOJ ROG (1967) zu sehen.

Neben ihre Arbeit vor der Kamera ist Eva-Maria Hagen ab 1958 am Maxim-Gorki-Theater in Berlin engagiert. 1961, als das Schauspiel-Ensembles des Fernsehfunks Berlin-Adlershof gegründet wird, gehört sie zu den ersten Mitgliedern. In der Folge spielt die Darstellerin bis 1965 in ca. 50 Filmen- und Fernseh-Produktionen in der DDR mit.

1965 lernt sie den Liedermacher Wolf Biermann kennen. Dessen Auftritte werden nach dem 11. Plenum der SED verboten. Es kommt zu einem Prozeß wegen Staatsverleumdung. Beide Künstler sehen sich Diskriminierungen ausgesetzt, werden von der Staatssicherheit bedroht und ihre Arbeitsmöglichkeiten werden massiv eingeschränkt. Eva-Maria Hagen tritt auf Bühnen in der Provinz auf, spielt unter anderem in Dessau und Annaberg, Leipzig und Frankfurt/Oder. Sie singt und tanzt, spielt die Eliza in dem Musical "My Fair Lady", gibt die Pistache in "Can-Can" und mimt die Rosa Fröhlich in dem Stücke "Professor Unrat" von Heinrich Mann.

Die Situation verschärft sich 1976. Sie protestiert mit anderen Künstlern gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Ein Jahr später wird ihr die Staatsbürgerschaft der DDR aberkannt, sie siedelt in den westlichen Teil Deutschlands über. Hier steht Eva-Maria Hagen auf Bühnen in Hamburg und Düsseldorf. Sie spielt die Marie in "Woyzeck" von Georg Büchern, steht in Stücken von Dürrenmatt auf der Bühne. Das Theater wird immer eine Rolle spielen. In Hamburg spielt sie 1994 "Medea", ein Jahr später ist sie die "Mutter Courage". Auch Film und Fernsehen interessieren sich für die Künstlerin. Unter anderem ist sie als Mutter der Hauptfigur in GIBBY - WESTGERMANY (1980) zu sehen, arbeitet mit Regisseuren wie Hans-Christof Stenzel zusammen.

Neben ihrer Tätigkeit als Schauspielerin beginnt Eva-Maria Hagen als Liedsängerin zu arbeiten. Sie singt unter anderem russische Romanzen, Balladen und Zigeunerlieder. Zu ihrem Repertoire gehören jiddische Lieder genauso wie Brecht-Songs. Sie tirtt mit Sittenbilder aus Kaschemmen, Kneipen, Hinterhöfen und Cafés auf, feiert mit ihren unterschiedlichen Programmen Erfolge in ganz Europa, tourt durch Lateinamerika. Außerdem malt die Künstlerin. Ihre Bilder sind in zahlreichen Ausstellung zu sehen.

Nach dem Zusammenbruch der DDR kann Eva-Maria Hagen 1989 wieder in den Osten des Landes reisen. Sie steht dort auch in den letzten DEFA-Filmen vor der Kamera. In dem mystischen NOVALIS - DIE BLAUE BLUME von Herwig Kipping spielt sie die Mutter des Friedrich von Hardenberg (genannt Novalis). Die Regisseurin Helke Misselwitz engagiert sie für die Rolle der Elsa in HERZSPRUNG (1990), einem Film über die Auflösungserscheinung der DDR.

Eva-Maria Hagen lebt in Hamburg, Berlin und in der Uckermark. Ihre Autobiographie mit dem Titel "Eva und der Wolf" ist 1998 erschienen. Damit tourt die Künstlerin durchs ganze Land, gibt zahlreiche Lesungen. Zwei Jahre später erscheint ihr Buch "Evas schöne neue Welt", welches allerdings wegen eines Streits um Fotorechte wieder zurückgezogen wird. 1999 wird die Künstlerin mit der Carl-Zuckmayer-Medaille ausgezeichnet, eine Ehrung die sie für ihre Verdienste um die deutsche Sprache erhält.

In der Schneewittchen-Farce 7 ZWERGE - MÄNNER ALLEIN IM WALD (2004) wird die Künstlerin zum ersten Mal gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin auf der Leinwand zu sehen sein: Cosma Shiva Hagen spielt das Schneewittchen, Nina Hagen die Königin und Eva-Maria Hagen die Großmutter.

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