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Marga Legal

Marga Legal
Darsteller, Sprecher

* 18. Februar 1908
Berlin
Deutschland
† 30. Oktober 2001
Berlin
Deutschland

MARGA LEGAL • Biographie Seite 1/1

Die Schauspieler Marga Legal startet erst mit mehr als 40 Jahren ihre Filmkarriere. Die Nationalsozialisten haben ihr ab 1935 Auftrittsverbot erteilt, weil sie jüdische Vorfahren hat. Ab den 50er Jahren beginnt ihre kontinuierliche Arbeit für Film und Fernsehen in der DDR. Die herausragende Darstellerin in der zweiten Reihe wirkt in fast 40 Kino- und mehr als 180 Fernsehfilmen mit, nach dem Zusammenbruch der DDR ist die über 80jährige in zahlreichen TV-Filmen zu sehen. Vielen ihrer Figuren gibt sie ein humoristisches Gepräge, ist in älteren Jahren eine brillante komische Alte.

Marga Legal wird am 18. Februar 1908 als Margarete Legal in Berlin geboren. Ihr Vater ist der Schauspieler, Regisseur und Intendant Ernst Legal, ihre Mutter, die vor ihre Hochzeit ebenfalls als Schauspielerin gearbeitet hat, ist danach Hausfrau. Die Eltern trennen sich, als sie 12 Jahre alt ist. Marga Legal wächst bei ihrer Mutter auf, absolviert in Wiesbaden ihre Schulausbildung an einem Lyzeum für höhere Töchter. Frühzeitig interessiert sie sich für die Schauspielerei, will in die Fußstapfen ihres Vaters treten. Als Sechzehnjährige erhält sie für ein Jahr privaten Unterricht in Sprechtechnik bei dem Kammersänger Joseph Geis in München.

Mit 19 Jahren steht Marga Legal erstmals auf der Theaterbühne. Sie gibt eine der Amazonen in "Penthesilea" nach Heinrich von Kleist. Ihr Talent wird entdeckt, bald erhält sie größere Rollen, spielt unter anderem in "Was ihr wollt" von William Shakespeare die Rolle der Viola. In der Folge arbeitet Marga Legal an diversen deutschen Bühnen; sie steht in Wuppertal, Stuttgart, Königsberg und Hamburg auf der Bühne. Ihr Repertoire ist weit gefächert, besonders überzeugt sie als Elisa Doolittle in "Pygmalion" von George Bernard Shaw.

Nachdem das "Reichsbürgergesetz" 1935 auf dem Nürnberger Parteitag beschlossen wird, das jüdische Mitbürger zu Menschen minderen Rechts abstempelt, erhält Marga Legal Auftrittsverbot. Mütterlicherseits werden ihr jüdische Vorfahren nachgewiesen; ihr Großvater war Jude und sie damit "Vierteljüdin". Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 steht sie auf keiner Bühne und spielt in keinem Film. Sie heiratet 1937 den Schauspieler Heinz Klevenow. Die Ehe kommt trotz Widerstands der nationalsozialistischen Behörden zustande und schützt die Schauspielerin vor der rassistischen Hatz der Machthaber. 1940 siedelt das Ehepaar, das mittlerweile drei Kinder hat, nach Prag über. Hier arbeitet ihr Ehemann am Deutschen Theater.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges muss die Familie Prag verlassen. Marga Legal kommt nach Hamburg und beginnt dort am Thalia-Theater nach mehr als 10 Jahren Unterbrechung wieder als Schauspielerin zu arbeiten. Bald findet sie in Berlin eine Heimstätte, spielt in den nächsten Jahren am Theater am Schiffbauerdamm, an der Volksbühne (1954) und am Maxim Gorki Theater (1955 bis 1968). Sie arbeitet mit den Regisseuren Fritz Wisten, Aribert Wäscher und Kurt Jung-Alsen. Die Schauspielerin gibt aristokratische Gesellschaftsdamen und schlichte Arbeiterinnen. Besonders überzeugend agiert sie modernen Stücken, spielt Hedda Zinner, Georg Kaiser und Ewan MacColl. Mit 50 Jahren verabschiedet sie sich von der Theaterbühne, wird Ehrenmitglied des Maxim Gorki Theater. Erst in den 90er Jahre, bereits im hohen Alter, steht sie wieder auf der Bühne, diesmal am Berliner Renaissance-Theater.

Anfang der 50er Jahre wird die DEFA auf die Schauspielerin aufmerksam. Marga Legal debütiert in DAS VERURTEILTE DORF (1952) unter der Regie von Martin Hellberg, spielt die Witwe Rühling. In der Folge liefert Marga Legal zahlreiche gereifte Frauenporträts ab, wegen ihres bereits vorgeschrittenen Alters bleiben Rollen jugendlicher Frauen außen vor. Aber sie überzeugt mit Charakterleistungen, stattet ihre Frauenrollen mit Charakterfestigkeit, Courage, Liebenswürdigkeit und Wärme aus. In ALARM IM ZIRKUS (1954) agiert sie als Mutter des Catchers, eine Mutter verkörpert sie auch in EINE BERLINER ROMANZE (1956), beide unter der Regie von Gerhard Klein. Als bestimmte Oberschwester sieht sie der Zuschauer in JAHRGANG 21 (1957) unter der Regie von Vaclav Gajer, als Haushälterin in dem Kriminalfall WARE FÜR KATALONIEN (1959) von Richard Groschopp. Sie spielt in FÜNF TAGE - FÜNF NÄCHTE (1960) eine herbe Frau in der Dresdner Gemäldegalerie, die sich erst langsam der russischen Besatzungsmacht öffnen kann. Eine ihrer wenigen Hauptrollen erhält sie in DIE FAHNE VON KRIWOI ROG (1967) unter der Regie von Kurt Maetzig. An der Seite von Erwin Geschonneck spielt sie Minna Brosowski, eine Bergmannsfrau aus dem Roten Mansfeld. Ihr gelingt es, die Figur sozial als auch individuell genau zu erfassen.

Die herausragende Darstellerin in der zweiten Reihe wirkt in fast 40 Kino- und mehr als 180 Fernsehfilmen mit, nach dem Zusammenbruch der DDR ist die über 80jährig in zahlreichen TV-Filmen zu sehen. Vielen ihrer Figuren gibt sie ein humoristisches Gepräge, ist in älteren Jahren eine brillante komische Alte. Hat sie anfangs mit charakterfesten Arbeiterfiguren überzeugt, stellt Marga Legal auch immer mehr Salondamen dar, bürgerliche oder adlige Frauen. Als Mutter des Hitlergegners Dietrich Bonhoeffer gewinnt sie in DIE DUNKLEN JAHRE (1982) von Joachim Kunert die Zuschauer. In den ersten zwei Teilen des Mehrteilers SACHSENS GLANZ UND PREUSSENS GLORIA (1985) von Hans-Joachim Kasprzik agiert sie als Gräfin von Lamas ganz in preußischer Manier. Besonders in den populären Serien POLZEIRUF 110 sowie DER STAATSANWALT HAT DAS WORT, später TATORT, GROSSSTADTREVIER und HEIMATGESCHICHTEN ist die Darstellerin häufig präsent, stattet ihre Auftritte mit viel Gespür für Details und das Wesentliche aus. Neben ihrer Filmarbeit ist Marga Legal im Synchronstudio und beim Rundfunk beschäftigt.

Marga Legal ist in erster Ehe mit dem Schauspieler Heinz Klevenow verheiratet. Gemeinsam haben sie drei Kinder. Die Ehe wird 1946 geschieden, die Kinder wachsen bei der Mutter auf. Die Künstlerin engagiert sich auch politisch, wird 1950 Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), arbeitet im Kulturbund und in der Betriebsgewerkschaftsleitung des Maxim-Gorki-Theaters mit. Von 1954 bis 1958 ist sie Stadtverordnete in Berlin, von 1967 bis 1971 Abgeordnete der Volkskammer der DDR.

Die Schauspielerin stirbt am 30. Oktober 2001 in Berlin an den Folgen eines Autounfalls.

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